Kriselnder Online-Riese Einstellungsstopp bei Amazon

Erneut schlechte Nachrichten von Amazon: Der kriselnde Online-Riese, der jüngst mit schwachen Geschäftszahlen enttäuscht hatte, will vorerst keine weiteren Mitarbeiter einstellen. Die Talfahrt der Aktie erhält neuen Schwung.
Genug ist genug: Amazon wird angesichts unsicherer Wirtschaftslage vorsichtig und verhängt einen Einstellungsstopp

Genug ist genug: Amazon wird angesichts unsicherer Wirtschaftslage vorsichtig und verhängt einen Einstellungsstopp

Foto: Peter Endig/ dpa

Der weltgrößte Online-Versandhändler Amazon will seine Mitarbeiterzahl angesichts von Inflations- und Rezessionsrisiken vorerst nicht weiter erhöhen. Die Konzernführung habe wegen der ungewissen wirtschaftlichen Lage und der vielen in den vergangenen Jahren angeheuerten Beschäftigten eine Einstellungspause für die kommenden Monate beschlossen, verkündete Amazon-Managerin Beth Galetti am Donnerstag im Firmenblog.

Je nach Geschäftsbereichen und Bedarf würden aber – etwa bei Personalabgängen – weiter vereinzelt Beschäftigte eingestellt. Amazon hatte weltweit zuletzt rund 1,54 Millionen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Amazon hatte vor wenigen Tagen bereits mit seinen Geschäftszahlen enttäuscht und einen erneuten Kurssturz seiner Aktie ausgelöst. Im abgelaufenen dritten Quartal verdiente das Unternehmen 2,9 Milliarden Dollar und damit gut 9 Prozent weniger als vor einem Jahr. Der Umsatz wuchs zwar um 15 Prozent auf 127,1 Milliarden Dollar, blieb aber ebenfalls unter den Markterwartungen. Selbst bei Amazons lukrativer Cloud-Sparte, die Speicherplatz und Onlinedienste für andere Unternehmen anbietet, gab es einen Wachstumsdämpfer.

Zudem gab Amazon einen trüben Ausblick ab: Der Konzern rechnet angesichts erhöhter Inflation und Rezessionssorgen mit einem überraschend schwachen Weihnachtsgeschäft. So erwartet Amazon im Schlussvierteljahr Erlöse zwischen 140 Milliarden und 148 Milliarden Dollar, wie das Unternehmen am vergangenen Donnerstag mitteilte. Das entspricht einem für Amazons Verhältnisse mauen Wachstum zwischen 2 und 8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Analysten hatten mit deutlich mehr gerechnet.

Die Amazon-Aktie befindet sich seit Monaten auf Talfahrt und verlor am heutigen Donnerstag erneut beinahe 3 Prozent. Auch Amazon-Gründer Jeff Bezos bekam die Kurstalfahrt bereits in seinem Aktiendepot zu spüren. Zu Beginn der Corona-Pandemie hatte der Konzern noch vom Boom des Online-Handels profitiert, inzwischen hat sich das Bild gewandelt. Erstmals seit April 2020 sank der Börsenwert des Konzerns in dieser Woche wieder unter eine Billion Dollar. Am heutigen Donnerstag ist Amazon an der Börse rund 913 Milliarden Dollar wert.

cr/dpa-afx
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