Ermittlungen Amazon im Visier deutscher und britischer Kartellbehörden

Das Bundeskartellamt will Amazon wegen seines großen Marktanteils schärfer beobachten. Dabei geht es auch um den Marktplatz für andere Händler und den Abo-Dienst Prime. Die britische Marktaufsicht ermittelt ab sofort wegen möglicher Wettbewerbsverstöße gegen Amazon.
Zu große Marktmacht? Das Bundeskartellamt stufte den Online-Riesen Amazon am Mittwoch als ein Unternehmen mit "überragender marktübergreifender Bedeutung für den Wettbewerb" ein

Zu große Marktmacht? Das Bundeskartellamt stufte den Online-Riesen Amazon am Mittwoch als ein Unternehmen mit "überragender marktübergreifender Bedeutung für den Wettbewerb" ein

Foto: Christoph Schmidt/ DPA

Nach Facebook, Meta und Google wird das Bundeskartellamt nun auch Amazon schärfer beobachten und möglichen Wettbewerbsverstößen nachgehen. Die Behörde stufte den Online-Riesen am Mittwoch als ein Unternehmen mit "überragender marktübergreifender Bedeutung für den Wettbewerb" ein.

Anders als Google und Meta akzeptiert Amazon die Entscheidung nicht. "Wir stimmen den Feststellungen des Bundeskartellamts nicht zu und werden die Entscheidung sowie unsere Optionen, auch Rechtsmittel, sorgfältig prüfen", hieß es in einer ersten Reaktion am Mittwoch.

Das Kartellamt bekam 2021 mehr Vollmachten bei Unternehmen mit marktübergreifendem Einfluss und kann ihnen Praktiken untersagen, die aus seiner Sicht den Wettbewerb gefährden. Die Google-Mutter Alphabet wurde im Januar als ein solches Unternehmen eingestuft, Meta folgte im Mai. Zu Apple laufen noch Untersuchungen.

"Amazon ist der zentrale Schlüsselspieler im Bereich des E-Commerce", erklärte Kartellamts-Präsident Andreas Mundt (61). Für Amazons Handelsplattform stellt die Behörde eine "zentrale strategische Position im deutschen Online-Einzelhandel" fest. Auf der Plattform können andere Händler ihre Artikel über Amazon verkaufen. "Bei seinen Marktplatzdienstleistungen für Dritthändler halten wir Amazon für marktbeherrschend", betonte Mundt. Damit greife hier auch die klassische Missbrauchsaufsicht. Amazon könne den Zugang anderer Unternehmen zu Absatz- und Beschaffungsmärkten kontrollieren und dabei seine Doppelrolle als Händler und Marktplatz ausspielen.

Abo-Dienst Prime unter Beobachtung

Auch verweist das Kartellamt auf den Abo-Dienst Prime, in dem neben kostenloser Lieferung auch unter anderem der Zugang zu Musik- und Videoangeboten enthalten ist. Mehr als 17 Millionen bei Amazon.de registrierte Nutzer hätten ein Prime-Abonnement, schrieb die Behörde. Mit Prime gelinge es Amazon, Nutzer "zum vermehrten Konsum im Ökosystem zu animieren, der dann anderen Anbietern mit ihren Angeboten nicht mehr zugänglich ist".

"Zusammenfassend deckt Amazon im E-Commerce marktübergreifend ein Leistungsangebot in einer Breite und Tiefe ab, wie dies sonst von keinem Wettbewerber Amazons aus einer Hand angeboten wird", schlussfolgerte das Kartellamt in seinem Fallbericht.

Die Firma entgegnete: "Amazon ist in erster Linie ein Einzelhändler" – und der Gesamtanteil des E-Commerce am deutschen Einzelhandelsumsatz sei für das Jahr 2021 durch den Handelsverband Deutschland auf lediglich 14,7 Prozent geschätzt worden. Man konkurriere mit vielen etablierten deutschen und internationalen Unternehmen, und das gelte auch für das Geschäft des Unternehmens in anderen Branchen.

Britische Kartellbehörde ermittelt gegen Amazon

Das Bundeskartellamt ist nicht die erste Behörde, die Amazon genauer unter die Lupe nimmt. Die britische Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde (CMA) teilte am Mittwoch mit, dass sie gegen Amazon ermittelt, um zu prüfen, ob der E-Commerce-Riese den Wettbewerb beeinträchtigt, indem er seinem eigenen Einzelhandelsgeschäft und Verkäufern, die seine Dienste nutzen, einen unfairen Vorteil gegenüber Drittanbietern auf seinem Marktplatz verschaffe. Eine entsprechende Untersuchung sei am Dienstag eingeleitet worden.

"Es ist richtig, dass wir sorgfältig untersuchen, ob Amazon die Daten Dritter nutzt, um sein eigenes Einzelhandelsgeschäft in unlauterer Weise anzukurbeln, und ob es Verkäufer bevorzugt, die Amazons Logistik- und Lieferdienste nutzen", sagte Sarah Cardell von der CMA. "Beides könnte den Wettbewerb schwächen."

Die CMA will sich bei ihrer Untersuchung auf drei Bereiche konzentrieren, darunter die Art und Weise, wie Amazon Daten von Drittverkäufern sammelt und nutzt, und wie es die Zulassungskriterien für den Verkauf unter dem Prime-Label festlegt. Auch die EU-Kommission untersucht die Handelspraktiken von Amazon.

Amazon verkauft Produkte über den Marktplatz durch sein eigenes Einzelhandelsgeschäft. Es erlaubt aber auch Drittanbietern, Artikel zu verkaufen. Amazon bietet diesen Verkäufern Dienstleistungen an, wie etwa Hilfe bei der Logistik oder die Vermittlung von Händlern an Kunden.

Amazon will mehr Daten mit anderen Händlern teilen

Bei Ermittlungen der EU-Wettbewerbshüter zu Amazons Marktplatz erzielte das Unternehmen unterdessen laut einem Medienbericht eine grundsätzliche Einigung. Amazon werde mehr Daten mit anderen Händlern teilen und das Produktangebot ausbauen, schrieb die "Financial Times" am Mittwoch. Die EU-Kommission ging dem Verdacht nach, dass Amazon als Plattformbetreiber andere Händler benachteilige. Nun solle die Meinung von Amazons Wettbewerbern zu der Vereinbarung eingeholt und der Deal könne nach dem Sommer offiziell festgezurrt werden, berichtete die Zeitung.

mje/dpa-afx/Reuters
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