Alexa-Dienste für den Gesundheitsmarkt Darum drängt Amazon ins Krankenzimmer

Patientin und Ärzte im Krankenhaus: Amazon drängt mit Alexa in die Nachsorge

Patientin und Ärzte im Krankenhaus: Amazon drängt mit Alexa in die Nachsorge

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Es läuft, wie es jedes Mal läuft, wenn Amazon eine weitere Branche aufrollt. Erst gibt es ein paar Tests - gerne erst einmal unter dem Radar der Öffentlichkeit und in beschränktem Ausmaß - bevor Amazon dann seine volle Marktmacht auspackt und die Kunden mit Bequemlichkeit, zunächst günstigen Preisen und seiner Kundenorientierung zu sich hinüberzieht.

Das Ziel diesmal: der Gesundheitsmarkt. Ein Sektor, in dem für den Onlinehändlerviel zu holen ist. Und den er - wie auch viele andere Tech-Konzerne - bereits seit einiger Zeit ins Visier genommen hat. Nun will der Konzern dieses Geschäft gleich von mehreren Seiten aufrollen.

- So kaufte Amazon im Sommer 2018 mit PillPack für knapp eine Milliarde Dollar eine Online-Apotheke.

- Der Händler entwickelte eine künstlich-intelligente Software , die Ärzten und Krankenhäusern dabei helfen soll, die Behandlungen von Patienten zu optimieren und dabei gleichzeitig Kosten zu sparen, indem die Software digitalisierte Patientenakten nach relevanten Informationen durchpflügt.

- Zudem gründete Amazon-Chef Jeff Bezos zusammen mit Warren Buffets Berkshire Hathaway and JPMorgan Chase ein Unternehmen, das zunächst für Firmen und später für die breite Öffentlichkeit Gesundheitslösungen entwickeln soll.

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- Amazon ist aktuell auch dabei, für seinen Lautsprecher Alexa Gesundheitsdienstleistungen anzubieten, wofür der Onlinehändler bereits reichlich Gesundheits- und Wellness-Experten rekrutiert hat.

Wie es scheint ist Amazon dabei der Konkurrenz einen Schritt voraus. Wie das "Wall Street Journal"  berichtet, hat der Konzern bereits eine Software für seinen smarten Assistenten Alexa entwickelt, die es ihm als erstem großen Tech-Konzern ermöglicht, sensitive gesundheitsbezogene Daten gesetzlichen Anforderungen entsprechend zu übermitteln.

Daten, Daten, Daten - und Amazon darf jetzt mithören

Damit können Nutzer sich über Sprachbefehle von Alexa Blutzucker-Ergebnisse auslesen lassen, Arzneimittelsendungen nachverfolgen, dringende Behandlungstermine vereinbaren und sich an Termine erinnern lassen.

Sogar zur Patientenüberwachung wird Alexa bereits eingesetzt: So können die Eltern kleiner Herzpatienten im Bostoner Kinderkrankenhaus das Klinikpersonal per Sprachnachricht darüber in Kenntnis setzen, wenn ihr Kind nach der Operation über Schmerzen klagt oder nicht mehr gut isst.

Von einer breiten öffentlichen Anwendung ist Amazon mit seinen Diensten noch weit entfernt. Und ob das Gros der Patienten sensitive Daten per Alexa-Spracheingabe mit Amazon teilen will, ist auch noch fraglich. Schließlich hatte der Sprachassistent im vergangenen Jahr nach einer Fehlinterpretation mehrerer Signalwörter eine private Konversation versehentlich an Dritte versandt. Ein Missgeschick, das international Schlagzeilen machte.

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Für Amazon könnte sich der vielseitige Ansatz - gerade über seinen Sprachassistenten - jedoch als entscheidend erweisen. Erlaubt er dem Technologiekonzern doch, möglichst viele Konversationen und Bedürfnisse zu analysieren, was wiederum die Basis für neue Angebote und Geschäftsmodelle - auch im Gesundheitsmarkt - legen dürfte.

Aber auch für die Verbreitung seines Lautsprechers könnten die neuen Dienste entscheidend sein. Amazons Vorsprung als First-Mover im Lautsprecher-Bereich schmilzt nämlich dahin. Lag der Anteil der Amazon-Geräte 2017 noch bei 59 Prozent, waren es laut dem Marktforscher Loup Ventures angesichts der Konkurrenz von Google und anderer Anbieter 2018 nur noch 40 Prozent.

In Deutschland dürften entsprechende Dienste, wie sie Amazon gerade in den USA testet, indes noch länger Zukunftsmusik bleiben. Zwar sollen ab 2021 nach dem Willen des Gesundheitsministeriums alle gesetzlich Versicherten Zugang zu ihrer digitalen Krankenakte bekommen. Und auch hierzulande bringen sich immer mehr Unternehmen im elektronischen Gesundheitsmarkt in Stellung. Selbst in Deutschland nutzt laut einer Erhebung der Marktforscher von eMarketer bereits jeder Zehnte  einen smarten Lautsprecher.

Bislang - offenbar auch aus Gründen der Privatsphäre - allerdings in erster Linie für das Abspielen von Musik.