Aktie schießt hoch Amazon kennt keine Inflationssorgen

Ob mit der Cloud, Online-Werbung, Abo-Diensten oder anderen Geschäften - Amazon sammelt mehr als 120 Milliarden Dollar Quartalsumsatz ein. Und sie sollen weiter steigen - trotz Infaltion. Die Anleger sind begeistert.
Prime funktioniert: Trotz Preiserhöhungen gelingt es Amazon, neue Kunden für seinen Prime-Service mit kostenlosem Versand und Streaming-Diensten anzulocken

Prime funktioniert: Trotz Preiserhöhungen gelingt es Amazon, neue Kunden für seinen Prime-Service mit kostenlosem Versand und Streaming-Diensten anzulocken

Foto: STEFANI REYNOLDS / AFP

Amazon hat ungeachtet der hohen US-Inflation mit einem Umsatz über den Experten-Erwartungen und einem optimistischen Ausblick seine Aktie auf Höhenflug geschickt. Der weltgrößte Einzelhändler gab am Donnerstag nach US-Börsenschluss einen Umsatz im zweiten Quartal von 121,2 Milliarden Dollar bekannt. Analysten hatten laut Refinitiv-Daten 119,1 Milliarden erwartet.

Für das laufende dritte Quartal sagte der US-Konzern einen Umsatz zwischen 125 und 130 Milliarden Dollar voraus, angetrieben etwa von höheren Preisen für sein Prime–Mitgliedsprogramm. Hier erwarten Fachleute 126,4 Milliarden. Die Amazon-Aktie legte nachbörslich zunächst 13 Prozent zu.

Auch der operative Gewinn im vergangenen Quartal lag mit 3,3 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 7,7 Milliarden Dollar) über den Vorhersagen von 1,8 Milliarden Dollar. Ohne Sonderposten betrug der Gewinn je Aktie 0,18 Dollar und übertraf damit die Prognose von 0,13 Dollar.

Im wichtigen Cloud-Geschäft (AWS) lag der Umsatz im zweiten Quartal bei 19,7 Milliarden Dollar nach 14,8 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Der Betriebsgewinn der Cloud-Plattform nahm um rund 32 Prozent auf 5,7 Milliarden Dollar zu. Amazons immer wichtigeres Online-Werbegeschäft erhöhte die Erlöse um 18 Prozent auf 8,8 Milliarden Dollar.

Auch wenn der von der Pandemie beflügelte Shopping-Boom im Internet zu Ende ist, erhöhten Amazons Abo-Dienste die Umsätze um 10 Prozent auf 8,7 Milliarden Dollar. Trotz Preiserhöhungen gelang es Amazon, neue Kunden für seinen Prime-Service mit kostenlosem Versand und Streaming-Diensten anzulocken, die in der Regel deutlich mehr Geld auf der E-Commerce-Plattform ausgeben als andere Nutzer.

Konzernchef Andy Jassy (54) erklärte, ungeachtet der Teuerung bei Treibstoff, Energie und Transportkosten seien Fortschritte bei gewissen Kosten erzielt worden. Finanzchef Brian Olsavsky sprach von einem sehr starken Geschäft im Juni. Dabei seien die Kosten im Rahmen der Erwartungen geblieben.

Tatsächlich sieht sich die gesamte Einzelhandelsbranche  in den USA mit den Folgen der hohen Inflation konfrontiert. So hatte der Rivale Walmart vor einigen Tagen eine Gewinnwarnung herausgegeben. Die Verbraucherpreise in den USA sind zuletzt um 9,1 Prozent gestiegen - der höchste Stand seit Ende 1981. Der starke Preisauftrieb nagt an der Kaufkraft der Bürger, da die Lohnsteigerungen mit der Inflation nicht Schritt halten.

Abschreibungen auf E-Autobauer Rivian

Unter dem Strich verbuchte Amazon in den drei Monaten bis Ende Juni einen Nettoverlust von 2,0 Milliarden Dollar. Der Grund war aber, dass eine Beteiligung am Elektroautobauer Rivian um 3,9 Milliarden Dollar abgewertet wurde. Das Unternehmen geriet im allgemeinen Abwärtstrend der Tech-Werte heftig an der Börse unter Druck und hatte Amazon bereits im vorherigen Quartal eine 7,6 Milliarden Dollar schwere bilanzielle Wertkorrektur und rote Zahlen eingebrockt.

rei/Reuters/DPA
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