Mittwoch, 13. November 2019

Nach Todesfällen durch E-Zigaretten Altria und Philip Morris blasen Fusion ab -  Juul wechselt Chef aus und stoppt Werbung - aber nicht in Deutschland

Alte Marlboro-Packung: Wegen zahlreicher Todesfälle blasen Altria und Philip Morris ihre Wiedervereinigung ab

Angesichts des Skandals um mehrere Todes- und hunderte Krankheitsfälle in den USA im Zusammenhang mit E-Zigarettenkonsum zieht der Tabakmulti Philip Morris die Reißleine und bläst den geplanten Zusammenschluss mit Altria ab. Altria ist mit 35 Prozent an dem US-Marktführer Juul beteiligt, der wegen fragwürdiger Marketingpraktiken und wegen seines großen Erfolges bei Jugendlichen in die Kritik steht.

Nach einem Verkaufsverbot in San Francisco hatte am Mittwoch auch Massachusetts als erster US-Bundesstaat den Verkauf von E-Zigaretten zunächst verboten.

Auch Altria und dessen Beteiligung Juul zogen weitere Konsequenzen aus dem Skandal. Juul tauscht seine Führung aus und kündigte an jegliche Werbung für seine Produkte stoppen zu wollen. Dies gilt allerdings offenbar nicht für sämtliche Märkte. In Deutschland werde weiter geworben, erklärte ein Sprecher auf Nachfrage von manager magazin. Firmenchef und Mitbegründer Kevin Burns wird von K.C. Crosthwaite vom Tabakkonzern Altria abgelöst.

Juul, die in den USA nach eigenen Angaben einen Marktanteil von rund 75 Prozent haben und als "Apple" der E-Zigarette gelten, haben bei Jugendlichen seit ihrem Marktstart einen enormen Hype erlebt. In einer kürzlich veröffentlichten Befragung von US-Teenagern gab jeder Vierte an, bereits einmal an einer E-Zigarette gezogen zu haben. Das häufigste Einstiegsalter ist demnach 14 Jahre. Ein Phänomen, das die US-Gesundheitsbehörde bereits von einer Epidemie sprechen ließ.

Viele "Vaper" sind gerade mal 14 Jahre alt

Vor dem Hintergrund von bislang neun Todesfällen und mehr als 500 Krankheitsfällen, die in Zusammenhang mit dem Konsum von E-Zigaretten gebracht werden und des rasanten Anstiegs junger "Vaper", hatten diverse US-Behörden Ermittlungen gegen E-Zigaretten Hersteller eingeleitet und Auflagen gegen die Branche erlassen. Auch der größte stationäre US-Händler Walmart stellte den Verkauf ein.

Altria und Philip Morris hatten sich 2008 vor dem Hintergrund zahlreicher US-Klagen aufgespalten. Während Philip Morris die internationalen Geschäfte weiterführte, konzentrierte sich Altria auf den US-Markt.

Um ihre Marktmacht im neuen E-Zigarettenmarkt zu erhöhen, hatten die beiden Konzerne jedoch laut über ein erneutes Zusammengehen nachgedacht. Eine Fusion von Philip Morris und Altria hätte gewaltige Dimensionen gehabt: Altria hatte zuletzt einen Börsenwert von rund 76 Milliarden US-Dollar, Philip Morris brachte es auf gut 111 Milliarden Dollar.

Am Markt kamen die gescheiterten Verhandlungen indes gut an: Die Aktien beider Konzerne reagierten mit deutlichen Kursgewinnen. Philip Morris legte zeitweise um 8 Prozent zu.

dpa/mihec

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