Dienstag, 23. Juli 2019

Alibaba-Gründer Jack Ma Der Mann, der Ebay besiegte

Ausverkaufte Cebit-Eröffnung (2015 in Hannover mit Kanzlerin Merkel): Anfangs sprach Ma vor nicht mal einer Handvoll Zuhörern

Berlin, Messezentrum. Dort findet im Jahr 2000 die Internet World statt. Ein kleiner, schmächtiger Chinese namens Jack Ma will dort sein soeben gegründetes Unternehmen namens Alibaba Börsen-Chart zeigen vorstellen. Der Raum bietet Platz für 500 Zuhörer, doch nur drei sitzen da. Ma hält trotzdem seine Rede. Danach sagt er zu seinen zwei begleitenden Mitarbeitern: "Macht euch keine Sorgen. Wenn ich hierher zurückkomme, wird die Bude voll sein."

15 Jahre später kommt er zurück nach Deutschland - zwar nicht nach Berlin, aber nach Hannover. Dort hält er im März 2015 zu Beginn der CeBit die Eröffnungsrede. Der Saal mit 2800 Gästen ist ausgebucht, selbst die Kanzlerin gibt sich die Ehre. Alle lauschen sie Ma, dessen Alibaba-Konzern inzwischen zu einem der größten Online-Unternehmen der Welt aufgestiegen ist. Alibabas gigantischer Börsengang in New York, der rund 25 Milliarden Dollar in die Kassen spülte, ist legendär.

Von Mister Nobody zum Weltstar in 15 Jahren - wer ist dieser dünne Mann, in dem so viel Energie steckt? Wie schaffte es dieser nur scheinbar unscheinbare Chinese, den amerikanischen Giganten Ebay zu besiegen?

Bislang wusste man relativ wenig über einen der reichsten Chinesen (geschätztes Vermögen: 22 Milliarden Dollar). Es kursieren ein paar witzige Videos über ihn, auf denen er zum Beispiel vor 20.000 Beschäftigten als singende Rockstar-Imitation auftritt. Aber wie gibt er den Ton im Unternehmen an, wenn er nicht singt? Wie managt er, wie führt er?

Asiatische Weisheiten und westliches Knowhow

Einblicke in Mas Führungsstil und Gedankenwelt gibt erstmals ausführlich Porter Erisman in seinem soeben erschienen Buch "Alibaba's World" mit dem ambitionierten Untertitel "How a remarkable Chinese company is changing the face of global business."

Der amerikanische Marketing- und PR-Experte Erisman war in der Gründungsphase einer der ersten Ausländer bei Alibaba. Das Einstellungsgespräch mit Ma dauerte damals fünf Minuten, dann bekam er den Job und ein Gehalt von 100.000 Dollar. Eine irre Zahl, denn die Gründer begnügten sich anfangs mit 60 Dollar im Monat. Aber Ma war von an Anfang an klar, dass er (teure) westliche Expertise braucht: "Wir kombinieren asiatische Weisheiten mit westlichem Knowhow."

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