Mittwoch, 24. April 2019

Alibaba-Gründer Jack Ma Der Mann, der Ebay besiegte

Ausverkaufte Cebit-Eröffnung (2015 in Hannover mit Kanzlerin Merkel): Anfangs sprach Ma vor nicht mal einer Handvoll Zuhörern

2. Teil: Ma: "Wir starten einen Krieg mit Ebay"

In dieser Kombination fühlt er sich den US-Internetkonzernen überlegen, vor allem seinem Lieblingsfeind Ebay. Im Sommer 2003 hörte er, dass Ebay auf den chinesischen Markt kommen wolle. Ma fackelte nicht lange und stürmte in Porter Erismans Büro mit der Parole: "Wir starten einen Krieg mit Ebay."

Ma steckte sechs seiner besten Leute in Quarantäne. Wochenlang brüteten sie in Mas Apartment in Hangzhou aus, wie sie Ebay attackieren könnten. Sie erfanden die Plattform Taobao, die einiges anders machen sollte als Ebay, zum Beispiel beim Bezahlsystem. Zudem wurde ein Chat zwischen Käufern und Verkäufern ermöglicht. Taobao war viel besser auf den chinesischen Kunden zugeschnitten, während Ebay glaubte, sein US-Modell ohne große Adaptionen auf den chinesischen Markt übertragen zu können.

Die Folge: Taobao war viel erfolgreicher als Ebay. Das wurmte die damalige Ebay-Chefin Meg Whitmann. Typisch amerikanisch dachte sie: Wenn ich Taobao nicht besiegen kann, kaufe ich die Chinesen eben. Mehrmals trafen sich Whitman und Ma, dem aber die Überheblichkeit der amerikanischen Möchtegern-Aufkäufer missfiel. Ein Deal kam nicht zustande. Ende 2006 verabschiedete sich Ebay aus China.

103 Jahre alt soll Alibaba werden

Ma hatte nie die Absicht, zu verkaufen. Er will selber groß werden. Er denkt - typisch chinesisch - in ganz anderen Zeiträumen. Mindestens 80 Jahre - das war anfangs die Vorgabe - soll Alibaba überleben. Später korrigierte er diese Zahl nach oben - auf 103 Jahre. Wie kommt er auf diese krumme Zahl? Alibaba wurde 1999 gegründet. Wenn es mindestens 103 Jahre alte werden würde, würde es also auch noch im 22. Jahrhundert bestehen, also über drei Jahrhunderte hinweg existieren. So denkt kein Westler, aber eben ein Chinese, ein Jack Ma.

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Und Ma träumt von Größe. Der 50-Jährige, der das Unternehmen "nur" noch als Chairman führt, will den Alibaba-Konzern mit seinen vielen Töchtern (unter anderen Taobao, Tmall, Alipay) zu einem globalen Online-Konzern ausbauen. Auf den legendären jährlichen Kick-Off-Meetings, die aufgrund der großen Beschäftigtenzahl mittlerweile im Stadion von Hangzhou stattfinden müssen, schwört er stets seine Mitarbeiter ein. Es fallen Sätze wie: "Wir wollen mit Taobao nicht nur der größte Marktplatz Chinas schaffen, sondern den größten der Welt." Oder: "Eines Tages werden wir größer als Walmart sein. Einige werden denken, wir sind verrückt."

Erisman erinnert sich, dass Ma in den Anfangsjahren oft den legendären Intel-Mitgründer Andy Grove zitierte: "Nur die Paranoiden überleben." Geht es danach, haben Ma und Alibaba große Überlebenschancen.

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