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Inside-Report Aldis Absturz

Der Discountriese hat sich mit der milliardenschweren Erneuerung verzettelt und sein Profil verloren. Der Rückstand auf Erzrivale Lidl wächst rasant. Jetzt sollen alte Tugenden den Niedergang stoppen.
aus manager magazin 4/2022
Aldi-Markt: "Aldi hat sich dramatisch verändert"

Aldi-Markt: "Aldi hat sich dramatisch verändert"

Foto: DPA

Der Mann, dessen Geist hier wehen soll, ist seit fast zwölf Jahren tot. An einem frühen Morgen 2009 fuhr Theo Albrecht das letzte Mal in sein Büro, stellte die leicht abgewetzte Aktentasche hinter dem Schreibtisch ab und begann mit der Arbeit. Als er den Raum verließ, ließ er eine Rolle mit Skizzenpapier zurück, rückte den Magneten mit Büroklammern auf der Holzplatte zurecht und ordnete seine Stifte säuberlich in einem schwarzen Halter. Ein Jahr später starb er.

Mahnmal: Theo Albrechts Büro steht eins zu eins im Erdgeschoss der neuen Hauptverwaltung. Auf dem Boden die abgewetzte Aktentasche des Gründers.

Mahnmal: Theo Albrechts Büro steht eins zu eins im Erdgeschoss der neuen Hauptverwaltung. Auf dem Boden die abgewetzte Aktentasche des Gründers.

Foto: DEIMEL+WITTMAR

Das Büro blieb nach seinem Tod jahrelang unangetastet, unzugänglich für die Öffentlichkeit. Bis es vor wenigen Monaten aus der schmucklosen Verwaltung an der Essener Eckenbergstraße in einen nur wenige Meter entfernten Prachtbau umzog: Aldis neuen Campus mit Plaza, Versuchsküche, Fitnessstudio und Co-Working-Flächen. 2000 Beschäftigte werden dort einziehen, allein 150 Datenanalysten. Das Gebäude soll für ein neues Aldi stehen: transparenter, strahlender, kommunikativer – und gleichzeitig effizient und diszipliniert.

Alles neu und doch alles wie immer.

Prachtbau im Zeichen des A: In Essen gönnt sich Aldi Nord eine spektakuläre Zentrale, will sich aber gleichzeitig auf alte Werte besinnen

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Foto:

Stefano Laura / BILD

Das rekonstruierte Büro des Gründers samt seiner Schreibmaschinensammlung im Erdgeschoss soll mehr sein als ein Denkmal, es ist eine tägliche Erinnerung, ein Kompass, wohin die Reise gehen soll: "Wir müssen zurück zu den Basics", sagt Kommunikationschef Florian Scholbeck. Einer, der das umsetzen soll, heißt Sascha Schikarski (41), er gehört zu den neuen mächtigen Männern des Discounters.

2017 heuerte der frühere Rewe-Manager bei Aldi Nord an, seit gut einem Jahr verantwortet er als Chief Operating Officer das internationale Geschäft. Dass er über Aldis Entwicklung im Norden reden darf, gehört zur neuen Unternehmenskultur. Dass er keine Zahlen nennt und nicht zitiert werden darf, ist Teil der alten. Allerdings hätte er auch wenig erfreuliche Nachrichten.

Der Erfinder des Discounts, der wie kein anderer mit guten Produkten zum niedrigsten Preis den Lebensmitteleinzelhandel dominierte, ist zwar international noch auf Wachstumskurs, aber auf dem wichtigen deutschen Markt abgehängt. Das gilt für Aldi Nord und Süd gleichermaßen.

Während die Konkurrenz von Edeka über Rewe bis Lidl von der Corona-Pandemie profitierte und teils zweistellig wuchs, ist der Umsatz von Aldi im Vorjahr geschrumpft. Ein positives Ergebnis wie 2021 gilt den Managern plötzlich als Erfolg. Doch erstmals verdient Lidl mehr Geld pro Quadratmeter Verkaufsfläche. International ist der Erzkonkurrent ohnehin längst enteilt. 

Aldi, früher einmal das beste Handelsunternehmen der Welt, ist austauschbar geworden. Der einstige Primus steigt ab zum Problemfall.

Dafür verantwortlich sind zwei Entwicklungen: Zwei Gründer, die so lange an ihren Prinzipien festhielten, bis Aldi gestrig wirkte; und ihre Nachfolger, die umso eifriger alles auf Neu stellten und dem Discounter so Halt und klare Positionierung nahmen. Das Beispiel Aldi kann als Warnsignal dienen für alle Konzerne, die den Umbruch wagen und sich dabei verlieren.

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