Dienstag, 18. Juni 2019

Discounter eröffnet Filialen in Shanghai - "Berliner Bao" im Flagship-Store Aldi setzt in China auf Haxen mit Sauerkraut

Aldi in China: Am 7. Juni eröffnet der erste Flagship-Store in Shanghai

Der Lebensmittelhändler Aldi eröffnet in Shanghai seine ersten beiden Filialen in China. Am 7. Juni werden zwei Märkte in der ostchinesischen Hafenmetropole eröffnet, wie Aldi China einen Vorab-Bericht von manager magazin bestätigte. Auf einer Fläche von rund 1000 Quadratmetern sollen rund 1300 verschiedene Produkte aus 15 Produkt-Kategorien angeboten werden. Chef von Aldi China ist Christoph Schwaiger, das Aldi China Team ist zunächst 200 Personen stark.

Die Läden werden lokal beschaffte und importierte Waren anbieten - von Rindfleisch und Milch aus Australien bis hin zu Fertiggerichten, bestätigte Aldi China. Zum Angebot gehöre auch Schweinshaxe mit Sauerkraut und Bratkartoffeln - als Discounter aus Deutschland wolle Aldi den chinesischen Kunden eben auch deutsche Spezialitäten anbieten. Dazu gehört auch der "Berliner Bao" - ein deutsches Würstchen mit Sauerkraut in einem traditionellen chinesischen Dampfbrötchen.

Die ersten Filialen werden im Jing'an Sporteinkaufszentrum sowie im Gumei Life Plaza im Minhang Bezirk eröffnet. Bisher hat "Aoleqi", wie sich Aldi auf Chinesisch nennt, seine Waren in China nur online über die große Handelsplattform Tmall verkauft. Es sollen in diesem Jahr zehn Märkte eröffnet werden, berichteten chinesische Medien. Die Kooperation mit der Alibaba-Tochter Tmall soll aber fortgeführt werden.

"Weiterer Schritt im Rennen von Aldi und Lidl"

"Das ist ein weiterer Schritt im Wettrennen von Aldi und Lidl weltweit", sagte Handelsexperte Matthias Queck von LZ Retailytics der dpa. Aldi Süd versuche, Claims abzustecken. Außerhalb Europas sei Aldi Süd mit der Expansion insbesondere in den USA und Australien in dem Wettrennen unbestritten vorn. Gerade das stationäre Geschäft sei in China aber kein Selbstläufer. Vor diesem Hintergrund sei zu sehen, dass Aldi Süd zunächst online in China gestartet sei. "Es wird zwangsläufig Irrtum dabei sein." Es sei zu vermuten, dass Aldi Süd sich zunächst vorsichtig vortaste mit auffällig wenigen Filialen, um das Konzept zu testen. Sollte es sich als erfolgreich erweisen, wäre Aldi Süd in der Lage, in kürzester Zeit kräftig in die Expansion zu investieren, meinte Queck.

US-Kette Wal-Mart betreibt bereits 400 Supermärkte in China

Große ausländische Supermärkte wie Carrefour oder Walmart sind in China schon lange vertreten, passen sich dabei stark dem chinesischen Geschmack an. Die US-Kette Walmart startete schon 1996 und betreibt heute mehr als 400 Supermärkte. Das französische Unternehmen Carrefour hat mehr als 230 Läden.

Chinesen kaufen gerne online - auch Lebensmittel

Einzelhandelsumsätze verlagern sich in China allerdings stark ins Internet - so wuchsen Lebensmittelumsätze online im vergangenen Jahr um rund 50 Prozent.

Der deutsche Discount-Pionier präsentiert sich in China auch höherwertiger als sonst, berichtete die "Lebensmittelzeitung". Aldi setzte stark auf von den Chinesen sehr geschätzte Importware. Durch diesen Fokus könne er eine wohlhabendere Kundenschicht ansprechen. Insofern sei das Geschäft in China nicht vergleichbar mit dem Massengeschäft des Discounters in anderen Ländern.

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Aldi Süd ist inklusive seiner China-Aktivitäten in elf Ländern mit über 6240 Filialen vertreten. Die Mülheimer Unternehmensgruppe hat weltweit rund 149 000 Mitarbeiter. Das Essener Schwesterunternehmen Aldi Nord ist nach eigener Darstellung in neun Ländern aktiv.

Aldi betreibt in Deutschland etwa 4400 Filialen, ist in Deutschland aber bereits vor einigen Jahren an seine Wachstumsgrenzen gestoßen. Im Jahr 2018 hat die Unternehmensgruppe Aldi Nord erstmals in seiner Unternehmensgeschichte einen operativen Verlust in ihrem Heimatmarkt erzielt. Auf das schwächelnde Deutschland-Geschäft hat der Discounter bereits mit einer Expansion reagiert, unter anderem in England und den USA. Zudem hat Aldi-Nord-Chef Torsten Hufnagel ein umfangreiches Investitionsprogramm aufgelegt, um Aldi-Filialen zu modernisieren.

Für den Umbau der Filialen daheim sowie für die Errichtung weiterer Filialen im Ausland will Aldi in diesem Jahr mehr als 5 Milliarden Euro investieren. Es ist das größte Investitionsprogramm in der Unternehmensgeschichte. Während Aldi Nord sich bei der Expansion im Ausland auf Spanien, Frankreich, Polen und die Beneluxstaaten konzentriert, wagt Aldi Süd nun den großen Schritt auf den chinesischen Markt - in der Hoffnung, durch Wachstum im Reich der Mitte die Probleme auf dem Heimatmarkt bald vergessen zu machen.

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