Neues Kontrollsystem Airbnb installiert eine Anti-Party-Technik

Airbnb will sich mit Künstlicher Intelligenz gegen unerlaubte Veranstaltungen wehren. Mit dem neuen Tool soll das weltweite Party-Verbot noch schärfer kontrolliert werden.
Partymuffel: Co-Gründer und CEO Brian Chesky

Partymuffel: Co-Gründer und CEO Brian Chesky

Foto: AP

Seit 2020 gilt in allen über Airbnb vermittelten Wohnräumen ein Party-Verbot. Nur ist das für die US-Plattform schwierig durchzusetzen. Immer wieder beschweren sich Vermieter über unerlaubte Feier- und Saufgelage in ihren Wohnungen. Um die Exzesse einzudämmen, führt Chef Brian Chesky (40) nun ein neues Kontrollinstrument ein: Per Algorithmus sollen feierwillige Kundinnen und Kunden schon während des Buchungsprozesses entlarvt und dann blockiert werden.

Foto: Jakub Porzycki / NurPhoto / IMAGO

Das Anti-Party-Tool untersucht die potenziellen Mieter. Konkret beispielsweise: Wie viele positive oder negative Bewertungen die User haben, wie lange sie bereits auf Airbnb sind, wie weit sie von dem Mietobjekt entfernt wohnen, ob sie ein Wochenende buchen wollen und wie lange der Aufenthalt dauert. Daraus errechnet das System ein individuelles Party-Risiko. Hauptziel sei es, "böswilligen Akteuren die Möglichkeit zu nehmen, unerlaubte Feste mit negativen Folgen für Gastgebende, Nachbarn und die Gemeinschaften zu veranstalten", erklärte Airbnb.

Um die potenziellen Kunden nicht komplett zu vergraulen, soll die Software Alternativen vorschlagen. Statt eines ganzen Hauses könnten die User einzelne Zimmer über die Plattform buchen. Oder ihnen wird eine Liste mit Apartments präsentiert, bei denen der Vermieter selbst vor Ort wohnt.

Im Probelauf mehr als 6000 Gäste ausgeschlossen

Die Technik wird seit Oktober vergangenen Jahres laut einem Blogbeitrag von Airbnb bereits in Australien getestet, wo es einen Rückgang nicht genehmigter Partys in den Unterkünften um 35 Prozent gegeben haben soll. 2021 hat das Unternehmen mehr als 6.600 Gäste ausgeschlossen. Ohnehin erlaubt Airbnb Personen unter 25 Jahren mit weniger als drei positiven Bewertungen nicht, ganze Unterkünfte zu buchen. Das neue System soll nun zunächst in den USA und Kanada weiträumig zum Einsatz kommen.

Seit 2019 stehen Chesky und seine Plattform unter wachsendem Druck, gegen Partys vorzugehen. Spätestens nachdem eine Halloween-Hausparty in einem Vorort von San Francisco mit fünf Toten bei einer Schießerei endete. Das Partyverbot ab 2020 war ursprünglich als vorübergehende Gesundheitsmaßnahme während der Pandemie gedacht, wurde aber in diesem Juni dauerhaft eingeführt.

Wie konkret die neue Technologie nun wirklich hilft, ist fraglich. Doch so viel ist gewiss: Die Zahl der zu untersuchenden Nutzer steigt kontinuierlich. Seit seiner Gründung im Jahr 2008 wurden über die Plattform rund eine Milliarde Unterkünfte angeboten. Die Zahl der Vermieter liegt bei rund vier Millionen. Trotz wirtschaftlichem Abschwung konnte im abgelaufenen Quartal der Umsatz im Jahresvergleich um 58 Prozent auf knapp zwei Milliarden US-Dollar gesteigert werden.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.