Skandal-Rapper Adidas stoppt milliardenschwere Kooperation mit Kanye West

Der schrille US-Star war mit der Marke Yeezy jahrelang die Cashcow des Konzerns. Doch die jüngsten Entgleisungen waren zu viel, Adidas steigt umgehend aus. Das belastet auch das Jahresergebnis 2022 massiv.
"Hasserfüllt und gefährlich": Kanye West, alias Ye, war für Adidas nicht mehr tragbar

"Hasserfüllt und gefährlich": Kanye West, alias Ye, war für Adidas nicht mehr tragbar

Foto: Julien De Rosa / dpa

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Die Partnerschaft mit dem US-Rapper Kanye West (45) hat in der Adidas-Zentrale in Herzogenaurach jahrelang für gute Stimmung gesorgt. Das gemeinsame Yeezy-Projekt sei "eine der erfolgreichsten Kollaborationen in der Geschichte unserer Industrie", frohlockte Vorstand Brian Grevy (52) in einem firmeninternen Post Anfang Oktober. Man sei stolz auf die "ikonischen Produkte". Allerdings, so Grevy, beruhten erfolgreiche Partnerschaften auf gegenseitigem Respekt und geteilten Werten. Angesichts der wiederholten Entgleisungen von Kanye West, der sich nur noch Ye nennt, setze Adidas die Partnerschaft "under review".

Nach antisemitischen Äußerungen des US-Rappers ist diese Überprüfung nun zu einem eindeutigen Ende gelangt: Der Adidas-Konzern beendet die Milliardenkooperation mit Ye "umgehend", teilte der Konzern am Dienstag mit. Die Produktion von Artikeln der Marke Yeezy werde gestoppt, jegliche Geldflüsse an Ye und dessen Firmen ebenso. "Wir tolerieren keinen Antisemitismus oder jede andere Form von Hate-Speech", erklärte der Konzern. Die jüngsten Kommentare und Aktionen von Ye seien "inakzeptabel, hasserfüllt und gefährlich" gewesen und verletzten die Werte des Unternehmens.

Die wirtschaflichen Folgen sind immens. Angesichts der Bedeutung der Kollaboration mit Ye nimmt Adidas erhebliche Gewinneinbußen hin. Auf ein Minus von 250 Millionen Euro beim Nettogewinn im laufenden Jahr bezifferte das Unternehmen den Effekt.

Spektakel: Kanye West bei der Präsentation der Yeezy-Kollektion auf der New York Fashion Week im Jahr 2015

Spektakel: Kanye West bei der Präsentation der Yeezy-Kollektion auf der New York Fashion Week im Jahr 2015

Foto: Randy Brooke

Seit Wochen treibt der schrille Musiker den Adidas-Vorstand um den scheidenden CEO Kasper Rorsted (60) in den sozialen Medien vor sich her. Ye verlangt eine höhere Beteiligung an den Umsätzen der Sneakers-Marke Yeezy und attackierte Management und Aufsichtsräte um den Vorsitzenden Thomas Rabe (56) wiederholt auch persönlich. Ye sprach sogar von "Bürgerkrieg. Der zuständige Adidas-Manager soll unter Personenschutz stehen.

Adidas plante mit 1,7 Milliarden Euro Umsatz durch Yeezy

Zuletzt provozierte Ye zusätzlich noch mit offen antisemitischen Äußerungen über seine Social-Media-Kanäle. Andere Firmenpartner wie die US-Modekette Gap oder die zum Kering-Konzern gehörende Luxusmarke Balenciaga stoppten ihre Kollaborationen mit Ye. In Deutschland forderte unter anderem Josef Schuster (68), Präsident des Zentralrats der Juden, eine umgehende Distanzierung auch von Adidas. "Die täglich neuen antisemitischen Entgleisungen des Rappers sind für die Jüdinnen und Juden in Deutschland und in aller Welt unerträglich", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Gerade "als deutsches Unternehmen" müsse Adidas eine klare Haltung zeigen.

Nun kappt Adidas die Connection zum teuersten und gefährlichsten Mitarbeiter des Konzerns. Rein wirtschaftlich dürfte der Schnitt nicht leichtgefallen sein. Ye sollte dem deutschen Konzern über die Marke Yeezy in diesem Jahr rund 1,7 Milliarden Euro Umsatz einspielen, hatten Insider erwartet – das würde rund 7,5 Prozent des gesamten Konzernumsatzes entsprechen. Yeezy war die Cashcow des Konzerns: Nach Abzug von Yes Beteiligung soll die operative Marge nach Informationen des manager magazins noch immer bei rund 30 Prozent liegen. Adidas äußert sich dazu nicht.

Was die Ye-Profite für den Konzern bedeuten, zeigen allerdings die aktuellen Zahlen: Nach der – nun schon wieder überholten – Gewinnwarnung vom 20. Oktober  rechnete Vorstandschef Rorsted für 2022 nur noch mit einem operativen Konzerngewinn von rund 500 Millionen Euro. Ohne die mutmaßlich dreistelligen Millionenprofite durch Yeezy wäre Adidas also theoretisch nur gerade eben noch Break-even.

Adidas-Aktie unter Druck

Entsprechend alarmiert reagierten die Investoren, als erste Gerüchte zum Ende der Ye-Partnerschaft die Runde machten. Der Aktienkurs sank am Dienstag zunächst um 3,5 Prozent auf den tiefsten Stand seit April 2016. Später ging es weiter abwärts. Insgesamt ist der Konzern gerade noch 19 Milliarden Euro wert.

Adidas hatte die Partnerschaft mit Ye im Jahr 2013 begonnen. Zuvor war der Rapper mit dem Wettbewerber Nike verbandelt – war aber auch dort im heftigen Streit mit dem damaligen Vorstandschef Mark Parker (67) ausgeschieden.

Wie es mit den Yeezy-Produkten künftig weitergeht, ist unkar. Die Marke ist tot. Aber die Rechte, auch an den Designs und Farbmustern, würden allein bei Adidas liegen, teilte das Unternehmen mit. Weitere Details wolle man bei Verkündung der Quartalszahlen am 9. November mitteilen.

Seine wirtschaftliche Bedeutung für Adidas hatte Ye zuletzt unverhohlen als Druckmittel genutzt. "Es kostet Euch Milliarden, wenn ich gehe", hatte er vor Wochen schon auf Instagram gedroht.

Das stimmt. Aber Rorsted und seine Leute verzichten, um das unkalkulierbar gewordene Risiko namens Ye loszuwerden. Und um ein klares Zeichen zu setzen.

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