Nach Rassismus-Aussagen Mitarbeiter scheuchen Adidas-Vorständin aus dem Amt

Karen Parkin war lange eine enge Vertraute von Adidas-Chef Kasper Rorsted. Dann wurde sie für ihn zu einem "Hindernis" - wie sie selbst erkennen musste.
Bild aus besseren Zeiten: Karen Parkin, hier auf einem offiziellen Foto ihres Ex-Arbeitgebers Adidas.

Bild aus besseren Zeiten: Karen Parkin, hier auf einem offiziellen Foto ihres Ex-Arbeitgebers Adidas.

Foto: Hannah Hlavacek/ adidas

Nach wochenlangen internen Attacken tritt Adidas' Personalvorständin Karen Parkin (55) mit sofortiger Wirkung zum 30. Juni zurück. Ihre Aufgaben wird Vorstandschef Kasper Rorsted (58) interimistisch übernehmen, wie der Dax-Konzern am Dienstagabend mitteilte .

Parkins Karriereende bei Adidas  ist die Folge einer beispiellosen Fehde zwischen Parkin und Teilen der Belegschaft. Vor allem Mitarbeiter in den USA hatten der Britin einen nachlässigen Umgang mit Rassismus-Vorwürfen vorgeworfen. Nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd Ende Mai in Minneapolis war auch bei dem Sportartikel-Konzern (Umsatz 2019: 23,6 Milliarden Euro, Ebitda: 3,8 Milliarden Euro) eine Debatte über latenten und offensichtlichen Rassismus ausgebrochen. Dabei wurde Parkin eine Aussage aus dem vergangenen Jahr bei einer Mitarbeiterversammlung der US-Tochter Reebok vorgeworfen. Damals hatte Parkin auf eine entsprechende Frage zu Rassismus in den USA von "noise" gesprochen, also von Lärm, der nichts mit Adidas zu tun habe.

Adidas und Parkin hatten intern in den vergangenen Wochen versucht, mit nachgebesserten Versprechen und Förderprogrammen für Nicht-Weiße ihren ernsten Einsatz für mehr Gleichberechtigung zu belegen. Adidas-Chef Rorsted hatte dazu eine Task Force ins Leben gerufen und Parkins an deren Spitze gesetzt. In internen Chats wurde Parkin aber weiterhin frontal angegangen, in der US-Zentrale von Adidas in Portland traten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Streik und protestierten öffentlich.

Parkin schrieb in ihrer internen Abschiedsmail, ihre Liebe zu Adidas sei tief und sie hätte sehr gern die Entwicklung des Konzerns zu einem noch diverseren Unternehmen verantwortet. Nachdem sie viel nachgedacht und das Feedback vernommen habe, habe sie akzeptieren müssen, das sie nicht die richtige Besetzung an der Spitze des Personalressorts sei, sondern eher ein "Hindernis". Das Unternehmen zitierte Parkin in seiner Pressemitteilung  mit dem Satz: "Um das Unternehmen zu einen, ist es besser, wenn ich mich zurückziehe und den Weg für einen Wandel bereite."

Für Adidas-Chef Rorsted ist Parkins Abgang besonders unangenehm. Erst im vergangenen Jahr hatte er im Aufsichtsrat eine Vertragsverlängerung für Parkin um fünf Jahre durchgesetzt - ebenso wie für den inzwischen ebenfalls stark in der Kritik stehenden Finanzchef Harm Ohlmeyer . Die Übernahme des Vorsitzes der Task Force von Parkin hatte Rorsted per Video bereits in der vergangenen Woche von seinem Urlaubsort in Dänemark aus verkündet.

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