Donnerstag, 5. Dezember 2019

Speed-Factory in Ansbach wird geschlossen Adidas scheitert mit Schuhproduktion in Deutschland

Schuhproduktion bei Adidas in Ansbach: Durch die hochautomatisierte Schuhproduktion sollte schneller auf Trends reagiert werden können
Hannah Hlavacek/Adidas AG/dpa
Schuhproduktion bei Adidas in Ansbach: Durch die hochautomatisierte Schuhproduktion sollte schneller auf Trends reagiert werden können

Der Sportartikelhersteller Adidas Börsen-Chart zeigen verlagert die erst vor wenigen Jahren gestartete hochautomatisierte Produktion von Turnschuhen aus Deutschland und den USA nach Asien. Die so genannten Speed-Factorys im fränkischen Ansbach und in der US-Metropole Atlanta würden spätestens im April kommenden Jahres geschlossen, teilte Adidas am Montag mit. An der Technologie des einstigen Prestigeprojektes wolle der Konzern jedoch festhalten und sie künftig bei Zulieferern in Asien einsetzen.

Betroffen sind den Angaben zufolge rund 100 Mitarbeiter. "Wir können betriebsbedingte Kündigungen noch nicht ausschließen", sagte eine Sprecherin des Adidas-Partners Oechsler AG, der die Speed-Factorys in Ansbach und Atlanta aufgebaut hatte und bisher betreibt.

Adidas hatte die automatische Fabrik bei dem auf Kunststoffverarbeitung spezialisierten Unternehmen Oechsler erst im Dezember 2015 vorgestellt, zwei Jahre später waren die beiden Fabriken eröffnet worden. Mit dem Projekt verband sich die Erwartung, zumindest einen kleinen Teil der aufwendigen Schuhproduktion aus Niedriglohnländern in Asien zurück nach Deutschland zu holen. Das Massengeschäft hingegen sollte auch nach damaligen Plänen unverändert auf in Handarbeit zusammengeklebten Schuhen aus Asien beruhen.

Weniger finanzielle Gründe, sondern organisatorische

Es habe sich herausgestellt, dass es sinnvoller sei, auch die Produktion der Speed-Factorys dort zu konzentrieren, wo das Knowhow und die Lieferanten säßen, sagte Konzernsprecher Jan Runau. Dafür seien weniger finanzielle als vielmehr organisatorische Gründe verantwortlich. Der Versuch, die technologisch hochwertige Produktion von Sportartikeln wieder stärker nach Deutschland zu holen, sei an dieser Stelle nicht geglückt.

Asien habe technologisch schneller aufgeholt, als das 2015 absehbar gewesen sei. Die in den vergangenen Jahren gewonnenen Erkenntnisse sollen nun nach Asien transferiert werden. "Wir haben in Ansbach einiges gelernt", sagte Runau. Bei asiatischen Zulieferern sollen künftig neben Schuhen auch weitere Artikel aus dem Adidas-Sortiment mit Speed-Factory-Technologie hergestellt werden.

Das Werk in Ansbach sei auf 500.000 Paar Schuhe ausgelegt gewesen und habe nicht an seiner Kapazitätsgrenze gearbeitet, sagte Runau. Insgesamt lässt Adidas pro Jahr 400 Millionen Paar Schuhe herstellen.

Adidas gewann für Speed-Factory den Deutschen Innovationspreis

Die hoch automatisierte Speed-Factory, deren Fertigung zum großen Teil auf Roboter setzt, war geschaffen worden, um möglichst schnell auf neue Trends vor allem in der Laufschuh-Technologie und -mode reagieren zu können. So wurden etwa auf ein Ereignis bezogene Kleinserien gefertigt - Fußballschuhe ausschließlich zu einer Weltmeisterschaft oder zum Super-Bowl-Finale beim American Football. 2018 hatte Adidas für die Idee der Speed-Factory noch den Deutschen Innovationspreis gewonnen.

Die technologische Zusammenarbeit mit Oechsler will Adidas fortsetzen. In dem Werk in Ansbach sollen unter anderem weiterhin im 4D-Druck Schuhsohlen gefertigt werden. Oechsler bedauerte die Entscheidung, die in der Speed-Factory gefertigten Produkte künftig in Asien herstellen zu wollen. Das Unternehmen, das eigentlich aus der Auto-Zuliefererbranche kommt, wollte sich mit den Sportschuhen stärker vom derzeit schwierigen Automotive-Sektor lösen. Man habe dennoch wertvolle Kenntnisse gewonnen, die künftig auch in andere Geschäftsbereiche einfließen könnten, betonte Vorstandsvorsitzender Claudius Kozlik.

mg/rtr, dpa-afx

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung