Neue Konzernstrategie Adidas will nur noch halbes Geschäft mit Einzelhändlern teilen

Adidas plant starkes Wachstum im Onlinehandel und eigenen Filialen. Die neue Konzernstrategie sieht eine geringere Rolle für Partner im Einzelhandel vor. Nach versöhnlichen Geschäftszahlen zum Jahresschluss soll der Corona-Einbruch schnell ausgeglichen werden.
Desinfektion: Fußball von Adidas vor dem Einsatz

Desinfektion: Fußball von Adidas vor dem Einsatz

Foto: Oliver Zimmermann / imago images/foto2press

Adidas will das Wachstumstempo in den kommenden vier Jahren deutlich steigern. Schlüssel dazu seien der Onlinehandel und der Verkauf über die eigenen Läden, die vier Fünftel zum geplanten Umsatzwachstum beisteuern sollen. Im Schnitt will die Nummer zwei auf dem weltweiten Sportartikelmarkt den Umsatz pro Jahr bis 2025 um 8 bis 10 Prozent steigern und Marktführer Nike damit Marktanteile abjagen, wie Adidas am Mittwoch in Herzogenaurach mitteilte. Die Hälfte des Umsatzes will Adidas im Zuge der neuen Strategie mit dem Namen "Own the Game" ("Mach das Spiel") ohne Umweg über die Einzelhändler erlösen. Allein im Internet wolle der Konzern im Jahr 2025 acht bis neun Milliarden Euro Umsatz pro Jahr erwirtschaften, doppelt so viel wie zuletzt.

Das soll auch den Gewinn antreiben. Die operative Marge soll bis 2025 auf 12 bis 14 Prozent geschraubt werden, der Gewinn im Schnitt um 16 bis 18 Prozent im Jahr zulegen. Basis für die Ziele sei 2021, nachdem Adidas im Corona-Jahr 2020 einen Umsatz- und Gewinneinbruch erlitten hatte und vor dem Verkauf seiner US-Tochter Reebok steht. Von den Zuwächsen profitieren sollen auch die Aktionäre: Insgesamt acht bis neun Milliarden Euro würden in den nächsten vier Jahren über Dividenden und Aktienrückkäufe ausgeschüttet, erklärte Adidas.

Corona-Delle soll noch 2021 ausgebessert werden

Der Konzern bläst nach dem Corona-Jahr zur Aufholjagd. Der weltweit zweitgrößte Sportartikelhersteller will den Umsatz- und Gewinneinbruch des vergangenen Jahres weitgehend wettmachen. Der Umsatz soll 2021 um 15 bis knapp 20 Prozent zulegen, nachdem er angesichts geschlossener Geschäfte 2020 währungsbereinigt um 14 Prozent auf 19,8 Milliarden Euro zurückgegangen war, wie Adidas am Mittwoch im fränkischen Herzogenaurach mitteilte. Aus der Patsche half Adidas im abgelaufenen Jahr vor allem das Onlinegeschäft. Über das Internet verkaufte der Konzern Waren für deutlich mehr als vier Milliarden Euro, ein Plus von 53 Prozent.

Der Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft soll sich auf 1,25 bis 1,45 Milliarden Euro mindestens verdreifachen, nachdem er 2020 auf 429 Millionen (2019: 1,92 Milliarden) Euro eingebrochen war. Die angekündigte Trennung von der US-Marke Reebok werde Adidas noch mit rund 200 Millionen Euro belasten.

Die Bruttomarge soll mit rund 52 Prozent wieder an das Niveau vor der Pandemie anknüpfen. 2020 war sie auf 49,7 Prozent zurückgegangen. Adidas-Vorstandschef Kasper Rorsted (59) will am Mittwoch seine neue Strategie bis 2025 vorstellen. "Wir werden im ersten Jahr unseres neuen Strategiezyklus schnell aus den Startblöcken kommen", kündigte er an.

Versöhnlicher Jahresschluss

Im vierten Quartal 2020 erholte sich das Geschäft schneller als erwartet. Die Zahlen blieben jedoch gegenüber dem Vorjahr zurück. Die wieder Fahrt aufnehmende Corona-Pandemie in Europa und den USA ab November verhinderte eine bessere Entwicklung. So sanken die Erlöse um 5 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro. Währungsbereinigt schaffte Adidas jedoch ein kleines Plus von 1 Prozent. Das Betriebsergebnis fiel um knapp 8 Prozent auf 225 Millionen Euro.

Adidas hatte zuvor einen währungsbereinigten Umsatzrückgang im niedrigen bis mittleren Prozentbereich sowie ein Betriebsergebnis zwischen 100 und 200 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Auch Analysten hatten im Schnitt mit weniger gerechnet. Unter dem Strich sank der Gewinn im fortgeführten Geschäft um 23,6 Prozent auf 138 Millionen Euro.

Wie bereits bekannt, will Adidas trotz des Einbruchs von Umsatz und Gewinn auch für 2020 eine Dividende von drei Euro je Aktie zahlen. Im Vorjahr hatte es wegen der Pandemie keine Ausschüttung gegeben.

ak/Reuters, dpa-afx