Sportartikelkonzern Adidas kürzt erneut Prognose für 2022

Flaute in China, Rückzug aus Russland und eine Rabattschlacht mit Weltmarktführer Nike: Adidas-Chef Kasper Rorsted muss seine Gewinn- und Umsatzerwartungen zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten deutlich zurückschrauben.
Abgang: Der scheidende Vorstandschef Kasper Rorsted hinterlässt viele Baustellen, 2023 geht er

Abgang: Der scheidende Vorstandschef Kasper Rorsted hinterlässt viele Baustellen, 2023 geht er

Foto: Sven Simon / IMAGO

Zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten schraubt Adidas seine Prognose für dieses Jahr zurück. Wegen der Probleme in China und der zuletzt schleppenden Nachfrage erwartet der Sportartikel- und Kleidungshersteller nach einem schwachen dritten Quartal nur noch ein währungsbereinigtes Umsatzplus von etwa 5 Prozent. Zuletzt hatte Adidas noch mit bis zu 9 Prozent gerechnet.

Auch seine Gewinnprognose kürzt der Dax-Konzern. Der Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft werde in diesem Jahr nur noch bei 500 Millionen Euro liegen, teilte die Nummer zwei auf dem Weltmarkt am Donnerstagabend in Herzogenaurach mit. Das wäre ein Rückgang um zwei Drittel gegenüber dem Vorjahr (1,49 Milliarden). Bis zur Jahresmitte hatte Adidas noch auf einen Gewinnanstieg auf 1,8 Milliarden gehofft, danach immerhin noch auf 1,3 Milliarden.

Die Adidas-Aktie  brach im Späthandel am Donnerstag um 4,3 Prozent auf 110,68 Euro ein.

Nun will der scheidende Vorstandschef Kasper Rorsted (60) mit einem Kostensenkungsprogramm gegensteuern. "Die verschiedenen Initiativen, die im vierten Quartal 2022 zu Einmalaufwendungen von rund 50 Millionen Euro führen werden, sollen im Jahr 2023 Kostennachteile von bis zu 500 Millionen Euro kompensieren", erklärte Adidas. Der Gewinn soll dadurch um 200 Millionen Euro höher ausfallen. Gespart werden müsse in allen Bereichen, sagte ein Sprecher. Bei Adidas gilt derzeit ein Einstellungsstopp.

Rorsted tritt als CEO 2023 ab. Die Nachfolgersuche für ihn gestaltet sich schwierig . Denn der Däne hinterlässt so viele Baustellen, dass dem neuen Chef ein Höllenjob bevorsteht.

Teurer Russland-Exit drückt Ergebnis

Der schwache Euro belastet das Unternehmen, weil in der Sportbranche in Dollar eingekauft wird, ebenso die steigenden Lieferkosten. Dazu kommen der teure Rückzug aus Russland und die Beilegung eines Patentstreits mit Nike um Sportschuhe. Diese und andere Sondereffekte summieren sich bis zum Jahresende auf eine halbe Milliarde Euro. Rund 300 Millionen davon wurden schon im dritten Quartal verbucht, in dem der Gewinn im fortgeführten Geschäft entsprechend auf 179 (2021: 479) Millionen Euro schrumpfte. Der Umsatz legte währungsbereinigt nur noch um 4 Prozent auf 6,41 Milliarden Euro zu.

Weitere Kostenfaktoren sind die Rabattaktionen in westlichen Ländern, um die Lager zu räumen. Der Lagerbestand sei bis Ende September um 63 Prozent gestiegen, weil die Nachfrage nachlasse. "Diese erhöhten Vorräte werden voraussichtlich zu verstärkten verkaufsfördernden Aktionen während des restlichen Jahres führen", warnte Adidas. Nike hatte schon Ende September Preisnachlässe angekündigt, die die Konkurrenz in Zugzwang brachten.

Um das Umsatzziel von rund 5 Prozent Zuwachs zu schaffen, muss das Geschäft im vierten Quartal um mindestens 10 Prozent anziehen. Adidas setzt dabei auf die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar. Im Frühjahr hatte Rorsted noch auf bis zu 13 Prozent mehr Umsatz gehofft. Im August hatte er seinen Rückzug angekündigt. Stahlhart hatte der CEO den Sportartikelkonzern auf Effizienz getrimmt – und dabei intern einen Kulturkampf entfacht. Am Ende waren die Zahlen dennoch mies und große Investoren verloren die Geduld mit ihm, wie das manager magazin im August erfuhr. 

Die Hoffnungen auf eine Stabilisierung des lukrativen Geschäfts in China wurden aber auch im dritten Quartal enttäuscht , nachdem es immer wieder Corona-Lockdowns gibt. Der Umsatz dort brach um einen deutlich zweistelligen Prozentsatz ein.

dri/dpa, Reuters
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