Bericht über Sponsoring-Ausstieg bei Leichtathletik-Verband Warum Adidas in der Leichtathletik die Reißleine zieht

Britische Weltklasse-Leichtathletin Jessica Ennis: Adidas steigt laut einem Bericht als Sponsor beim Leichtathletik-Verband IAAF aus

Britische Weltklasse-Leichtathletin Jessica Ennis: Adidas steigt laut einem Bericht als Sponsor beim Leichtathletik-Verband IAAF aus

Foto: Michael Steele/ Getty Images

Offiziell ist es noch nicht, doch wirkliche Zweifel hat kaum noch jemand: Der Sportartikelhersteller Adidas  beendet einem Bericht der BBC zufolge seine Zusammenarbeit mit dem Leichtathletik-Weltverband IAAF.

Laut dem britischen Nachrichtensender haben die Herzogenauracher den IAAF darüber informiert, dass sie vorzeitig aus dem noch vier Jahre laufenden Sponsoring-Vertrag aussteigen wollen. Ein Vertrag, der im November 2008 auf elf Jahre geschlossen worden war und laut BBC ein Volumen von umgerechnet 7,4 Millionen Euro jährlich hat.

Die Herzogenauracher sind die größten Sponsoren des Verbandes.

Adidas selbst wollte entsprechende "Gerüchte" am Montag nicht bestätigen. Doch dass es ein Problem gibt, ist offensichtlich.

Nach dem Bekanntwerden des die Leichtathletik erschütternden Dopingskandals sei man auf die IAAF zugegangen, erklärte eine Adidas-Sprecherin gegenüber manager-magazin.de. Das Ergebnis sei aber noch offen. "Adidas ist gegen Doping in jeglicher Form. Wir sind deshalb in engem Kontakt mit der IAAF, um mehr über den Reformprozess der IAAF zu erfahren", hieß es in einer am Montag verbreiteten Erklärung

Zuletzt war bekannt geworden, dass der frühere IAAF-Präsident Lamine Diack unter anderem gegen Geldzahlungen Dopingfälle vertuscht und Athleten erpresst haben soll. Die französische Justiz hat gegen ihn wegen des Verdachts der Geldwäsche und Bestechlichkeit Anklage erhoben.

Wegen des Vorwurfs systematischen Dopings in Russland sind zudem die russischen Leichtathleten von den diesjährigen Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro ausgeschlossen.

"Eine ökonomische Entscheidung"

Auch wenn Adidas die Beendung des IAAF-Vertrags nicht bestätigt, gehen Experten davon aus, dass die Entscheidung demnächst offiziell werden dürfte. "Es passt in ihre Strategie", kommentierte der britische Sportmarketing-Experte Simon Rines vom britischen Berater IMR den Bericht über den Rückzug von Adidas gegenüber manager-magazin.de.

So hatte Adidas 2007 nach dem Bekanntwerden mehrerer Dopingfälle seine Unterstützung für das T-Mobile-Radsportteam beendet. Und auch den Vertrag mit dem Weltklassesprinter Tyson Gay setzten die Herzogenauracher 2013 aus, nachdem bei diesem bei einem Doping-Test leistungsfördernde Substanzen gefunden worden waren.

Beim Korruptionsskandal bei der Fifa hatte es hingegen deutlich länger gedauert, bis von Adidas es den anderen Großsponsoren nachtat und dem Weltfußballverband bei ausbleibenden Reformen zumindest pro Forma mit einem Rückzug drohte.

Allerdings dürften - anders als im Fall Fifa- die Konsequenzen für Adidas bei einem Rückzug aus dem IAAF auch deutlich weniger spürbar sein. Zum einen weil Leichtathletik im Kampf um öffentliche Aufmerksamkeit und Popularität massiv Konkurrenz bekommen hat. Und selbst in Europa mittlerweile angelsächsische-Sportarten wie Football oder Rugby neben dem allgegenwärtigen Fußball immer populärer werden.

Zum anderen dürfte Adidas gleich eine Vielzahl von Möglichkeiten haben, das IAAF-Geld deutlich gewinnversprechender einzusetzen, glaubt der Experte. "Das ist sicher auch eine ökonomische Entscheidung."

Günstiger Ausstieg per Moral-Klausel

Teuer dürfte ein vorzeitiger Ausstieg jedenfalls nicht werden, glaubt Rines. "Da gibt es mit Sicherheit eine Moral-Klausel."

Für den skandalgeschüttelten IAAF hingegen dürften mit dem Ausstieg von Adidas harte Zeiten anbrechen. Adidas-Hauptkonkurrent Nike jedenfalls wird wohl kaum übernehmen. Nike sponsert nämlich prinzipiell keine Verbände, so Rines. Für den IAAF hänge daher jetzt "viel von den Olympischen Spielen in Rio ab."

Ein Rückzug aus der Leichtathletik wäre ein Ende des IAAF-Vertrags für Adidas aber nicht. Der Sportartikelhersteller, der bereits 1928 die spätere Goldmedaillen-Gewinnerin Lina Radke mit einem handgefertigten Paar Sprintschuhe ausstatte, hat in den letzten Jahrzehnten diverse Leichtathletik-Größen wie Jesse Owens, Daley Thompson oder Heike Henkel, unter Vertrag.

Aktuell stehen unter anderem der äthiopische Langstreckenläufer Haile Gebrselassie und die britische Mehrkämpferin Jessica Ennis-Hill bei dem Konzern auf der Payroll.

mit dpa/reuters
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