Anleger zerknirscht Adidas verliert Milliarden in Asien

Boykott-Aufrufe, pandemiebedingte Schließungen, stillstehende Fabriken - für Adidas läuft es in Asien nicht mehr rund. In dem bislang verlässlichen Wachstumsmarkt verliert der Konzern viel Geld und wird bescheidener. Aktionären missfällt das.
Adidas-Shop in Guangzhou: Allein auf dem für Adidas so wichtigen chinesischen Markt rutschte Umsatz zuletzt um 15 Prozent ab

Adidas-Shop in Guangzhou: Allein auf dem für Adidas so wichtigen chinesischen Markt rutschte Umsatz zuletzt um 15 Prozent ab

Foto: ALEX PLAVEVSKI/EPA-EFE/REX

Ein Boykott in China, teurere Frachtraten und stillstehende Fabriken in Vietnam trüben die Aussichten für Adidas. Der weltweit zweitgrößte Sportartikelhersteller nach Nike blickt nach einem Gewinneinbruch im dritten Quartal vorsichtiger auf das Gesamtjahr. "Es gibt derzeit viele Dinge, die außerhalb unserer Kontrolle liegen", sagte Finanzchef Harm Ohlmeyer am Mittwoch. "Die Lieferketten-Probleme werden unsere Ergebnisse in den kommenden zwei Quartal noch beeinflussen." Insgesamt müssen die Herzogenauracher durch Käuferstreik und Corona-Lockdowns Umsatzausfälle von mehr als zwei Milliarden Euro verkraften.

Vorstandschef Kasper Rorsted (59) bekräftigte zwar die erst zum Halbjahr angehobene Prognose, rechnet aber mit einem Gewinn- und Umsatzwachstum am unteren Ende der Zielspanne. Der Gewinn aus fortgeführten Geschäften sowie die operative Marge sollen im unteren Bereich des avisierten Korridors von 1,4 bis 1,5 Milliarden Euro beziehungsweise 9,5 bis 10 Prozent liegen. Der Umsatz werde um 17 bis 18 Prozent zulegen - bislang hatte Adidas ein Plus von bis zu 20 Prozent prognostiziert.

Bei Investoren kam das nicht gut an. Die Aktie sackte am Mittwoch in der Spitze um 6 Prozent ab und war größter Verlierer im Dax. Die Tatsache, dass sich die Belastungen durch die Lieferprobleme länger hinzögen als gedacht, mache Anleger vorsichtig, sagten Analysten der Credit Suisse. Die Experten von JP Morgan erklärten, Adidas liefere Ergebnisse in schlechterer Qualität als Puma.

Auch der heimische Rivale Puma und der US-Konkurrent Nike leiden unter den Lieferverzögerungen aus China, sie alle lassen Kleidung und Schuhe vorwiegend in Asien fertigen. In Vietnam, dem größten Schuhhersteller der Welt, waren wegen der Pandemie Fabriken monatelang geschlossen, erst seit Kurzem läuft die Produktion wieder. Zudem sind Frachtraten für Containerschiffe teurer geworden.

Puma erhöhte Prognose, Nike senkte sie

Doch Puma wächst dynamischer als Adidas und schraubte Ende Oktober seine Umsatzerwartungen zum zweiten Mal in diesem Jahr nach oben. Nike dämpfte wie Adidas seine Umsatzprognose und führte das vor allem auf die anhaltenden Lieferkettenprobleme zurück.

Im dritten Quartal schwächte sich das Wachstum bei Adidas merklich ab. Der Umsatz stieg um 3,4 Prozent auf 5,75 Milliarden Euro, nachdem er im Sommer noch um mehr als die Hälfte zugelegt hatte. Der Gewinn aus fortgeführten Geschäften rutschte im Berichtszeitraum um 10,4 Prozent auf 479 Millionen Euro ab. Vom Datenanbieter Refinitiv befragte Analysten hatten mit besseren Ergebnissen gerechnet.

Umsatz in China bricht nach Boykott ein, in Lateinamerika schießt er hoch

In den größten Märkten Europa und Naher Osten (EMEA) sowie Nordamerika legte der Umsatz um je knapp neun Prozent zu, im fußballbegeisterten Lateinamerika sogar um mehr als 50 Prozent. In China, jahrelang ein verlässlicher Wachstumsmarkt, brachen die Erlöse dagegen um 15 Prozent ein. Dort wurde über soziale Medien zu einem Boykott westlicher Marken aufgerufen, weil die USA und die Europäische Union (EU) Sanktionen gegen China wegen des Umgangs mit der Minderheit der Uiguren beschlossen hatten. Zudem habe Adidas durch pandemiebedingte Ladenschließungen in Metropolen wie Tokio, Seoul und Singapur Federn lassen müssen, sagte der Finanzchef. Er sei aber zuversichtlich, dass die Geschäfte in China bald wieder ansprängen. "Die Region bleibt langfristig ein Wachstumsmarkt für uns."

Noch bis zum Frühjahr werden die Belastungen aus Lockdown, China-Boykott und Lieferketten-Verzögerungen nach Ansicht des Adidas-Vorstands anhalten. Für die Zeit danach sei dann wieder mit Normalbetrieb und keinen wesentlichen Einbußen mehr zu rechnen.

rei/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.