Textilindustrie Hugo Boss soll in Europa Armutslöhne zahlen

Billig produzieren, teuer verkaufen: Der Mode-Hersteller Hugo Boss steht laut "Spiegel" in der Kritik. Sowohl in der Türkei als auch in Kroatien sollen die Löhne des Mode-Konzerns weit unter dem Existenzminimum liegen.
Boss-Jeans: Gewinnmaximierung auf Kosten der Arbeiter

Boss-Jeans: Gewinnmaximierung auf Kosten der Arbeiter

Foto: Bernd Weissbrod/ picture alliance / dpa

Hamburg - Der Modekonzern Hugo Boss sieht sich mit unangenehmen Recherchen konfrontiert: Das internationale Netzwerk Clean Clothes Campaign  hat die Löhne untersucht, die 50 führende europäische Bekleidungsmarken und Firmen den Mitarbeitern ihrer Zulieferer bezahlen. Dabei kam heraus, dass das Luxus-Label aus dem schwäbischen Metzingen in der Türkei und in Kroatien durchschnittlich monatliche Nettolöhne von gerade mal 308 bis 440 Euro zahlt. Damit fällt das Unternehmen weit hinter seine eigenen Sozialstandards zurück, berichtet das Nachrichtenmagazin "Spiegel" in seiner neuen Ausgabe.

Darin heißt es, die Vergütung müsse "für den Lebensunterhalt der Beschäftigten und ihrer Familien ausreichend sein". Das festgelegte Existenzminimum pro Familie liegt in der Türkei allerdings bei 1002 Euro, die offizielle EU-Armutsuntergrenze in Kroatien bei 554 Euro.

Die untersuchten Löhne lägen damit weit unterhalb dessen, was die Arbeiter zum Leben bräuchten, kritisiert Bettina Musiolek, Mitautorin der Studie über Armutslöhne in der Textilbranche. Auf einen Fragebogen der Kampagne reagierte das Unternehmen nicht, ließ aber in der vergangenen Woche seine Anwälte dafür sorgen, dass der Name Hugo Boss aus einer Pressemitteilung getilgt wurde. Das Unternehmen selbst äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht.

Eine Konzernsprecherin erklärte am Sonntag auf Anfrage, dass alle Zulieferer in den genannten Ländern stetig überprüft würden. Die genannten Zahlen könne sie weder bestätigen noch dementieren. Sie kündigte eine Prüfung der Vorwürfe an.

rei mit dpa-afx