Dienstag, 23. Juli 2019

Oetker Puddingriese mit Klumpenrisiko

Oetker-Chef Richard Oetker: Warum die Familie Oetker Schwachstellen im Portfolio nicht entschlossen bekämpft, analysiert manager magazin in der Titelgeschichte seiner aktuellen Ausgabe

Jahrelang stand Oetker für Solidität und Erfolg. Nun zeigt der Konzern Schwäche: Die Schifffahrtskrise und das Radeberger-Kartellverfahren belasten, und das Geschäft mit Pudding und Pizza kommt nicht recht voran. Zudem tobt ein Führungsstreit. Hat Oetker seine besten Zeiten hinter sich?

Hamburg - Mit seiner Biersparte hatte der Oetker-Konzern einst große Pläne. Die Kriegskasse sei prall gefüllt, protzte 2006 der damalige Radeberger-Chef Ulrich Kallmeyer: "Wir werden Marken und Brauereien erwerben". Das ambitionierte Ziel: Innerhalb von vier Jahren sollte die Radeberger-Gruppe in Deutschland einen Marktanteil von 20 Prozent erreichen. Koste es, was es wolle.

Die versprochene Offensive blieb jedoch aus. Heute kommt die Oetker-Tochter gerade mal auf magere 15 Prozent - den Anteil des Jahres 2006.

Die mangelnde Marktmacht hat fatale Folgen. Denn die 15-Prozent-Quote reicht nicht aus, um die Bierpreise zu bestimmen - und dadurch hohe Gewinnmargen zu erzielen. Wer höhere Summen verlangt, wird im fragmentierten deutschen Markt sofort von der Konkurrenz unterboten. Deshalb versuchen Großbrauereien immer wieder, die Preise abzusprechen. Nun droht Oetker eine schmerzhafte Kartellstrafe, womöglich sogar im dreistelligen Millionenbereich.

Schiedsgericht soll Streit der Familienstämme schlichten

Die Probleme im Biersegment sind symptomatisch für die Oetker-Gruppe. Auch die anderen Sparten - Nahrungsmittel und Schifffahrt - strotzen nicht vor Stärke.

Warum die Familie Oetker Schwachstellen im Portfolio nicht entschlossen bekämpft, analysiert das manager magazin in der Titelgeschichte seiner aktuellen Ausgabe: "Pudding-Krieg bei Oetkers". Ein tief greifender Streit, den nun ein Schiedsgericht schlichten soll, entzweit die Eigentümer. Verfeindete Familienzweige blockieren sich gegenseitig und verhindern so strategische Befreiungsschläge.

Schifffahrt: Hamburg Süd kommt logischer Fusionspartner abhanden

Schwierigkeiten hat vor allem die Reedereitochter Hamburg Süd, die inzwischen rund die Hälfte des Gruppenumsatzes einfährt. Längst wird der Markt von Großreedereien wie Maersk oder MSC dominiert. Das Größenproblem ist den Oetkers bekannt. Doch sie konnten sich bislang nicht auf eine Lösung einigen.

Eine Fusion mit dem Rivalen Hapag Lloyd war zwar angedacht, die Familie ließ den Deal am Ende jedoch platzen. Inzwischen ist Hapag Lloyd auf bestem Wege, mit der chilenischen CSAV zu fusionieren - ein Deal, der die Probleme bei Hamburg Süd noch verstärken dürfte.

Als Einzelkämpfer droht Hamburg Süd ein dauerhaften Nischendasein, im schlimmsten Fall sogar der Untergang. Die Kosten für den Ausbau der Flotte könnten die Oetkers langfristig überfordern. Allein 2012 steckte Hamburg Süd knapp 250 Millionen in den Schiffsneubau - nahezu die Hälfte der Gesamtinvestitionen. 2013 lagen die Ausgaben laut Oetker-Prognose sogar noch deutlich höher. Die gewaltigen Investitionen dürften das Ergebnis erneut belastet haben.

Lebensmittelsparte sorgte lange für Stabilität - doch sie muss wachsen

Als Risikopuffer für die Schifffahrt diente jahrelang die Lebensmittelsparte. Das vergleichsweise stabile Geschäft mit Pudding, Pizzen und Backpulver ist jedoch schlicht zu klein, um längere Schwächephasen der Reederei auszugleichen. Branchengrößen wie Nestlé Börsen-Chart zeigen und Unilever, die aggressiv international expandieren, hat Oetker wenig entgegen zu setzen.

Zu sehr ist das Unternehmen auf gesättigte europäische Märkte konzentriert. In den Boom-Regionen Asiens und Amerikas spielen die Bielefelder keine nennenswerte Rolle.

"Oetker müsste im Ausland größere und mutigere Schritte gehen", sagt ein Unternehmensberater. Vor teuren Akquisitionen schreckt der Konzern jedoch zurück. Ende 2009 verpasste Oetker die Chance, den Wachstumsmarkt für Tiefkühlpizzen in den USA zu erobern.

Seinerzeit stand das Amerikageschäft des Rivalen Kraft Foods zum Verkauf. Oetker ließ jedoch einem Rivalen den Vortritt: Nestlé ist seither die Nummer eins in den Vereinigten Staaten.

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