Investment in Luxus-Villen Berggruens Träume aus Stein

Statt in Karstadt investiert Nicolas Berggruen neuerdings in luxuriöse Ferienvillen in der Nähe des türkischen Badeorts Bodrum. Entworfen hat sie Star-Architekt Richard Meier. Wie schön wäre es, wenn der sich auch mal einer Karstadt-Filiale annehmen würde.
Bodrum Houses: Karstadt-Anteilseigner Nicolas Berggruen hat offenbar neue Investitionsziele gefunden

Bodrum Houses: Karstadt-Anteilseigner Nicolas Berggruen hat offenbar neue Investitionsziele gefunden

Foto: Berggruen

Hamburg - Es ist nicht so, dass sich Nicolas Berggruen rar macht. Über sein "Institute on Governance" meldet sich der Milliardär und Karstadt-Eigner in schöner Regelmäßigkeit zu Wort, um den Lauf der Welt zu kommentieren. Eine seiner Weisheiten: "Das Wesentlichste ist, mit sich selbst im Reinen zu sein. Das ist der wahre Test. Alles andere ist flüchtig."

Sein Engagement beim deutschen Kaufhaus-Konzern Karstadt scheint ebenso flüchtig, zumindest hört man wenig darüber vom selbsternannten Philanthrop Berggruen - und wenn, ist es nichts Gutes: Gewerkschaftsschelte, Zerschlagungsspekulationen, dubiose Vermögensverschiebungen. Imagefördernd ist das alles nicht. Wie gern würde man mitbekommen, dass Berggruen auch mal wieder investiert in seinen Konzern, der vor allem deshalb noch am Leben ist, weil die Karstadt-Beschäftigten schon seit acht Jahren auf Teile ihres Einkommens verzichten. Mehr als 650 Millionen Euro haben sie bislang in das Unternehmen gesteckt.

Der Einsatz der Mitarbeiter hat das Elend gelindert, gesund ist Karstadt noch lange nicht. Geld fehlt überall. Da muss der geneigte Kunde nur einmal durch die Filiale in Hamburg-Bergedorf flanieren: Die quadratischen PVC-Fließen lösen sich vom Boden und schlagen Wellen, kaltes Licht aus Neonröhren animiert eher zur Flucht als zum Verweilen, obskure Klamottenmarken stapeln sich in Auslagen, die woanders nicht mal mehr als Kellerregale zum Einsatz kämen. Der Kassentisch steht seit 20 Jahren an Ort und Stelle, ohne dass er auch nur einmal einen Farbanstrich bekommen hätte.

Viele Details der Luxus-Butzen in Szene gesetzt

Jetzt investiert Berggruen tatsächlich, und das mal wieder im großen Stil. Jedoch nicht bei Karstadt. In Bodrum, "dem St. Tropez der Türkei", wie Bergguen schwärmt, tritt der Milliardär neuerdings als Projektentwickler auf. An einem 155.000 Quadratmeter großen Hangareal entstehen derzeit 21 Ferienvillen, die der New Yorker Star-Architekt Richard Meier entwarf - auch nicht unbedingt ein Vertreter des sozialen Wohnungsbaus.

In Bodrum träfen "sich Menschen aus Ost und West, aus allen Nationen", so Berggruen gegenüber der Fachzeitschrift "Häuser". Allerdings dürfte ihm egal sein, ob auch Menschen aus Nord und Süd dabei sind, Hauptsache sie kaufen am Ende eines seiner luxuriösen Häuser. Wieviel Berggruen investiert und was ein solches Domizil zum Ausspannen kosten wird, darüber schweigen die Beteiligten schamvoll. Weder auf Berggruens Holding-Homepage  noch auf Richard Meiers Seite  lassen sich irgendwelche Preisangaben finden. Dafür sind auf beiden Homepages in einer aufwendigen Fotoproduktion viele Details der Luxus-Butzen in Szene gesetzt.

Das erste Haus auf einem 5000 Quadratmeter großen Grundstück ist bereits fertiggestellt, die "Außenräume wirken wie aus dem kubischen Umriss herausgeschnitten und betonen die skulpturale Wirkung des Baus", zeigt sich die Redaktion von "Häuser" entzückt. Der Weg aus dem Örtchen Yalikavak hinauf zur eleganten Einfahrt des Anwesens erlaube einen überwältigenden Ausblick.

Doch an der Garage wurde offenbar gespart. Den Bentley kann man - nicht anders als der Reihenhausbesitzer in Itzehoe - lediglich unter einem ordinären Carport abstellen.

"Blicke in den offenen Wohnraum mit monumentalem Kamin"

Doch dann hat der potentielle Besitzer die Wahl: Entweder benutzt er eine Außentreppe, um zum Wohnbereich und dem separaten Gästehaus zu gelangen. Oder er betritt eine Rampe und dann eine Brücke, um zum Eingang vorzudringen. In der sechs Meter hohen Eingangsgalerie böten sich dann "weite Blicke hinunter in den zweigeschossigen offenen Wohnraum mit einem monumentalen Kamin und durch die Glasfassade wieder hinaus in die Landschaft".

Eine überdachte Terrasse, frei schwebende Treppen und drei Schlafzimmer mit dazugehörigen Bädern sind natürlich obligatorisch. Im Westen würde der 520 Quadratmeter große Traum aus Stein durch eine Poolterrasse erweitert, von wo aus man "die poetische Berglandschaft von Bodrum am Ägäischen Meer erleben" könne, so Berggruen in "Häuser". Es sei ein Ort von "höchster Modernität und Mystik".

Von den übriggebliebenen 83 Karstadt-Filialen kann man das nicht zwingend behaupten. "Es ist ein Problem, dass nichts investiert wird, auch nicht vom Eigentümer Berggruen, das muss sich dringend ändern", sagt Mark Bezner, geschäftsführender Gesellschafter des schwäbischen Hemdenproduzenten Olymp, einer der wichtigsten Handelspartner von Karstadt. Der "Investitionsstau" müsse dringend aufgearbeitet werden.

Vielleicht schickt Berggruen seinen Architekten Meier mal in Bergedorf vorbei, wenn der auf Bodrum fertig ist.

Spiegel Online / jat
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