Freitag, 21. Februar 2020

Ohne Tarifbindung Karstadt-Betriebsrat will höhere Löhne durchboxen

Milliardär Nicolas Berggruen hat seinen schlingernden Kaufhauskonzern Karstadt auf Diät gesetzt, die Bindung an tarifliche Lohnerhöhungen ist gekippt worden. Jetzt will der Betriebsrat gegensteuern - und dennoch Lohnerhöhungen für die Karstadt-Angestellten durchsetzen.

Essen - Trotz des Ausstiegs von Karstadt aus der Tarifbindung will der Betriebsrat des Essener Warenhauskonzerns Lohnerhöhungen für die Beschäftigten durchsetzen. "Unser Ziel ist es, gemeinsam mit der Gewerkschaft Verdi dafür zu sorgen, dass die Beschäftigten an Lohnsteigerungen partizipieren können. Ein Weg könnten sogenannte Anerkennungstarifverträge auf Landesebene sein", sagte Karstadt-Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt den Zeitungen der Essener WAZ-Gruppe.

Karstadt hatte vor wenigen Tagen angekündigt, bis 2015 aus der Tarifbindung auszusteigen. Mögliche Lohnerhöhungen aus der aktuellen Tarifrunde könnten somit an den Karstadt-Beschäftigten vorbeigehen.

"Das letzte Wort in der Sache ist noch nicht gesprochen", sagte Patzelt dazu. "Natürlich sind viele Kollegen verärgert", erklärte der Betriebsratschef. "Die Beschäftigten von Karstadt haben in den vergangenen Jahren auf viel Geld verzichtet, um das Unternehmen zu stützen. Die Karstadt-Mitarbeiter sind die Helden der vergangenen Jahre. Insofern haben sie sich ordentliche Einkommen und sichere Jobs mehr als verdient."

ie Gewerkschaft Verdi fordert vom Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen verstärkte Anstrengungen für eine Sanierung des Warenhauskonzerns. "Eigentum verpflichtet", sagte eine Sprecherin der Gewerkschaft am Dienstag. Berggruen müsse einen finanziellen Beitrag leisten.

Verdi fordert den Konzern auf, die Tarifvereinbarungen anzuerkennen. Den Aufruf zu Verhandlungen darüber habe allerdings das Management für Hessen und Nordrhein-Westfalen bereits abgelehnt. Daher könne es nun zu Arbeitsniederlegungen kommen. In Hessen war es bereits soweit. Für die Beschäftigten der Karstadt Warenhaus GmbH Main-Taunus-Zentrum hatte Verdi für Dienstag zu einem befristeten Warnstreik aufgerufen. "Der Warnstreik ist nur der Auftakt für Verdi, um Karstadt wieder in die Tarifbindung zu zwingen. Die Beschäftigten haben ein Anrecht auf existenzsichernde Arbeitsbedingungen und dürfen den Anschluss nicht verlieren", erklärte Streikleiter Wolfgang Thurner.

kst/dpa/rtr

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