Donnerstag, 19. September 2019

Fielmanns Erben Wie Brille24 und Mister Spex den Brillenhandel aufwühlen

Mister Spex-Geschäftsfüher Dirk Graber: "Da muss man den Hut vor ziehen"

3. Teil: Zwiespältiges Lob vom Altmeister

Über Umsätze spricht das Oldenburger Unternehmen zwar nicht. Doch ausgehend vom mit nach Unternehmensangaben mit mehr als 90 Prozent mit Abstand wichtigsten Brille24-Produkt, den Einstärkebrillen für rund 40 Euro, lässt sich bei 270.000 verkauften Brillen ein Umsatz von mindestens 11 Millionen Euro kalkulieren. Wobei die Erlöse durch Kontaktlinsenverkäufe und die vielfach teureren Gleitsichtbrillen noch nicht eingerechnet sind.

Angesichts der konstant hohen Wachstumsraten hat Brille24 inzwischen mehrere Wagniskapitalgeber angelockt. Seit Sommer 2011 hat das Unternehmen dabei mehr als 15 Millionen Euro eingesammelt. So sicherte zuletzt im September der französische Investor Time Equity Partners bis zu zwölf Millionen Euro Wachstumskapital zu. Konkurrent Mister Spex hat ebenfalls einen knapp zweistelligen Millionenbetrag von seinen mehr als zwei Dutzend Venture-Capital-Gebern und Business Angels erhalten.

Doch auch kleinere Rivalen unter den Brillenversendern buhlen um die Gunst der Investoren.

So sammelt der im hessischen Limburg ansässige "Netzoptiker" bereits im März 2010 Wagniskapital in Höhe von rund 1,3 Millionen Euro von einer Investmenttochter der französischen Bank Crédit Agricole ein. Seit gut fünf Jahren sind auch die Samwer-Brüder mit ihrem Inkubator Rocket Internet an dem vom Optikermeister Dirk Maier gegründeten Unternehmen beteiligt. Als "Hybrid" bezeichnet dieser sein Geschäftsmodell. 2002 mit einem traditionellen Ladengeschäft im hessischen Limburg gestartet, erweiterte der 37-Jährige dieses 2007 um einen bundesweiten Online-Handel.

Harley brachte das nötige Startkapital ein

Begonnen hatte es einst damit, ein paar Brillengläser bei Ebay zu verkaufen. "Die Leute haben sie gekauft, sind dann zu ihrem Augenoptiker gegangen und haben sie einsetzen lassen", sagt er. Es folgten Gestelle, dann ganze Brillen. Das Startkapital besorgte sich der Jungunternehmer ebenfalls über Ebay. Eine Harley Sportster, die in seinem Brillenladen stand, brachte ihm 9800 Euro ein. "Mit dem Geld habe ich den ersten Online-Shop finanziert", sagt Maier.

Auf rund zwei bis vier Millionen Euro Wagniskapital hofft auch das Hamburger Start-up Edel Optics. Die Verhandlungen seien auf einem guten Weg, sagt Dennis Martens, der den Brillenversand 2009 gegründet hat. Zunächst verkaufte er nur Sonnenbrillen, seit 2012 hat das Unternehmen allerdings auch Korrektionsbrillen und Kontaktlinsen im Angebot. Im vergangenen Jahr setzte Edel Optics so rund drei Millionen Euro um und schreibt schwarze Zahlen.

Das Besondere: Rund 70 Prozent der Erlöse von Edel Optics stammen schon heute aus dem Ausland. Zwanzig Mitarbeiter beschäftigt das Start-up mittlerweile in Hamburg. Derzeit arbeitet Edel Optics zudem an einem Filialkonzept, dass zwar Verkäufe in einem Optikergeschäft vorsieht, die erste Auswahl aber digital per iPad ermöglicht, was die Auswahl von den üblicherweise in den Filialen präsenten Brillen auch auf tausende Modelle im Lager ausweitet.

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