Samstag, 20. April 2019

Onlinehandel Ebay findet zu alter Form zurück

Ebay-Zentrale in Kalifornien: Die Internet-Handelsplattform profitiert weiter von ihrer Bezahltochter Paypal

Die Expansionsstrategie von Ebay trägt Früchte: Zwar profitiert die  Bezahltochter Paypal besonders stark vom florierenden Onlinehandel, im ersten Quartal legte aber auch der bekannte Marktplatz zu. Für Europa zeigt sich Ebay jedoch vorsichtig.

San Jose - Lange Zeit knirschte es bei der Handelsplattform Ebay Börsen-Chart zeigen gewaltig - doch die Krise lässt der Internetpionier hinter sich. Erst vor wenigen Wochen hatte Ebay seine Umsatzprognose für das Jahr 2015 kräftig erhöht und Amazon den Kampf angesagt. Stark zulegen will Ebay in Schwellenländern, das Angebot für Smartphones und Tablet-PCs will der Konzern deutlich ausbauen.

Nun legte der Konzern Zahlen für das erste Quartal vor - und die weisen nach oben. Besonders schnell wächst weiterhin die Bezahltochter PayPal. Aber auch der bekannte Marktplatz konnte im ersten Quartal zulegen. Die Zahl der Nutzer habe zugenommen, sagte Firmenchef John Donahoe gestern nach US-Börsenschluss.

Insgesamt stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14 Prozent auf 3,7 Milliarden Dollar, wie der US-Konzern am Sitz im kalifornischen San Jose mitteilte. Der Gewinn verbesserte sich in der Folge um 19 Prozent auf unter dem Strich 677 Millionen US-Dollar (519 Millionen Euro).

Auf dem Marktplatz tummeln sich mittlerweile gut 116 Millionen aktive Nutzer, ein Zuwachs von 14 Millionen. Ebay lebt von Gebühren für getätigte Geschäfte - im Unterschied zu Amazon. Der weltgrößte Online-Händler tritt auch selbst als Verkäufer aus.

In Europa ist Ebay trotz Gewinnplus vorsichtig

In den letzten Jahren hat der Konzern sein Geschäftsmodell verändert. Während in der Anfangszeit von Ebay zumeist Gebrauchtwaren von Privatleuten angeboten wurden, sind es mittlerweile Neuwaren von Händlern zu festen Preisen. Zudem bietet Ebay seit einiger Zeit auch eigene Mode an. "Wir legen bei der Weiterentwicklung von Ebay in Deutschland derzeit einen starken Fokus auf Fashion", sagte Deutschland-Geschäftsführer Martin Tschopp. Dies sei schon heute eine der größten Kategorien.

PayPal verzeichnet mittlerweile annähernd 128 Millionen Konten, ein Plus von 18 Millionen binnen eines Jahres. Auch hier sind es Gebühren für Transaktionen, die Ebay das Geld bringen. Vor allem das mobile Bezahlen über Smartphones gilt als Wachstumsmarkt, doch selbst in einigen Läden vor Ort lässt sich mittlerweile mit PayPal bezahlen.

Pessimistisch äußerte sich der Konzern allerdings zu seinem Europa-Geschäft. Die europäische Wirtschaft werde sich in diesem Jahr schlechter entwickeln als Ebay noch im Januar angenommen habe, sagte Finanzchef Bob Swan am Mittwoch. In Großbritannien werde Ebay nicht mehr so häufig genutzt. Auch die Schwäche des britischen Pfund werde seinen Tribut zollen und den zum Konzern gehörenden Bezahldienst PayPal belasten, führte Swan aus.

Mit den Geschäftszahlen traf Ebay die Erwartungen der Analysten. Allerdings enttäuschte der Ausblick auf das laufende Quartal, der den Anlegern zu zurückhaltend war. Nachbörslich fiel die Aktie um gut 2 Prozent.

Ab der zweiten Jahreshälfte sei dann aber Besserung in Sicht, kündigte Swan an. Die Investitionen des Unternehmens würden anfangen sich auszuzahlen. Der Konzern investiere heftig in seine Expansionspläne, sagte Analyst R.J. Hottovy von Morningstar. Diese Ausgaben könnten der Grund für den vorsichtigen Ausblick für das zweite Quartal sein. "Die Investitionen sind für die Zukunft und das sollte positiv bewertet werden, selbst wenn sie kurzfristig den Gewinn belasten." An der Prognose für das Gesamtjahr hielt Ebay fest. Konkurrent Amazon will sich in einer Woche in die Bücher schauen lassen.

wed/rtr/dpa

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