Freitag, 13. Dezember 2019

Handel Die Profiteure der Schlecker-Pleite

Gewinner-Drogeriekette Rossmann: Mit mehr als 16 Prozent Umsatzwachstum war 2012 das beste Geschäftsjahr der Firmengeschichte

Fast 6000 Drogeriefilialen verschwanden mit der Schlecker-Pleite vom Markt. Ein Jahr später feiern sich ehemalige Konkurrenten wie DM und Rossmann als Gewinner im Kampf um die Schlecker-Kunden. Auch neue Anbieter hoffen, noch zu profitieren.

Köln - "Ich glaube, Sie haben das nicht verstanden. Es ist nichts mehr da." Mit diesen Worten an die versammelte Presse leitete Firmenerbin Meike Schlecker im Januar vergangenen Jahres das endgültige Aus für die Drogerie-Kette ein. Schon wenige Monate später waren die rund 6.000 Schlecker- und IhrPlatz-Filialen des Familienunternehmens geschlossen.

Das Schicksal der "Schlecker-Frauen" bewegte monatelang die Republik, die Bundesagentur für Arbeit bildete Sonderteams, um die mehr als 20.000 Mitarbeiter in neue Jobs zu vermitteln.

Während die Republik noch diskutierte, wer schuld war an der Pleite und wie viel vom Firmenvermögen die Unternehmerfamilie wohl zuvor in privaten Kassen in Sicherheit gebracht hatte, brachte sich die Konkurrenz im Eiltempo in Stellung für den Kampf um die ehemaligen Schlecker-Kunden.

Marktforscher spekulierten, wer wohl als Gewinner aus dem Wettbewerb um die Schlecker-Marktanteile hervorgehen würde: Der anthroposophisch angehauchte Marktführer DM, der durch die Schlecker-Pleite zum unangefochtenen Platzhirsch der Drogerieszene aufstieg? Der kleinere, aber aggressiv wachsende Konkurrent Rossmann? Oder würden die preisbewussten Schlecker-Kunden doch in die Drogerieabteilungen von Discountern und Supermärkten abwandern?

Rekordergebnis für Rossmann

Wirft man einen Blick auf die Geschäftszahlen der Drogerieketten, scheint die Antwort klar: Rossmann bejubelte auf der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag ein Rekordergebnis: Mit 142 neuen Filialen - darunter 93 ehemalige IhrPlatz-Standorte - und mehr als 16 Prozent Umsatzwachstum war 2012 das beste Geschäftsjahr der Firmengeschichte.

Aber auch Konkurrent DM sieht sich mit 130 neuen Filialen und einem Umsatzwachstum von rund 14 Prozent auf der Gewinnerseite. "Die Drogerieketten haben das Rennen gemacht. Die Supermärkte konnten zwar auch einen Teil der Umsätze abgreifen, aber der Großteil ist im Drogeriebereich geblieben", sagt Handelsexperte Jörg Funder vom Institut für internationales Handelsmanagement (IIHD) in Worms. Größter Gewinner aus seiner Sicht: Die dynamisch wachsende Kette Rossmann.

Betrachtet man den Drogeriemarkt insgesamt, hat der Wegfall der Schlecker-Filialen den Umsatz allerdings gedämpft: Funder kommt mit seiner Analyse auf ein Plus von nur rund 2 Prozent auf 13 Milliarden Euro für den gesamten Drogeriemarkt im Jahr 2012. Laut dem Handelsexperten Wolfgang Adlwarth von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) schrumpfte der Drogeriemarkt 2012 insgesamt sogar um 1,3 Prozent. "Obwohl die Ketten wie DM und Rossmann zweistellig gewachsen sind, konnten sie den Verlust in der Fläche nicht vollständig ausgleichen", sagt Adlwarth.

Aktuellen GfK-Analysen zufolge verdanken die Drogeriemärkte ihren Erfolg zudem gar nicht in erster Linie der Schlecker-Pleite.

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