Umsatzplus Plötzlicher Einkaufsboom in Deutschlands Citys

Die Einzelhändler in vielen deutschen Innenstädten dürften ihren Augen nicht getraut haben, denn die Schlangen in ihren Läden müssen in den vergangenen Wochen lang gewesen sein. Der Umsatz in Deutschlands Einzelhandel ist im Januar so stark gestiegen wie seit sechs Jahren nicht mehr.

Wiesbaden - Der Einzelhandel in Deutschland ist mit glänzenden Geschäften ins neue Jahr gestartet. Bereinigt um Kalender- und Saisoneffekte stiegen die Umsätze im Januar so stark wie seit mehr als sechs Jahren nicht mehr, berichtete das Statistische Bundesamt am Freitag. Jetzt glauben mehr und mehr Konjunkturforscher, dass der private Konsum - neben dem Export und den anziehenden Investitionen der Unternehmen - zu einer der wesentlichen Stütze der deutschen Wirtschaftskraft im laufenden Jahr werden könne. Das schwache Weihnachtsgeschäft konnte zum Teil wettgemacht werden.

Im Vergleich zum Vormonat Dezember 2012 legten die bereinigten Umsätze der Händler im ersten Monat 2013 real um 3,1 Prozent zu. Zu jeweiligen Preisen waren es 2,9 Prozent. Beide Werte markieren Rekorde seit dem Dezember 2006, wie ein Statistiker erläuterte. Im Dezember 2012 hatte es einen unerwarteten Einbruch gegeben.

Allerdings haben die Bereinigungen großen Einfluss: Üblicherweise sind Januar und Februar die umsatzschwächsten Monate im Jahreslauf, doch 2013 ist das Loch nach dem Weihnachtsgeschäft eben deutlich weniger tief. Die Umsätze lagen preisbereinigt (real) 2,4 Prozent über dem Januar 2012. Nominal, also zu aktuellen Preisen, hatten die Händler sogar 4,0 Prozent mehr in den Kassen als vor einem Jahr.

"Die Leute sind bereit, ihr Geld auszugeben", sagte ein Sprecher des Handelsverbands Deutschland (HDE) in Berlin. Das sei insbesondere beim Handel mit Lebensmitteln und Textilien zu beobachten. Absolut entscheidend sei dafür die Beschäftigungslage. "Wir haben eine robuste Situation und die Leute gönnen sich etwas. Anschaffungen werden nicht hinausgezögert." Der Verband erwartet für das Gesamtjahr vorsichtig einen Zuwachs von einem Prozent beim nominalen Umsatz.

Die Volkswirte der Commerzbank  rechnen mit einer weiterhin lebhaften privaten Nachfrage, die zum Wachstum beitrage. Neben der Arbeitsplatzsicherheit spielten auch die Reallohnzuwächse der letzten Zeit eine wichtige Rolle, sagte die Analystin Ulrike Rondorf. Für die Konsumbereitschaft seien zudem die niedrigen Zinsen wichtig, weil sie Anlagen unattraktiver machten: Für die nächste Zeit erwarte sie eine tendenziell sinkende Sparquote, sagte Rondorf.

kst/dpa-afx/rtr
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