Leiharbeiter-Skandal Von der Leyen nimmt Amazon ins Visier

Nach einem Bericht über miserable Arbeitsbedingungen beim Internetversender Amazon fordert Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen Aufklärung. Der ebenfalls in die Kritik geratene Sicherheitsdienst H.E.S.S. äußert sich unterdessen zu Rechtsextremismus-Vorwürfen.
Amazon-Logistikzentrum: Der Handelsriese sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert, er habe Leiharbeiter ausgebeutet

Amazon-Logistikzentrum: Der Handelsriese sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert, er habe Leiharbeiter ausgebeutet

Foto: Jan-Philipp Strobel/ dpa

Berlin/München - Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat Aufklärung über die Arbeitsbedingungen von Saisonarbeitern beim Internet-Versandhändler Amazon gefordert. "Der Verdacht wiegt schwer, deswegen müssen jetzt so schnell wie möglich alle Fakten auf den Tisch", sagte die Ministerin der "Welt am Sonntag".

Eine ARD-Dokumentation hatte miserable Lebens- und Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern am hessischen Amazon-Standort Bad Hersfeld aufgedeckt. Saisonkräfte etwa aus Spanien und Rumänien seien in Massenunterkünften untergebracht und von privaten Sicherheitsdiensten mit teilweise rechtsradikalem Hintergrund überwacht und drangsaliert worden.

Von der Leyen warnte die Leiharbeitsfirma, die mit Amazon  zusammenarbeitet, vor Lizenzentzug: "Sollte die Sonderprüfung ergeben, dass an den Vorwürfen gegen die Leiharbeitsfirma etwas dran ist, dann steht die Lizenz auf dem Spiel."

Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) forderte nach Angaben der Staatskanzlei in Wiesbaden Aufklärung. Die Landesregierung sei für den Fall nicht zuständig, werde aber die Arbeit der zuständigen Bundesagentur verfolgen.

Hessens Opposition wollte das nicht gelten lassen. SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel warf Bouffier vor, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Der Arbeitsschutz sei bei den Regierungspräsidien angesiedelt und falle damit sehr wohl in die Zuständigkeit des Landes, sagte er einer Mitteilung zufolge.

H.E.S.S. Security wehrt sich gegen Vorwürfe

In der "Welt am Sonntag" kritisierte auch der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen im hessischen Landtag, Kai Klose, dass sich die Landesregierung sich für nicht zuständig erkläre. Sie müsse jetzt bei der Bundesagentur für Arbeit Überprüfungen anstoßen.

Der private Sicherheitsdienst H.E.S.S.-Security, der die zumeist ausländischen Mitarbeiter dem Bericht zufolge schikaniert haben soll, wehrte sich in einer Pressemitteilung gegen die Vorwürfe: "Den Vorwurf, unser Unternehmen pflege rechtsradikale Ansichten oder unterstütze diese, weisen wir zurück."

Die ARD-Journalisten hatten H.E.S.S.-Chef Patrick Hensel Kontakte zur rechten Szene nachgewiesen. Die Initalien H.E.S.S. (kurz für Hensel European Security Services) erinnern an den Stellvertreter Adolf Hitlers, Rudolf Heß.

Der ARD-Film hatte unter anderem gezeigt, wie Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma die Leiharbeiter und das ARD-Team bedrängten und Zimmer durchsuchten. H.E.S.S. bestätigte die Zimmerdurchsuchungen zur "Dokumentation etwaiger Beschädigungen oder abhandengekommener Sachen" im Einvernehmen mit dem Hotelbetreiber. Es gehöre zum Auftrag des Sicherheitsdienstes, "Hoteleigentum der unterbringenden Gastwirte vor Diebstahl und Beschädigung zu schützen."

Kunden reagierten mit Kontoschließungen auf die ARD-Dokumentation. Amazon teilte in einer E-Mail mit: "Wir nehmen die Sicherheit und das Wohlergehen unserer Mitarbeiter sehr ernst und überprüfen externe Dienstleister, die die Unterbringung von Saisonkräften aus anderen Regionen verantworten, regelmäßig."

ts/dpa-afx
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