Mittwoch, 18. September 2019

Fast-Fashion-Boom Angriff der Billigheimer

Fast Fashion: Wer die Etablierten das Fürchten lehrt
Peter Macdiarmid/Getty Images

2. Teil: Zweistellige Gewinnsprünge

Ein Kuchen, von dem immer mehr Anbieter ein Stück abhaben wollen. So sollen im kommenden Jahr in Deutschland Primark-Läden auf der Frankfurter Zeil, am Berliner Alexanderplatz, in Köln und Düsseldorf eröffnen. Die US-Kette "forever21" eröffnet einen Flagship-Store in Berlin und auch Gina Tricot, das nach eigenen Worten "am schnellsten wachsende Modeunternehmen für Damen in Nordeuropa" wirbt mit seinen mittlerweile 175 Filialen samt Onlineshop um die junge, modebewusste Kundschaft.

Hinzu kommen "In"-Marken wie Hollister oder Adidas Neo, die deutlich teurer, bei der jungen Kundschaft aber ebenfalls schwer angesagt sind.

Das Geschäft läuft gut. So will Adidas mit seinem jungen Label Neo bereits 2015 beim Umsatz die Milliardenmarke knacken. Und auch bei Primark läuft es ausgesprochen gut: Der Gewinn der britischen Muttergesellschaft Associated British Foods (ABF) kletterte in abgelaufenen Geschäftsjahr um 17 Prozent, wobei ein Drittel des Umsatz auf das Konto der Modekette gingen. Ein Erfolg, der etablierten Läden wie H&M oder C&A Kopfschmerzen bereitet.

Angriff der Winzlinge auch in Deutschland

Mit einem Umsatz von rund 4,3 Milliarden Euro ist Primark für die Schweden zwar noch ein echter Winzling. Mit seinen 253 Läden ist es nicht einmal ein Zehntel so groß wie H&M, die weltweit mehr als 2700 Filialen betreiben. Doch dass die Briten die Schweden und die Düsseldorfer mittlerweile auch auf deren wichtigstem Markt Deutschland angreifen, verheißt für die Etablierten nichts Gutes. Denn: "Der zu verteilende Kuchen wächst nicht mehr wahnsinnig", sagt Branchenspezialist Funder.

Für H&M läuft es derzeit nicht so gut. Ihnen machen neben der neuen Konkurenz höhere Baumwollpreise zu schaffen, die sie wegen des steigenden Wettbewerbsdrucks nicht voll an die Kunden weitergeben können, wie Isabell Cavil vom Marktforscher Planet Retail zu Bedenken gibt. Gestiegene Lohnkosten in den klassischen Produktionsländern für Billigtextilien setzen die Margen zusätzlich unter Druck. Im dritten Quartal legte der Überschuss nur noch um weniger als ein Prozent zu.

Zwar wachsen auch die Schweden international weiter, doch die Verkäufe schwächeln. Rechnet man die zusätzliche Verkaufsfläche heraus, wäre der Absatz im Oktober um 4 Prozent zurückgegangen, der zweite rechnerische Rückgang innerhalb der letzen drei Monate.

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