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Frisch in den Kühlschrank: Wo man was bestellen kann

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Online-Supermärkte "Es rentiert sich einfach nicht"

In Großbritannien boomt der Lebensmittelhandel übers Internet. Hierzulande haben die Händler Schwierigkeiten. Handelsexperte Dirk Morschett erklärt, warum der deutsche Markt so besonders ist.

mm: In Großbritannien boomt der Lebensmittelhandel über Internet, in der Schweiz läuft er gut und auch in Frankreich bestellen immer mehr Kunden online. In Deutschland kommt das Geschäftsmodell jedoch nicht richtig ins Rollen. Woran liegt das?

Morschett: Aus meiner Sicht stecken grundsätzliche Probleme dahinter. In England ist die Ausgangslage eine ganz andere. Die britischen Einzelhändler machen sehr gute Margen, mit denen sie das relativ kostenträchtige Onlinegeschäft gut finanzieren können. Und trotzdem werden noch zu den hohen Margen relativ hohe Liefergebühren verlangt. Die ist der englische Kunde auch bereit zu zahlen.

mm: Und in Deutschland?

Morschett: In Deutschland liegt die Sache ganz anders: Da sind zum einen die Margen so gering, dass der Händler es sich nicht leisten kann, das Onlinegeschäft daraus zu subventionieren. Zum anderen sind die Kunden auch über die letzten Jahrzehnte so preisorientiert erzogen worden, dass sie gar nicht bereit sind, hohe Liefergebühren zu bezahlen. Es rentiert sich hierzulande einfach nicht.

mm: Trotzdem gibt es immer wieder neue Anbieter, die versuchen, auf dem Markt Fuß zu fassen.

Morschett: Ja, und das wird auch so bleiben. Aber die meisten werden auch wieder verschwinden. Das heißt nicht, dass innovative Nischenkonzepte keinen Erfolg haben werden. Aber es bleibt eben ein Nischengeschäft. Ein breites Supermarktsortiment inklusive Frisch- und Tiefkühlware wird aus meiner Sicht zumindest mittelfristig kein Erfolgskonzept in Deutschland sein.

mm: Das heißt konkret?

Morschett: Der Marktanteil wird auch in zehn Jahren unter 5 Prozent liegen. In einer aktuellen Studie sind wir jedenfalls selbst beim besten Szenario bis 2022 nur auf knapp 4 Prozent Onlineanteil gekommen. Der Onlineservice kostet einfach. Die Ware muss von einem Angestellten zusammengestellt werden, der bezahlt werden muss. Und dazu kommen noch die Lieferkosten - was grob gesagt jeweils die Hälfte ausmacht.

"Es gibt keinen, der damit Geld verdient"

mm: Und trotzdem geben Händler wie Rewe und Tengelmann nicht auf. Und sogar DHL mischt durch eine Beteiligung beim Onlineanbieter Allyouneed.de jetzt mit.

Morschett: Für Unternehmen wie Rewe oder Tengelmann kann es in Ballungszentren, wo die Lieferkosten etwas geringer sind, funktionieren.

Aber es gibt keinen, der damit Geld verdient. Nehmen Sie Tengelmann, die bieten seit über zehn Jahren Lieferdienste in Berlin und München an, seit diesem Jahr auch in Düsseldorf. Wenn das wirklich etwas bringen würde, würden die nicht nach zehn Jahren in ein paar Gebieten fest hängen. Innerhalb von zehn Jahren kann man einiges lernen und optimieren. Und die sind bestimmt nicht schlecht. Und dennoch haben sie nicht den Anlass gesehen, das Modell breit auszudehnen.

Bei DHL sieht das anders aus. Denen geht es ja nicht darum, wirklich mit Onlinehandel Geld zu verdienen, sondern darum, das Geschäft zu lernen um später als Logistikdienstleister für anderen tätig sein zu können. Für die ist das eher eine Übungswiese.

mm: Welche Nischenanbieter werden sich Ihrer Ansicht nach denn durchsetzen?

Morschett: Im Gourmetbereich ist sicher Platz für einige Anbieter, Menümodelle wie Schlemmertüte oder Kommtessen.de finden sicher ihre Nische. Und auch Teilbereiche eines Supermarktes wie Tierfutter können sich rentieren.

mm: Da kostet der Versand aber auch.

Morschett: Aber der Warenwert ist insgesamt höher. Bis man den mit Broccoli und Kopfsalat hat, dauert es. Und die muss man dann auch noch besonders aufwändig und kühl transportieren. So wie sich der Kunde sich seine Tüte an der Kasse packt, kann ein Lieferdienst das jedenfalls nicht ausliefern. Und das kostet.

mm: Spielt denn auch mangelndes Vertrauen eine Rolle. Fürchten viele, wenn sie sich die Waren nicht selbst zusammenpacken, zweite Wahl zu bekommen?

Morschett: Es spielt eine Rolle. Aber das liegt meines Erachtens an der geringen Erfahrung. Aus meiner Erfahrung aus der Schweiz und Großbritannien kann ich sagen, dass die großen Onlinehändler eigentlich alle sicherstellen, dass die Kunden einwandfrei Ware bekommen.

mm: Haben denn wenigstens Abholmärkte, wie sie Globus oder Rewe betreiben, wo die Kunden ihre im Internet bestellte Ware abholen können, eine Zukunft?

Morschett: Solche Drive ins werden wir sehen - allerdings lange nicht in dem Ausmaß wie in Frankreich, wo jeden Monat Dutzende eröffnet werden. Das ist eher eine Dienstleistung für die Kunden - kein Geschäftsmodell, das Geld bringt.

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