Mittwoch, 26. Februar 2020

Honorarstreit Apotheker feilschen um neuen Festbetrag

Streit um den Aufschlag: Apotheker wollen mehr Geld für ihre Arbeit

Die gute Finanzlage der Kassen weckt Begehrlichkeiten. Nicht nur Ärzte wollen mehr Geld, auch die Apotheker machen Druck: Sie wollen künftig mehr beim Medikamentenverkauf verdienen. Anderenfalls drohe ein Apothekensterben - und Versorgungsengpässe auf dem Land.

Hamburg - Ann-Katrin Kossendey ist so etwas wie ein kleiner Star auf Youtube. Mehr als 40.000 mal haben die Nutzer des Internetportals die kleinen Filmchen bereits angeklickt, in denen die blondgelockte Apothekerin mit Legosteinchen und Klebezetteln auf die Lage ihres Berufstandes aufmerksam macht.

Und die umtriebige Niedersächsin geht noch weiter: Um die nackte Not vieler Kollegen zu illustrieren, ließ sie die Hüllen fallen - und protestierte so öffentlichkeitswirksam gegen den nach ihrer Ansicht viel zu geringen Apotheken-Aufschlag für Medikamente.

Die Apotheker scheinen von den Ärzten gelernt zu haben: Statt sich auf Lobbyarbeit zu beschränken, geht zumindest ein Teil von ihnen jetzt auch in der Öffentlichkeit aufs Ganze. Sie organisieren Proteste, drohen mit Warnstreiks und weigern sich, bevor mehr Geld fließt, neue bürokratische Anforderungen zu erfüllen.

Ihre Forderung: Sie wollen mehr Geld für die Abgabe von Arzneien. Bislang erhalten die Apotheken für ihre Arbeit einen Anteil von 3 Prozent auf den Einkaufspreis pro Packung, die über den Ladentisch geht. Hinzu kommt ein Zuschlag von 8,10 Euro, von dem sie allerdings 2,05 Euro an die gesetzlichen Krankenkassen abführen müssen. Bleibt unter dem Strich ein Fixbetrag von 6,05 Euro pro Packung.

Festbetrag soll steigen

Und eben dieser 2003 festgesetzte Festbetrag soll nun steigen. Umstritten ist allerdings, wie hoch die Anpassung ausfallen soll. Während Bundeswirtschaftsminister Philip Rösler 25 Cent pro Packung mehr zahlen will, fordern die Apotheken eine Aufstockung um mehr als einen Euro..

Die zusätzlichen 25 Cent, argumentieren sie, würden die gestiegenen Kosten für Miete, Personal nicht auffangen. Allein die Personalkosten, ein großer Batzen bei den Apothekern, hätten seit 2003 um fast 30 Prozent zugelegt, die Inflation um mehr als 10 Prozent. Der Staat, so ihre Argumentation, verdiene mit der Mehrwertsteuer deutlich mehr als sie selbst. Und das mit einem vollen Steuersatz, der deutlich über dem reduzierten liege, der in den meisten EU-Ländern für Arzneien Anwendung finde.

Bei Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) stoßen sie damit bislang allerdings auf taube Ohren. Der bremst - offenbar auch, um sich im Gerangel mit dem Koalitionspartner noch Verhandlungsmasse zu bewahren.

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