Sonntag, 21. April 2019

Kein Geld Schlecker-Gläubiger gehen wohl leer aus

Kaum etwas zu holen: Forderungen von 665 Millionen Euro gegen Schlecker sollen maximal 27 Millionen Euro gegenüberstehen, die bestenfalls zu verteilen wären

Die Gläubiger der zusammengebrochenen Drogeriekette Schlecker gehen werden weitgehend leer ausgehen, berichtet der "Spiegel". Bitter ist das vor allem die Allianz-Tochter Euler Hermes. Allein dem Kreditversicherer schuldet Schlecker rund 225 Millionen Euro.

Hamburg - Angemeldeten Forderungen von 665 Millionen Euro gegenüber Schlecker stehe ein möglicher Ausschüttungsbetrag von höchstens 27 Millionen Euro gegenüber, berichtet der "Spiegel" am Sonntag. Ein Sprecher von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz wollte sich am Sonntag zum Ergebnis des Insolvenzverfahrens nicht äußern.

Größter Gläubiger ist der zum Finanzkonzern Allianz gehörende Hamburger Kreditversicherer Euler Hermes, bei dem Schlecker laut "Spiegel" mit knapp 224 Millionen Euro in der Kreide steht. Vor Kurzem war sogar noch von Forderungen des Kreditversicherers über 300 Millionen Euro die Rede. An zweiter Stelle steht dem Bericht zufolge die Bundesagentur für Arbeit mit 125 Millionen Euro.

Die verfügbare Summe von 27 Millionen Euro ergibt sich dem Bericht zufolge, wenn man von Schleckers Vermögen von 499,8 Millionen Euro laufende Warenrechnungen, Mietzahlungen und Kosten des Insolvenzverfahrens sowie Löhne und Sozialversicherungsbeiträge der Mitarbeiter während der dreimonatigen Kündigungsfrist abzieht.

Stunde der Schäppchenjäger vor Schlecker-Läden

Für die ehemals größte deutsche Drogeriekette hatte sich kein Käufer gefunden, der genug Geld investieren wollte. Die Gläubiger beschlossen deshalb Anfang Juni eine Zerschlagung des Pleite-Unternehmens mit zuletzt noch 13.800 Beschäftigten. Der weitere Betrieb sei angesichts der laufenden Verluste nicht mehr vertretbar, hatte Insolvenzverwalter Geiwitz bekräftigt. Die Angebote der Investoren hätten alle unter dem Zerschlagungswert gelegen.

Die Tochterunternehmen und die Immobilien werden nun verkauft. In den noch rund 3200 Filialen läuft noch bis Ende des Monats der Ausverkauf. Angesichts hoher Rabatte bildeten sich in vielen Läden lange Kundenschlangen. Die verbliebenen Mitarbeiter erhalten in diesen Tagen die Kündigungen. Schon im Frühjahr waren mehr als 10.000 Schlecker-Beschäftigte vor die Tür gesetzt worden, um die Verluste zu drücken.

rei/rtr

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