Resteverkauf Jetzt kommen die Billigheimer

Das Erbe des Ex-Discounter-Königs Anton Schlecker steht zur Verteilung: Weder für Schlecker XL noch für Ihr Platz gibt es bislang einen Käufer. Auch die Logistikunternehmen der Schlecker-Kinder mussten Insolvenz anmelden. Jetzt sichten die Billigheimer die Ware.
Restposten: Nach dem Schlecker-Aus sichten Euro-Shop-Betreiber die Lage

Restposten: Nach dem Schlecker-Aus sichten Euro-Shop-Betreiber die Lage

Foto: Tobias Kleinschmidt/ dpa

Hamburg - Bei der Unternehmensbeteiligungsgesellschaft Dubag geht man derzeit nur äußerst ungern ans Telefon. In den repräsentativen Räumen in Nähe eines kleinen Parks beim Münchener Isarvorplatzes herrscht eifriger Betrieb. Man versucht zu retten, was nicht mehr zu retten scheint: doch noch die Übernahme von "Ihr Platz" zu schultern.

Die Chancen dafür stehen schlecht, denn die Verhandlungen mit dem Warenkreditversicherer Euler Hermes sind gescheitert. Und daran, dass Dubag-Vorstand Michael Schumann noch eine Lösung ohne Euler Hermes findet, daran glaubt in der Branche kaum einer mehr.

"Wer soll denn das sein", heißt es dazu in der Branche. "Die wären ja mit dem Klammerbeutel gepudert." Gespräche mit dem Lebensmittelhändler Edeka über eine Zusammenarbeit der Belieferungen sind bereits im Vorfeld gescheitert.

Auch für die rund 340 Schlecker-XL-Läden sieht die Lage düster aus, nachdem Dubag die Übernahme abgesagt hatte. Zwar hatten sowohl Rossmann als auch DM Interesse angemeldet - aber nur für jeweils höchstens 80 Filialen.

"Und wahrscheinlich wird es beiden mehr oder weniger um dieselben Filialen gehen", glaubt Denise Klug, die für Marktforschungsfirma Planet Retail den deutschen Drogeriemarkt analysiert, "unter anderem die an Bahnhöfen oder Flughäfen."

Management Trust Holding: Interesse aus Österreich

Bislang hat Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz die Hoffnung allerdings noch nicht aufgegeben, mehr als nur die Filetstücke loszuwerden. Schließlich dürften auch die Lieferanten ein Interesse am Fortbestand der Läden haben.

Hoffnung für Geiwitz könnte unterdessen von der Management Trust Holding (MTH) aus Österreich kommen, einer Unternehmensgruppe um den Investor und früheren ÖVP-Politiker Josef Taus. Die hatte vor einigen Tagen grundsätzliches Interesse am Österreich-Geschäft signalisiert und prüft derzeit mit einem mehrköpfigen Team die Geschäftsunterlagen, wie die österreichische Zeitung "Die Presse" Taus zitierte. Ein Treffen mit Geiwitz soll in den nächsten Tagen stattfinden.

Allerdings geht es auch hier offenbar nur um einen Teil der Filialen. Er gehe davon aus, dass etwa ein Drittel der 930 Filialen wirtschaftlich führbar seien, zitierte das Blatt Martin Waldhäusl, den für den Einzelhandel zuständigen Vorstand der MTH-Gruppe. Allerdings unter einem neuen Konzept, wie es hieß. Eine Entscheidung könnte es dem Vernehmen nach womöglich bereits in der kommenden Woche geben.

Erfahrungen mit dem Sanieren hat die MTH. So übernahm und sanierte sie vor einigen Jahren erfolgreich die Buchhandelskette Libro, die in ihren 240 österreichischen Filialen und mehr als 1600 Mitarbeitern Produkte wie Bücher, Schreibwaren, CDs und Technikartikel vertreibt.

Aber auch in Deutschland hat MTH bereits Sanierungserfahrung: Im Jahr 2010 übernahm er 184 Filialen der insolvente Billigkette MäcGeiz. Außerdem gehört seit eingen Jahren die etwas größere Läden betreibende Discounterkette Pfennigpfeiffer zum Portfolio, die einst selbst aus einer Drogeriekette hervorging.

Erfahrener Sanierer auf Expansionskurs

Daran, dass er sich auch eine weitere Expansion nach Deutschland vorstellen kann, hat Taus nie einen Hehl gemacht. Das habe bislang gut funktioniert, erklärte er auf einer der jüngsten Bilanzpressekonferenzen. Weitere Zukäufe seien nicht ausgeschlossen.

Auch wenn die Übernahme zumindest einem Teil der österreichischen Schlecker-Beschäftigten eine Perspektive bietet. Daran, dass viel bei dem Geschäft in der Alpenrepublik herauszuholen sein wird, hat Handelsexperte Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg seine Zweifel. Mehr als zehn oder zwanzig Millionen Euro sei für das alles andere als lukrative Geschäft in Österreich wohl nur unter Ausnahmebedigungen zu holen, schätzt Roeb.

Allerdings könnte Taus aus Deutschland Konkurrenz bekommen. Unter anderem von Billiganbietern wie der Dortmunder Discounterkette Tedi, die alleine in Deutschland mehr als 1300 Filialen betreibt und ebenfalls in Österreich aktiv ist.

Discounter Tedi sondiert die Lage

Man sei "stets auf der Suche nach interessanten Standorten", heißt es dazu von Tedi. "Ehemalige Schlecker- beziehungsweise Ihr-Platz-Filialen könnten sich dafür auch sehr gut eignen". Auch in Österreich will die Gruppe expandieren. Zum aktuellen Stand möglicher Verhandlungen will man sich aber nicht äußern.

Und auch der Lebensmittelhandel ist längst dabei, sich die interessanten Teile des einstigen Drogerieimperiums herauszupicken. So hat der Singener Großhändler Okle, der in Süddeutschland Nahversorger wie Markant, Ihr Kaufmann, Landmarkt oder Nah und Frisch beliefert, bereits rund 100 ehemalige oder noch bestehende Schlecker-Märkte unter die Lupe genommen.

"Wir überprüfen, ob es sich lohnen könnt, sie als Märkte weiterzubetreiben oder mit bereits bestehenden Märkten dahin umzuziehen", sagte der für den Verkauf bei Okle zuständige Herbert Prell manager magazin online.

Wie viele davon tatsächlich in Frage kommen und ob sich dafür Betreiber finden, ist noch offen und wird sich nach den Worten Prells erst in drei bis vier Wochen herausstellen.

Ob Insolvenzverwalter Geiwitz, der immer noch hofft, noch 500 bis 700 Millionen Euro aus der Insolvenzmasse herauszuholen, davon viel haben wird, ist allerdings offen. "Den bräuchten wir eigentlich nicht", meint Prell. "Das können die Einzelhändler eigentlich auch direkt mit den Vermietern klären."

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