Filialen werden verkauft DM filetiert Schlecker

Es heißt Zuschlagen für die früheren Schlecker-Konkurrenten: DM übernimmt neun Filialen, weitere könnten hinzukommen. Der Branchenzweite muss allerdings mit Konkurrenz rechnen - auch die Staatsanwaltschaft interessiert sich für Schlecker.
Drogeriefiliale dm: Auf der Suche nach den Rosinen

Drogeriefiliale dm: Auf der Suche nach den Rosinen

Foto: Uli Deck/ dpa

Stuttgart - Die Drogeriemarkt-Kette DM hat aus der Insolvenzmasse des bankrotten Konkurrenten Schlecker neun Filialen erworben und bekundet Interesse an 60 bis 80 weiteren Standorten. "Logistisch ließen sich die Märkte sofort integrieren", teilte die in Karlsruhe ansässige Kette mit. "Eine Umstellung auf unser Ladenbild könnten wir zeitnah vollziehen."

Die Schlecker-Gläubiger wollen mangels eines Übernahmeinteressenten die einstmals größten Drogeriemarkt-Kette zerschlagen, in den bundesweit noch 3200 Filialen läuft seit Freitag der Ausverkauf.

Der teilweise schon vertraglich besiegelte Verkauf der Schlecker-Töchter IhrPlatz und Schlecker XL an den wenig bekannten Finanzinvestor Dubag aus München war am Freitag am Widerstand der Gläubiger gescheitert. Die beiden ebenfalls insolventen Tochterfirmen haben bundesweit gut 800 Filialen mit rund 5000 Mitarbeitern. Deren Zukunft ist ungewiss.

DM wolle in diesem Jahr mindestens 130 neue Läden eröffnen, sagte Unternehmenschef Erich Harsch. Abzüglich geplanter Schließungen verbleibe netto ein Zuwachs um voraussichtlich gut 100 Filialen. Zuletzt zählte DM in Deutschland gut 1250 Filialen.

Rossmann ebenfalls interessiert

In den Aus- und Umbau des Ladennetzes sollen im laufenden Jahr mehr als 100 Millionen Euro gesteckt werden. Der Niedergang der 1975 gegründeten Kette Schlecker zeige, "dass Sparen und Gewinnmaximierung der falsche Weg zum Erfolg und kontinuierliche Investitionsbereitschaft und organisches Wachstum der bessere Weg" seien, so Harsch.

Der DM-Chef plädierte zugleich dafür, den geltenden Tarifvertrag als "gute Grundlage" wieder für alle Handelsunternehmen verbindlich werden zu lassen. Bei DM seien die tariflichen Bestimmungen "die absolut untere Grenze" bei der Bezahlung, Leiharbeiter beschäftige die Kette nicht.

Auch DM-Konkurrent Rossmann könnte noch IhrPlatz- und Schlecker XL-Filialen übernehmen. "Die interessantesten Standorte gehen wahrscheinlich an die Marktführer Rossmann und DM", sagte Thomas Roeb, Professor für Handelsbetriebslehre an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Rossmann hatte zuvor ebenfalls Interesse an ausgewählten Standorten signalisiert.

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Riesen Edeka und Rewe in letzter Minute doch noch für die insolvent Schlecker-Tochter interessieren, schätzte Roeb mit etwa zehn Prozent ein.

Staatsanwaltschaft prüft Immobilienverkäufe

Derweil prüft die Staatsanwaltschaft Stuttgart, ob die Schlecker-Pleite mit möglichen Straftatbeständen wie Bankrott, Untreue oder Betrug in Verbindung stehe, sagte eine Sprecherin und bestätigte damit Informationen der "Süddeutschen Zeitung".

Die Staatsanwaltschaft berichtete, dass ihre sogenannte Vorprüfung im Fall Schlecker ein routinemäßiges Vorgehen bei Insolvenzen sei. So werde nun geklärt, ob Insolvenzverschleppung vorliegt. Es handele sich dabei nicht um ein Ermittlungsverfahren. Ein Sprecher der Insolvenzverwaltung war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Jedes Amtsgericht informiere bei Insolvenzfällen immer auch die Staatsanwaltschaft. Im Fall Schlecker trat die zunächst zuständige Ulmer Ermittlungsbehörde die Aufgabe an die Kollegen in Stuttgart ab, wo die Schwerpunktstaatsanwaltschaft in Wirtschaftsstrafsachen sitzt.

Schlecker soll kurz vor der Insolvenz ein Zentrallager samt Grundstück in Österreich, die Österreich-Zentrale bei Linz sowie ein Logistikzentrum im österreichischen Pöchlarn an seine Kinder veräußert haben. Durch den Verkauf sind die Immobilien nicht mehr Teil der Insolvenzmasse.

Schlecker soll kurz vor der Insolvenz ein Zentrallager samt Grundstück in Österreich, die Österreich-Zentrale bei Linz sowie ein Logistikzentrum im österreichischen Pöchlarn an seine Kinder veräußert hatte. Durch den Verkauf sind die Immobilien nicht mehr Teil der Insolvenzmasse.

Anton Schlecker kann nicht belangt werden

Der Sprecherin zufolge ist mit einem Ergebnis nicht vor Juli zu rechnen. Herauskommen könne dann, dass ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird, weil ein ausreichender Anfangsverdacht gegeben ist. Andererseits könne die Vorprüfung auch ergeben, dass rechtlich nichts zu beanstanden ist. Variante drei sei, dass die Staatsanwaltschaft noch mehr Zeit benötige und die Vorprüfung auch im Juli vorantreibe.

Allerdings könnte Anton Schlecker als Einzelperson in der von ihm gewählten Rechtsform eingetragener Kaufmann (e.K.) nicht wegen einer Insolvenzverschleppung belangt werden. Das gelte aber nicht für die Töchter IhrPlatz GmbH + Co. KG und die Schlecker XL GmbH. Außerdem griffen bei Anton Schlecker - sollte er sich tatsächlich schuldig gemacht haben - die Straftatbestände Bankrott, Untreue oder Betrug, die mit einer Insolvenzverschleppung zusammenhängen können.

Geprüft werde nun etwa die Buchführung im Schlecker-Reich. Auch Geschäfte wie beispielsweise Verkäufe von Grundstücken schaue sich die Staatsanwaltschaft genau an, berichtete die Sprecherin.

ts/rtr/dpa-afx/dapd
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