Montag, 21. Oktober 2019

Gläubigerversammlung Schlecker wird zerschlagen

Aus und vorbei: 13.200 Schlecker-Beschäftigte verlieren ihre Jobs

Die Gläubiger der insolventen Drogeriekette Schlecker haben das endgültige Aus beschlossen. In diesem Monat wird mehr als 10.000 Angestellten gekündigt. Für die Tochtergesellschaften Schlecker XL und Ihr Platz gibt es noch Hoffnung - aber auch Zweifel am Rettungsplan.

Ulm - Die Schlecker-Gläubiger haben am Dienstag wie erwartet für das endgültige Aus der insolventen Drogeriemarktkette gestimmt. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz sagte nach dem Treffen in Ulm: "Die Stilllegung des Geschäftsbetriebs von Anton Schlecker e.K. ist mit großer Mehrheit beschlossen worden." Eine Fortführung sei nicht mehr zu vertreten gewesen.

Vor dem Versammlungsort demonstrierten mehrere hundert Verkäuferinnen des einstigen Branchenprimus. Verdi-Landeschefin Leni Breymaier sagte: "Was hier passiert, ist eine Katastrophe für die Schlecker-Frauen und Schande für die soziale Marktwirtschaft." Sie forderte Hilfen wie etwa einen Sonderfonds bei der Bundesagentur für Arbeit oder Geld für Transfergesellschaften.

Bereits am Freitag hatte sich der Ausschuss mit den größten Gläubigern für das Ende ausgesprochen und damit die entscheidenden Weichen gestellt. Die Kündigungen der 13.200 Schlecker-Mitarbeiter sollen zum Ende des Monats rausgehen. Rund 5000 Beschäftigte der beiden Schlecker-Töchter Ihr Platz und Schlecker XL können aber weiter hoffen. Denn die 490 Filialen von Ihr Platz sowie die 342 Schlecker-XL-Märkte sollen vom Münchner Investor Dubag übernommen werden.

Die Zukunft der XL-Filialen ist Thema einer eigenständigen Versammlung, die noch am Dienstagnachmittag stattfinden sollte. Die Gläubigerversammlung von Ihr Platz ist dagegen für Mittwoch anberaumt. Während Dubag schon Pläne für eine Integration der XL-Filialen unter der Marke Ihr Platz und den Erhalt aller Jobs ankündigte, meldeten sich inzwischen einige Gläubiger mit Bedenken, vor allem was den Kaufpreis für die Warenlager angeht.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen hat die Pleite der Drogeriekette Schlecker "sehr bedauert" und will eine zügige Vermittlung der Betroffenen erreichen. Die Chancen dafür stünden wegen der regionale Streuung gut, sagte die CDU-Politikerin am Dienstag in Berlin. Zudem sei die Bundesagentur für Arbeit bereits frühzeitig einbezogen worden. Das erhöhe die Vermittlungschancen für die mehr als 10.000 vor der Arbeitslosigkeit stehenden Frauen.

Eine Transfergesellschaft, wie sie die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi fordert, sei nicht umsetzbar, sagte die Ministerin weiter. Das hätten die vergangenen Wochen gezeigt. Denn diese Idee sei nicht an den beteiligten Bundesministerien gescheitert, sondern letztlich an den Ländern.

ak/dpa-afx/dapd

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung