Defizitäre Sparte Metro stößt britischen Großhandel ab

Metro zieht sich aus einem weiteren Markt zurück: Der Düsseldorfer Handelskonzern hat sein defizitäres Großhandelsgeschäft in Großbritannien verkauft. Künftig will sich das Unternehmen unter anderem auf große Schwellenländermärkte konzentrieren.
Großhandelsmarkt von Metro: In Großbritannien hatte der Konzern zuletzt keinen Lauf

Großhandelsmarkt von Metro: In Großbritannien hatte der Konzern zuletzt keinen Lauf

Foto: Steffen Kugler/ picture-alliance/ dpa

Düsseldorf - Der neue Metro-Chef Olaf Koch zieht angesichts anhaltender Verluste bei den britischen Großhandelsmärkten die Reißleine. Zu einem Preis von rund 140 Millionen Pfund (etwa 180 Millionen Euro) übernehme die Booker Group Marko Self Service Wholesalers, teilte Metro am Mittwoch in Düsseldorf mit.

Neben einer Barzahlung von 15,8 Millionen Pfund erhält Metro  eine Beteiligung von knapp 10 Prozent an Booker. Diese Beteiligung will der Düsseldorfer Handelsriese über die Sperrfrist von zwölf Monaten hinaus halten, Ziel sei seine strategische Partnerschaft. "Wir haben den richtigen Käufer für unser britisches Geschäft gefunden", erklärte Metro-Chef Olaf Koch.

Metro-Aktien legten am Morgen um rund ein Prozent auf 22,85 Euro zu und zählten damit zu den wenigen Gewinnern im Dax .

Makro UK galt bereits seit Jahren als eines der Sorgenkinder des Handelsriesen. Die Märkte schrieben Verluste, erst vor einem knappen Jahr hatte der Konzern versucht, das Geschäft mit seinen rund 3000 Mitarbeitern durch einen Managementwechsel wieder in die Spur zu bringen.

Vier der fünf Geschäftsführer mussten im vergangenen Sommer ihren Hut nehmen - eine "Restrukturierung und Neupositionierung" wurde damals als Ziel ausgegeben. Nun kommt die Trennung.

Transaktion belastet Bilanz der Metro

Der neue Eigentümer Booker hatte sich bislang vor allem auf Catering-Unternehmen und unabhängige Einzelhändler als Kunden konzentriert, mit den Metro-Geschäften kommen nun auch Kunden aus den Bereichen Hotellerie und Restaurants hinzu.

Die Transaktion wird die Bilanz der Metro belasten: Der Konzern erwarte wegen des Buchwerts der britischen Großhandelsmärkte einen negativen Effekt auf den operativen Gewinn (Ebit) in einer Höhe von rund 200 Millionen Euro noch im zweiten Quartal, teilte Metro weiter mit.

Diese Ergebnisbelastung will Koch aber als Sondereffekt verbuchen - damit sei sie für die Ebit-Prognose der Metro für das Gesamtjahr nicht wirksam. Koch rechnet für 2012 beim operativen Gewinn vor Sonderfaktoren mit einem Ergebnis in etwa auf der Höhe des Vorjahres - damals lag das Ebit vor Sonderfaktoren bei 2,37 Milliarden Euro.

Metro hatte sich bereits mehrfach aus Märkten zurückgezogen, in denen der Konzern keine Wachstumsperspektiven mehr sieht. 2010 wurden die Großhandelsmärkte in Marokko verkauft, auch von den Saturn-Märkten der Tochter Media-Saturn in Frankreich trennte sich Metro.

Koch hatte zuletzt auch die Zusammenlegung der beiden Landesgesellschaften in Spanien und Portugal verfügt und auf den eigentlich geplanten Markteintritt der Großmärkte in Indonesien verzichtet. Koch will sich darauf konzentrieren, in den bestehenden Märkten die Umsätze zu steigern und die Expansion in ausgewählten Ländern wie China, Russland oder der Türkei zu beschleunigen.

nis/dpa/rtr
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