Dienstag, 18. Juni 2019

Coty Milliardärsfamilie zieht Avon-Gebot zurück

Übernahme geplatzt: "Wir glauben, dass Sie weiterhin unwillig sind, ein freundliches, ausgehandeltes Zusammengehen zu einem vernünftigen Zeitplan zu prüfen"

Die deutsche Milliardärsfamilie Reimann hat keine Lust mehr auf Avon. Da der US-Kosmetikkonzern nicht bereit ist, über die auf 10,7 Milliarden Dollar aufgebesserte Offerte zu verhandeln, zieht die Familie das Gebot jetzt zurück. An der Börse galt die Übernahme schon zuvor als geplatzt.

New York - "Es ist enttäuschend, dass es zu keinen Gesprächen gekommen ist", heißt es in einem Brief an an die Führungsspitze von Avon Geschrieben hat ihn Bart Becht, der Verwaltungsratsvorsitzende des Parfümherstellers Coty, der zum Imperium der Familie Reimann gehört. Für Coty sei es daher an der Zeit, andere Möglichkeiten zu verfolgen.

Der öffentlichkeitsscheue Clan aus dem Rhein-Neckar-Raum hatte am vergangenen Donnerstag das Angebot von zehn auf rund 10,7 Milliarden Dollar (zuletzt 8,3 Milliarden Euro) erhöht und Avon eine Frist bis Montag gesetzt. Die Amerikaner wollten noch eine Woche mehr haben.

Da machte die Reimann-Firma Coty, über die der Übernahmeversuch lief, nicht mehr mit. Avon habe sich so wenig kooperativ gezeigt, "dass wir glauben, dass Sie weiterhin unwillig sind, ein freundliches, ausgehandeltes Zusammengehen zu einem vernünftigen Zeitplan zu prüfen", schreibt Becht. "Während wir enttäuscht sind, wünschen wir Ihnen Erfolg bei ihrer Strategie, die Wende im Alleingang zu schaffen", heißt es zum Abschluss des Briefs leicht süffisant.

Avon-Aktie kostete deutlich weniger als die Familie geboten hatte

Der erfolgsverwöhnte Kosmetikdirektvertrieb Avon litt zuletzt unter rückläufigen Verkäufen und einem Gewinneinbruch. Gerade erst hat die Chefin gewechselt: Auf die langjährige Nummer eins Andrea Jung folgte Mitte April Sherilyn McCoy. Überdies machen dem Unternehmen Bestechungsvorwürfe zu schaffen.

Die Reimanns meinten es ernst. Zum einen haben sie einen großen Anteil an Reckitt Benckiser versilbert, um ihre Kasse aufzufüllen. Für etwa 4,9 Prozent an dem in London börsennotierten Konsumgüterkonzern kassierten sie 1,2 Milliarden Pfund (1,4 Milliarden Euro). Den Reimanns verbleiben an Reckitt Benckiser nun noch 10,5 Prozent. Zum anderen hatten sie sich die Unterstützung des Starinvestors Warren Buffett gesichert.

Avon argumentiert lange, die Offerte sei zu niedrig. Zuletzt war das Angebot auf 24,75 Dollar je Aktie erhöht worden. Davor waren es 23,25 Dollar und eigentlich hatten die Reimanns sogar nur 22,25 Dollar zahlen wollen, wie vor kurzem bekannt wurde. Am Aktienmarkt hatten zuletzt nur noch wenige an den Erfolg der Offerte geglaubt. Die Avon-Aktie kostete zuletzt lediglich 20,96 Dollar und damit deutlich weniger als Reimanns zuletzt geboten hatten.

mg/dpa-afx

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