Mittwoch, 21. August 2019

Einzelfall oder nicht? Schlecker bietet 500 Euro Abfindung

Schlecker-Filiale: Der Insolvenzverwalter fürchtet eine abschreckende Wirkung auf Investoren

Verwirrung um Minizahlung: Schlecker hat ehemaligen Beschäftigten vor Gericht nur 500 Euro Abfindung angeboten, wenn sie ihre Klagen fallen lassen. Doch jetzt widersprechen sich Insolvenzverwalter und Gericht, ob das Angebot tatsächlich für alle klagenden Ex-Angestellten gilt.

Ehingen/Ulm - Was soll jetzt gelten? Das fragen sich heute viele ehemalige Beschäftigte der Drogeriekette Schlecker, die pleite ist. Viele Ex-Mitarbeiter haben einen Arbeitsrechtsprozess gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber angestrengt, nachdem ihnen eine betreibsbedingte Kündigung zugestellt wurde. Ihnen hat Schlecker heute angeblich gerade einmal 500 Euro Abfindung geboten - wenn sie ihre Klage zurückziehen.

Bei zwei Güteterminen vor dem Ulmer Arbeitsgericht habe eine Anwältin aus der Kanzlei von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz den Betroffenen diese Summe geboten und dabei von einem "Leitfaden für alle Schlecker-Fälle" gesprochen, sagte ein Gerichtssprecher am Donnerstag. Genau das bestreitet im nachhinein nun aber der Insolvenzverwalter.

Bei den Abfindungen in Höhe von 500 Euro handele es sich nicht um ein allgemein verbindliches Angebot für alle klagenden Ex-Schlecker-Mitarbeiter. "Das sind Einzelfallentscheidungen", sagte ein Sprecher von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz.

Geiwitz selbst dementierte am Donnerstagmittag Äußerungen seiner Rechtsanwältin Gerda Straetmanns, wonach die Summe als "Leitfaden für alle Schlecker-Fälle" gelten solle. Es gebe dazu keinen Leitfaden, sagte Geiwitz.

Bundesweit haben nach bisherigen Angaben der Gerichte mehr als 1500 Ex-Schlecker-Beschäftigte gegen ihren früheren Arbeitgeber geklagt. Sollten sie alle das vermeintliche Abfindungsangebot annehmen, kämen Kosten in Höhe von 750.000 Euro auf die insolvente Drogeriekette zu. Die Zahl der Klagen ist noch verhältnismäßig gering. Ende März war 10.000 Schlecker-Mitarbeitern gekündigt worden.

Der Insolvenzverwalter befürchtet bei einer "hohen Zahl" an Klagen eine abschreckende Wirkung auf potenzielle Investoren. Die bislang eingegangenen Gebote seien zu niedrig und teils komplett kreditfinanziert, hieß es. Geiwitz bezeichnete die Offerten als "zweifelhaft".

ts/dpa

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