Donnerstag, 14. November 2019

Amazon Revolte gegen den Platzhirschen

Tablet und Co.: Die aktuellen E-Book-Lesegeräte
DPA

4. Teil: Deutschland holt auf - und der Verlagsbranche schwant Unheil

Entsprechend hoch sind die Rabatte, die Amazon aushandelt. Insider sprechen von bis zu 60 Prozent - deutlich mehr als viele andere Buchhändler herausholen. "Die ziehen die Schrauben immer enger", heißt es in der Branche.

Und der Markt wächst. Nach Schätzungen des Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) stieg der Verkauf der Lese-Geräte 2011 um rund 40 Prozent, der Umsatz mit den Readern in Deutschland auf über 30 Millionen Euro. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels schätzt, dass der Anteil von E-Books bis 2015 schon bei 9 Prozent liegen könnte "sehr konservativ geschätzt", wie MVB -Geschäftsführer Schild betont. Weltbild rechnet sogar mit 15 bis 25 Prozent.

Bislang hat Amazon hierzulande vor allen bei den Verbrauchern einen guten Ruf. Der Buchversender gilt als günstig, zuverlässig, rund um die Uhr erreichbar und hat ein breites Angebot.

Doch langsam schwant der Verlagsbranche in Deutschland, das Amazon mehr ist als eine zusätzliche Vertriebsmöglichkeit - und ein Druckservice, der es über seinen Print-on-Demand Service ermöglicht, auch ausverkaufte Exemplare verfügbar zu halten. Das liegt nicht nur an den Schlagzeilen aus den USA, sondern auch daran, dass sich Amazon immer mehr in das ureigenste Territorium der Branche begibt - das Verlagsgeschäft.

Showdown in den Bücherläden

Das sorgt für neuen Konfliktstoff: Weil sich Amazon offenbar weigert, von ihm verlegte E-Books auch für Nook-Kunden verfügbar zu machen, warf Barnes & Noble kürzlich sämtliche Amazon-Bücher aus seinem Programm.

"Auch in Deutschland schlägt die Stimmung allmählich um - gegen Amazon", berichtet Schild, mit seinem Ebook-Reader Liro allerdings selbst ein Wettbewerber Amazons. Und dabei geht es nicht nur ums Kindle Self-publishing, bei dem Autoren ihre Werke in digitaler Form selbst anbieten können und bis zu 70 Prozent der Verkaufserlöse kassieren. Es geht um das klassische Verlagsgeschäft.

Über verschiedene Verlagslinien veröffentlicht Amazon bereits auf eigene Faust Bücher, hat Bestsellerautoren unter Vertrag genommen und ganze Titel-Segmente von anderen Verlagen aufgekauft. Auf dem deutschen Markt ist Amazon mit diesem Angebot bislang noch nicht präsent. Ob sich das ändern wird, darüber macht Amazon keine Angaben. Dass der Konzern seiner Konkurrenz keine Zeit zum Aufatmen geben wird, zeigte sich aber erst am vergangenen Freitag wieder.

Da ging Amazon mit seinem neuen eBookReader "Kindle touch" in 175 Ländern an den Start - unter anderem auch Deutschland. Eine Woche früher als geplant.

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