Donnerstag, 22. August 2019

Amazon Revolte gegen den Platzhirschen

Tablet und Co.: Die aktuellen E-Book-Lesegeräte
DPA

2. Teil: "Es hätte für Amazon nicht besser laufen können"

Doch die Entwicklung spielt Amazon in die Hände."Es hätte für Amazon nicht besser laufen können", sagt Verlagsexperte Michael Norris vom US-Recherchehaus Simba Information. Und die "New York Times" konstatiert: Es ist "als ob man Standard Oil schalten und walten lässt und stattdessen die kleine Tankstelle an der Ecke platt macht".

Zwar bedeutet die Untersuchung nicht, dass auch das Agenturmodell fällt. Aber ein Großteil der Verlage ist bereits eingeknickt und hat der Forderung nach mehr Preissenkungsspielraum für einen Zeitraum von zwei Jahren zugestimmt - allerdings unter dem Zugeständnis, dass Wiederverkäufer nicht unter den Einkaufspreis gehen dürfen.

Wie groß die Macht von Amazon ist, bekommen in den USA auch immer mehr kleinere Verlage zu spüren. Für dem US-Verlag McFarland kam der Schock zum Jahresende. Statt bislang rund 20 Prozent Rabatt forderte Amazon plötzlich 45 Prozent Preisnachlass - eine Hausnummer, die dessen Chef Karl-Heinz Roseman für geschäftsschädigend hält. Doch Widerstand ist schwer: Schließlich laufen fast 70 Prozent aller Verlagsverkäufe über Amazaon.

Ähnliche Erfahrungen wie Roseman machte auch die Berkshire Publishing Group, von der Amazon eine Ausweitung des bisher 40prozentigen Rabattes forderte. Als Berkshire ablehnte, blieben die Bestellungen aus. Bei Wings Publishing - einem ähnlichen Fall - fielen mit einem Schlag 50 Prozent der eBook Verkäufe weg. Und von der US-amerikansichen Independent Publishers Group warf Amazon rund 5000 Titel aus dem Programm, nachdem sich die IPG geweigert hatte, neue von Amazon gesetzte Konditionen zu akzeptieren.

David gegen Goliath

Dass sich ein Verlag gegen die Übermacht Amazons zur Wehr setzt, ist selten. Einer der Widerständler ist Randall White. Aus Protest gegen Amazons Geschäftspraktiken nahm der Chef des Kinderbuchverlages Educational Development Corporation die 1500 Titel seines Hause aus dem Angebot des Onlineversenders. Und verkauft nun als "David gegen Goliath" seine Bücher wieder auf eigene Faust und über den klassischen Vertriebsweg.

"Amazon drängt jeden aus dem Markt heraus" poltert White, der auf seiner Internetseite öffentlichkeitswirsam nun die Geschichte von der "Demontage des Riesen" erzählt. "Die sind ein Raubtier."

Die Aussichten im Machtkampf sind nicht wirklich rosig. Dank niedriger Verkaufspreise für seinen eBook-Reader Kindle hat Amazon noch immer einen Löwenanteil am US-Markt: Rund 62 Prozent am eReader und mit Produkten wie dem Kindle Fire auch noch 14 Prozent am Tablet Markt sind es laut Marktforscher Pew Research derzeit - mit steigender Tendenz.

Selbst dem Tablet-Vorreiter Apple konnte Amazon mit seinem Tablet kürzlich schon Marktanteile abjagen.

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