Einstieg bei Burger King Berggruens schwere Burger-Beute

Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen mag das Spiel mit dem Feuer. Eine seiner Investmentfirmen steigt bei Burger King ein. In den USA kämpft die Fastfoodkette mit gesünderem Essen gegen sinkende Umsätze - doch sehr innovativ zeigt sich das Unternehmen dabei nicht.
Whopper auf Sparflamme: Burger King erweitert sein Menü um Salate, Smoothies und Kaffee

Whopper auf Sparflamme: Burger King erweitert sein Menü um Salate, Smoothies und Kaffee

Foto: Gene J. Puskar/ AP

Hamburg - Der jüngste Deal des Karstadt-Eigentümers Nicolas Berggruen hat Biss: Für 1,4 Milliarden Dollar verleibt sich die von ihm mitgegründete Investmentfirma Justice rund 29 Prozent der Fastfoodkette Burger King ein. Es ist ein Geschäft ganz nach dem Beuteschema des 50-jährigen Milliardärs und Philanthropen. Mit der Burgerkette schnappt sich Berggruen erneut ein Unternehmen mit einem bekannten Markennamen - und strukturellen Problemen.

Denn die Kundenzahlen von Burger King in seinem Heimatmarkt USA sinken seit Jahren - und bislang hat die einstige Nummer zwei der US-Fastfood-Branche kein griffiges Rezept dagegen gefunden. Erzkonkurrent McDonald's  hingegen stellte sich nach anfänglichem Zögern geschickt auf neue Kundenwünsche ein. Mit gesünderen Snacks, Smoothies und Kaffeespezialitäten punktet McDonald's auch bei weiblichen und gesundheitsbewussten Kunden.

Den erfolgreichen Imagewandel fasst die Bilanz in harte Zahlen: Im Gesamtjahr 2011 steigerte McDonald's seinen weltweiten Umsatz um 12 Prozent auf 27 Milliarden Dollar, der Gewinn legte um 11 Prozent auf 5,5 Milliarden Dollar zu.

Bei Burger King ist die Lage dagegen deutlich schwieriger. Im vergangenen Jahr sanken die globalen konsolidierten Umsätze um 3 Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar, der Gewinn wuchs aber um 80 Prozent auf 107 Millionen Dollar. Immerhin stiegen die Umsätze in Europa und Lateinamerika deutlich an - doch das Minus im Heimatmarkt Nordamerika machte diese Zuwächse zunichte.

Burger King setzte zu lange auf die falschen Kunden

Zuletzt verlor Burger King sogar in einem Monat erstmals den zweiten Platz bei den Burger-Umsätzen im US-Markt an den Konkurrenten Wendy's. Und das, obwohl Wendy's um 1300 Filialen weniger in den USA betreibt.

Lange Jahre machte Burger King gute Geschäfte mit seiner Stammklientel: Jungen, männlichen Kunden, die den auf offener Flamme gegrillten Burgern treu blieben. Die Fast-Food-Branche galt lange Zeit als krisenfest. Denn die billigen Menüs verkauften sich auch noch gut, als die Konsumenten wegen der schlechten Wirtschaftslage mehr auf ihr Geld achteten.

Doch in den Rezessionsjahren 2009 und 2010 ging diese einfache Rechnung nicht mehr auf. Preisbewusste Kunden aßen lieber zu Hause als beim Burgerbrater, und die Umsätze vieler US-Ketten brachen drastisch ein.

McDonalds kam dank seiner Neuausrichtung und cleverer Marketingideen wie dem 1-Dollar-Frühstück ohne Schrammen durch die Krise. Burger King allerdings blutete - und will jetzt möglichst schnell sein Dickmacher-Image hinter sich lassen.

Der "King" nimmt sich McDonald's zum Vorbild

Der Durchbruch im margenträchtigen Kaffee-Geschäft gelang der Burgerkette in den USA bislang allerdings nicht - trotz einer Kooperation mit Starbucks  . In Deutschland will Burger King seinen Franchisenehmern die BK Coffeebar schmackhaft machen. Doch der Konzern fand erst im dritten Anlauf einen Kooperationspartner aus dem Gastronomiebereich.

Bis Ende des Jahres will Burger King die Hälfte aller deutschen Restaurants mit neuem Design versehen - inklusive Kaffeeecke.

Viel Geld und Mühen investiert Burger King auch in neue Angebote. Nur einen Tag vor dem Einstieg von Justice hat die Kette in einer US-weiten Werbekampagne zehn neue Produkte vorgestellt, von Salaten und Smoothies über geeiste Kaffees bis hin zu Wraps. Es ist die größte Erweiterung des Angebots seit Gründung der Kette im Jahr 1954. Besonders erfindungsreich ist das allerdings nicht. Denn Erzkonkurrent McDonalds hat ganz ähnliche Produkte ebenfalls auf der Karte - zum Teil schon seit Jahren.

Eine etablierte, aber schwächelnde Marke mit viel Handlungsbedarf - das scheint wie bei Karstadt ein Schnäppchen nach Berggruens Geschmack zu sein. Er habe sich viele Investitionsmöglichkeiten angeschaut, erklärte Berggruen in der Nacht zum Mittwoch. "Aber Burger King hat herausgestochen als einzigartiger weltweiter Spieler im wachsenden Fast-Food-Markt."

Sparsame Rückkehr an die Börse

Etwas undurchsichtig ist das Tauschgeschäft, mit dem Berggruens Investmentfirma Justice einen Teil von Burger King übernimmt. Justice ist bereits ein börsennotiertes Unternehmen. Als Folge des Deals wird die Justice-Aktie jedoch aus dem Handel in London genommen, das gesamte Unternehmen wird in Burger King Worldwide umbenannt und geht anschließend an die New Yorker Börse. Auf diesem Wege sparen sich alle Beteiligten den teuren und langwierigen Prozess eines klassischen Börsengangs.

Damit kehrt Burger King nach 18 Monaten Abstinenz an die Wall Street zurück. Denn im Oktober 2010 kaufte der Finanzinvestor 3G Capital Burger King für vier Milliarden Dollar - und nahm das Unternehmen anschließend von der US-Börse.

Durch die neuerliche Börsennotierung werde die Marke Burger King "vom positiven Schwung des letzten Jahres profitieren", meinte Daniel Schwartz, der Finanzchef des Unternehmens. Weder im Topmanagement noch an der Wachstumsstrategie werde sich etwas ändern, versicherte Schwartz.

Ob Berggruens Investmentgesellschaft Justice das genauso sieht, ist bislang noch nicht bekannt.

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