Mittwoch, 20. November 2019

Insolvenzverfahren Schlecker schließt weniger Filialen

Überwiegend Frauen arbeiten bei Schlecker: Weil weniger Filialen schließen werden wohl 500 Arbeitsplätze mehr erhalten bleiben.

Bei Schlecker sollen weniger weniger Filialen schließen und weniger Jobs wegfallen als zuerst geplant. Darauf haben sich Insolvenzverwalter, Betriebsrat und Gewerkschaft geeinigt. Jetzt stehen harte Verhandlungen über die Finanzierung der Transfergesellschaft bevor.

Kassel - Die zusammengebrochene Drogeriekette Schlecker schließt weniger Filialen als zuletzt geplant. Es sei gelungen, die Zahl der vor dem Aus stehenden Filialen von 2400 auf rund 2200 zu reduzieren, sagte der Verhandlungsführer der Gewerkschaft Verdi, Bernhard Franke, am Sonntag nach zweitägigen Verhandlungen mit Vertretern des Betriebsrats von Schlecker und Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz.

Für die von der Kündigung bedrohten Beschäftigten, die in einer Transfergesellschaft aufgefangen werden sollen, habe man eine tarifvertragliche Regelung geschaffen. Zudem seien geeignete Träger für Transfermaßnahmen angesprochen und über Details informiert worden, so dass diese in Kürze ihre Arbeit aufnehmen könnten, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Jetzt sei es an der Politik, Nägel mit Köpfen zu machen.

Unter dem Strich sollen weniger Schlecker-Beschäftigte ihren Job verlieren, hieß es am Sonntag weiter. Die Differenz zu den bislang geplanten 11.700 Entlassungen mache "ungefähr 500 Arbeitsplätze aus", sagte Betriebsratsvorsitzende Christel Hoffmann. Insgesamt sind etwa 33.000 Menschen bei Schlecker beschäftigt.

Die vor dem Aus stehenden Filialen sollen bereits bis Ende kommender Woche ihre Pforten schließen. Der Insolvenzverwalter will die Mitarbeiter, die in der verkleinerten Kette und auch woanders auf die Schnelle keine Arbeit finden, in einer Transfergesellschaft unterbringen. Seinen Angaben zufolge wären zur Finanzierung einer solchen Auffanggesellschaft 71 Millionen Euro nötig.

Länder feilschen am Montag um Finanzierung der Transfergesellschaft

Am Montag kommen Vertreter der Landesregierungen in Berlin zusammen, um eine gemeinsame Lösung für die Finanzierung einer solchen Gesellschaft zu finden. Einem möglichen Kredit der staatlichen Förderbank KfW hatte das Bundeswirtschaftsministerium eine Absage erteilt.

Einen Kredit der KfW in Höhe von etwa 71 Millionen Euro werde er nur möglich machen, "wenn Baden-Württemberg zusammen mit den anderen betroffenen Ländern die volle Haftung übernimmt", sagte Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Das sei zumutbar und "überfordert mit Sicherheit kein Land". Normalerweise trägt der Bund das Risiko bei KfW-Krediten.

Die Liste mit den Namen der zunächst rund 9500 Schlecker-Frauen, die Ende März ihren Arbeitsplatz verlieren, soll nach Gewerkschaftsangaben am Dienstag vorliegen. Der Insolvenzverwalter wollte ursprünglich 10.000 Mitarbeiterinnen von Filialen entlassen. Weitere 1700 Angestellte sollen zudem nach der Schließung von Lägern der Drogeriekette den Job verlieren.

rei/dapd/rtr

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