Donnerstag, 21. November 2019

Schwarze Städte-Liste Schlecker benennt 2000 Schließkandidaten

Räumungsverkauf: In 2000 Filialen beginnen die Vorbereitungen für die Schließung

Albtraum für Schlecker-Mitarbeiter: In eineinhalb Wochen will die insolvente Drogeriekette 2000 von 5400 Filialen schließen. Die Hälfte der 25.000 Beschäftigten könnte ihren Job verlieren. Jetzt hat Schlecker eine Liste mit den 2000 Filialen rausgerückt, die geschlossen werden sollen.

Ehingen - Schlecker macht Ernst: Mindestens 2000 Filialen werden in eineinhalb Wochen schließen. Während die insolvente Drogeriekette heute die Schließliste veröffentlichte, begannen die Mitarbeiterinnen der insolventen Drogeriekette mit den Vorbereitungen für den Räumungsverkauf und Rabattaktionen von bis zu 30 Prozent.

Übernächsten Samstag (24. März) sollen die betroffenen Läden zum letzten Mal öffnen. Welche der annähernd 12 000 betroffenen Mitarbeiterinnen ihre Jobs verlieren, steht erst fest, wenn der Sozialplan ausgehandelt ist.

Schlecker veröffentlichte am Mittwoch eine Liste mit Filialen, die voraussichtlich geschlossen werden. Nach Angaben eines Sprechers sind die Angaben noch vorläufig. Auf der 40 Seiten langen Liste sind Märkte von Aachen bis ins niederbayerische Zwiesel aufgeführt. 2000 Filialen sollen wie bereits angekündigt endgültig geschlossen werden - nur sie sind auf der Liste aufgeführt. Unlängst zählte Schlecker in Deutschland noch rund 5400 Filialen.

Von rund 400 weiteren Filialen, die noch auf wackeligen Füßen standen, sind mittlerweile dem Vernehmen nach rund 120 gerettet. Über 280 weitere spricht Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz noch mit den Arbeitnehmervertretern.

Weiter wird um Staatshilfen für die Drogeriekette gestritten - Bund und Länder schieben sich gegenseitig den "Schwarzen Peter" zu. Möglicherweise kann es bei den Schließungen noch zu kleinen Veränderungen kommen - doch ist das Aus für die Läden ziemlich sicher.

Sozialplan wird noch ausgehandelt

Insolvenzverwalter Geiwitz will 11.750 Stellen streichen, um ab April mit schwarzen Zahlen das Unternehmen weiter zu führen. Die Betriebsräte teilten derweil mit, sie hätten eine erste Liste mit Namen der zu entlassenden Beschäftigten erhalten. Diese werde nun darauf geprüft, ob sie mit den Sozialkriterien verträglich sei. Schlecker beschäftigt 25.000 Mitarbeiter.

Welche Mitarbeiterinnen ihre Jobs verlieren, ist noch unklar. Die genaue Zahl der Entlassungen steht aber erst fest, wenn der Sozialplan für die insolvente Drogeriekette ausgehandelt ist. Verdi und die Betriebsrätinnen erhielten am Mittwoch eine erste Namensliste. "Ich gehe davon aus, dass wir am kommenden Wochenende zu Entscheidungen kommen werden", sagte Bernhard Franke, der zuständige Verdi-Verhandlungsführer.

Die Diskussion um Staatshilfen wird derweilen immer heftiger. Das Bundeswirtschaftsministerium stellte klar, dass insolvente Firmen wie Schlecker nicht für Programmkredite der Staatsbank KfW antragsberechtigt seien. Wirtschaftsstaatssekretär Bernhard Heitzer verwies in einem am Mittwoch bekanntgewordenen Schreiben an Baden-Württembergs Finanzminister Nils Schmid und die Stuttgarter Arbeitsministerin Katrin Altpeter (beide SPD) darauf, dass das Land zuständig sei, in dem das Unternehmen sitze. Auch hätten die Länder eigene Förderinstitute.

Im Stuttgarter Landtag gab es eine heftige Kontroverse. "Wollen Sie eisig schweigen?", fragte Schmid am Mittwoch in einer aktuellen Debatte im Stuttgarter Landtag die Fraktionen von CDU und Liberalen. "Die Uhr tickt." Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) habe sich quergestellt und einen 70-Millionen-Kredit für die Transfergesellschaft verweigert. "Diese Frauen haben nicht die Gleichgültigkeit und Hochnäsigkeit des Herrn Rösler verdient." Schmid wollte sich am Mittwoch bei einem Treffen mit Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) nochmals für Hilfen stark machen.

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