Sonntag, 26. Januar 2020

Kaufhof Metro bläst Verkauf ab

Kaufhof-Filiale in Frankfurt am Main: Metro will Kaufhof nun selbst wieder auf Vordermann bringen

Überraschende Wende im Verkaufspoker um Kaufhof: Aufgrund der angespannten Situation auf dem Kapitalmarkt hat Metro die Verkaufsgespräche für seine Warenhaustochter abgebrochen. Die zuletzt schlecht laufenden Geschäfte dürften die Verhandlungen zusätzlich erschwert haben.

Düsseldorf - "Die aktuelle Lage am Kapitalmarkt bietet keine geeigneten Rahmenbedingungen für eine so wichtige Transaktion", sagte der neue Metro-Chef Olaf Koch. Der Konzern habe immer wieder betont, dass ein Verkauf das Potenzial von Kaufhof reflektieren müsse. "Aus heutiger Sicht können wir das Ertragspotenzial besser selbst heben, als durch einen Verkauf."

Ausschlaggebend für den Abbruch der Gespräche waren offenbar vor allem Zweifel an der Finanzierbarkeit des Milliardendeals. Angesichts der Fragilität der Märkte sei sie dem Konzern nicht 100-prozentig gesichert erschienen, sagte ein Unternehmenssprecher.

Der Schritt dürfte Koch nicht leicht gefallen sein. Die Metro Börsen-Chart zeigen will sich seit Jahren von Kaufhof trennen, da das Warenhausgeschäft als "nicht internationalisierbar" gilt und damit nicht in das Portfolio des weltweit agierenden Konzerns passt. Verkaufsverhandlungen waren allerdings bislang stets an den Preisvorstellungen der Metro gescheitert, die früheren Angaben zufolge mindestens zwei Milliarden Euro für die Warenhaustochter haben wollte.

Aktie legt zu

Zuletzt war allerdings Hoffnung aufgekeimt, den Verkauf dank des sich abzeichnenden Bieterwettkampfs zwischen dem österreichischen Immobilieninvestor René Benko und dem Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen doch noch über die Bühne zu bekommen. Vor allem mit Benko waren die Gespräche bereits weit fortgeschritten. Auch der frühere KarstadtQuelle-Chef Wolfgang Urban hatte eine Offerte vorgelegt. Zuletzt hieß es, dass Benko im Bieterprozess vorne liege.

Kaufhof erzielte 2010 mit 139 Filialen einen Umsatz von 3,6 Milliarden Euro und einen um Sonderfaktoren bereinigten operativen Gewinn von 138 Millionen Euro. Insgesamt arbeiten rund 20.000 Menschen für das Unternehmen.

Die Börse begrüßte die Entscheidung des Metro-Chefs, den Verkaufsprozess nicht um jeden Preis durchzuziehen. Der Kurs der Metro-Aktie stieg nach Bekanntgabe der Entscheidung zeitweise um mehr als 5 Prozent

Maues Weihnachtsquartal

Erschwert worden sein dürften die Verhandlungen auch durch die zuletzt schlecht laufenden Geschäfte: Der Handelsriese mit musste im vierten Quartal Abstriche beim Umsatz hinnehmen. Der Konzern mit Töchtern wie Media-Saturn, Real und Kaufhof verbuchte von Oktober bis Dezember beim Umsatz ein Minus von 1,3 Prozent auf 19,5 Milliarden Euro. Analysten hatten im Mittel mit Erlösen von rund 19,3 Milliarden Euro gerechnet. Im Gesamtjahr stand ein Umsatz von 66,7 Milliarden Euro in den Büchern - 0,8 Prozent weniger als noch 2010.

"Das vergangenen Jahr war durch außerordentliche Entwicklungen stark beeinträchtigt", sagte Koch. Insbesondere die Staatsschuldenkrise, hohe Arbeitslosigkeit und Sparprogramme in vielen Ländern Europas hätten die Kauflust der Verbraucher gebremst. Dies konnte die Metro am Ende des Jahres nicht mehr wett machen. "Trotz eines guten Endspurts war das Weihnachtsgeschäft insgesamt enttäuschend", so der neue Vorstandschef.

Ausgerechnet bei Kaufhof war das Geschäft dabei besonders schwach. So sank der Umsatz der Warenhaustochter 2011 um 3,7 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro. Im wichtigen Weihnachtsquartal lag das Minus sogar bei 4,6 Prozent. Die ungewöhnliche Witterung habe den Verkauf von Saisonware deutlich beeinträchtigt, heißt es. Darüber hinaus habe Kaufhof begonnen, den Verkauf des margenschwachen Techniksortiments einzustellen.

Kochs Vorgänger Eckhard Cordes, der zum Jahreswechsel seinen Posten geräumt hatte, hatte nach einem schwachen Start in das für Handelsunternehmen entscheidende vierte Quartal bereits die Jahresprognose der Metro zusammengestrichen: Der Konzern geht demnach für 2011 nun nur noch von einem Umsatz leicht unter dem Vorjahreswert von 67,3 Milliarden Euro aus, beim operativen Gewinn (Ebit) vor Sonderfaktoren erwarte Metro ein Ergebnis leicht unter dem Wert von 2010 in einer Höhe von 2,4 Milliarden Euro. Dieses Ziel hat die Metro wohl erreicht: Der Konzern bekräftigte die Ebit-Prognose am Dienstag. Die endgültigen Zahlen werden am 20. März veröffentlicht.

mg/dpa/rtr/dapd

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