Mittwoch, 22. Januar 2020

Ex-KarstadtQuelle-Chef Wolfgang Urban bietet für Kaufhof

Verkauf nicht vor Weihnachten: Kaufhof-Filiale in Berlin

Im Rennen um die Warenhauskette Kaufhof wirft ein weiterer Interessent seinen Hut in den Ring. Nun kann Mutterkonzern Metro zwischen drei Bietern wählen. Doch in diesem Jahr wird es wohl nichts mehr mit dem Verkauf.

Berlin - Der frühere KarstadtQuelle-Chef Wolfgang Urban gab in der Zeitung "Bild am Sonntag" die Offerte einer von ihm geführten Bietergruppe für die Metro -Tochter bekannt. "Das Angebot stammt von einem Konsortium großer deutscher Unternehmerfamilien", sagte Urban dem Blatt. "Wir wollen 51 Prozent von Kaufhof übernehmen, bei Bedarf auch 100 Prozent."

Urban schlug dem Vorabbericht zufolge vor, dass die Metro Börsen-Chart zeigen mit 49 Prozent Minderheitsgesellschafterin von Kaufhof bleiben könne. "Herr Urban hat uns das Angebot eines deutschen Konsortiums zukommen lassen", wurde ein Metro-Sprecher zitiert. Die Zeitung berichtete, Urban habe die Übernahmeofferte für die 2,4 Milliarden Euro schwere Kaufhof-Kette vergangene Woche bei Metro eingereicht.

Urban ist ein alter Bekannter: Er hatte seine Karriere beim Kaufhof begonnen, 1995 stieg er zum Vorstandssprecher auf. Der Manager wechselte 1998 dann zur Holding des Versandhauses Quelle, die ein Jahr später mit Karstadt verschmolz. Der später unter Urbans Nachfolger Thomas Middelhoff in Arcandor umbenannte Handelskonzern erlitt 2009 die, gemessen an der Beschäftigtenzahl, bislang größte Pleite eines deutschen Unternehmens.

Über Kaufhof spricht Metro bereits mit dem Eigner des Konkurrenten Karstadt, Nicolas Berggruen, sowie dem österreichischen Immobilien-Investor Signa. Doch vor Weihnachten wird Kaufhof wird nach Einschätzung des scheidenden Metro-Chefs Eckhard Cordes voraussichtlich nicht mehr den Besitzer wechseln. "Wir sind dabei, die Angebote zu prüfen. Wir sitzen aber noch nicht am Verhandlungstisch", sagte Cordes.

Bei einem Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof im Fall eines Verkaufs an den direkten Konkurrenten Berggruen seien auch Einschnitte in die Filialnetze zu erwarten, deutete Cordes an. Die Metro habe 2010 beim Interesse an einem Teil der Karstadt-Filialen geprüft, ob in der Folge auch einige Kaufhof-Filialen zu schließen gewesen wären, sagte er im Rückblick. Eine Kombination habe damals Sinn ergeben. Metro gehe es aber heute nur noch um einen Verkauf, nicht mehr um weitergehende Überlegungen.

Cordes selbst ist Metro-Chef auf Abruf. In der Führungskrise des Konzerns hat inzwischen auch Jürgen Kluge seinen Chefposten bei Großaktionär Haniel zur Verfügung gestellt. Nach Informationen des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL dringt Kluge auf eine schnelle Ablösung.

ak/rtr/dpa

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