Pharmagroßhändler Celesio senkt Prognose und verliert Vorstände

Staatliche Sparprogramme und die europäische Schuldenkrise setzen Celesio kräftig zu. Der Pharmagroßhändler hat erneut die Prognose gesenkt und will sich strategisch neu aufstellen. Zwei Vorstände verlassen das Unternehmen. Den Investoren gefällt der Schlingerkurs gar nicht.
Prognose gesenkt, Exodus von Vorständen: Die schlechten Nachrichten des Pharmagroßhändler Celesio reißen nicht ab

Prognose gesenkt, Exodus von Vorständen: Die schlechten Nachrichten des Pharmagroßhändler Celesio reißen nicht ab

Stuttgart - Die Negativnachrichten beim Pharmahändler Celesio  reißen nicht ab: Der Konzern senkte am Mittwoch bereits zum dritten Mal in diesem Jahr seine Prognose und rechnet 2011 nun nur noch mit einem Betriebsgewinn (Ebitda) vor Einmalaufwendungen von mindestens 575 Millionen Euro. Im Juli hatte das Unternehmen noch rund 600 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Die erneute Prognosesenkung sei auf regulatorische Eingriffe in Großbritannien sowie einen schärferen Wettbewerb in wichtigen Märkten wie Frankreich und Deutschland zurückzuführen, erklärte der Konzern. In den ersten neun Monaten fuhr Celesio laut vorläufigen Zahlen bei leicht rückläufigen Umsätzen ein Ebitda von rund 410 Millionen Euro ein.

Der neue Celesio-Chef Markus Pinger will nun mit einem neuen Sparprogramm gegensteuern, das ab 2012 das Ergebnis stabilisieren und in den folgenden Jahren eine zusätzliche jährliche Entlastung von mindestens 50 Millionen Euro bringen soll. Zunächst fallen jedoch Einmalbelastungen von bis zu 100 Millionen Euro an, vor allem im laufenden Jahr.

Pinger prüft Verkauf von Spartentöchtern

Zudem stellt Pinger die Sparte Manufacturer Solutions auf die Probe, die Dienstleistungen für die Pharmaindustrie anbietet. "Im Zuge der strategischen Neuausrichtung hat der Vorstand beschlossen zu prüfen, inwieweit für die Unternehmen Movianto und Pharmexx des Geschäftsbereichs Manufacturer Solutions eine Weiterentwicklung außerhalb des Celesio-Konzerns bessere Erfolgsaussichten bietet und daher ein Verkauf sinnvoll ist."

Celesio kündigte des weiteren an, dass der für Manufacturer Solutions zuständige Vorstand Michael Lonsert das Unternehmen zum Jahresende verlassen wird. Finanzchef Christian Holzherr werde bereits Ende November auf eigenen Wunsch ausscheiden. Reuters hatte bereits am Wochenende über Holzherrs Rückzug berichtet. Bereits im Sommer hatte der langjährige Celesio-Chef Fritz Oesterle im Streit mit dem Aufsichtsratschef und Vorstandsvorsitzenden von Hauptanteilseigner Haniel, Jürgen Kluge, seinen Hut nehmen müssen.

Den Börsianern gefielen die Vorgänge offenbar gar nicht. Die Aktien von Celesio  sind am Mittwoch unter Druck geraten. Die Papiere des Pharmahändlers sackten bis 10.00 Uhr um 3,52 Prozent auf 10,55 Euro ab und waren damit einer der schwächsten Werte im MDax .

wed/dpa/rtr
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