Metro-Machtkampf Cordes gibt auf

Eckhard Cordes, Vorstandschef des Handelsriesen Metro, wird seinen Vertrag nicht mehr verlängern. Er werde weiterarbeiten, bis ein Nachfolger gefunden sei, teilte der Konzern mit. Cordes hatte, wie er selbst mitteilte, nach zahlreichen Indiskretionen zuletzt das Vertrauen in die Großaktionäre verloren.
Vor der Aufgabe: Der Vorstandsvorsitzende der Metro AG, Eckhard Cordes

Vor der Aufgabe: Der Vorstandsvorsitzende der Metro AG, Eckhard Cordes

Foto: dapd

Düsseldorf - Der Vorstandschef des Handelsriesen Metro, Eckhard Cordes, will seinen Posten aufgeben. Cordes habe dem Aufsichtsrat und den Mehrheitsgesellschaftern am Sonntag mitgeteilt, dass er für eine Verlängerung seines bis zum 31. Oktober 2012 laufenden Vertrags nicht mehr zur Verfügung stehe, teilte der Konzern mit. Aus Unternehmenskreisen verlautete, Cordes werde sein Amt nicht sofort niederlegen. "Er wird seinen Vertrag erfüllen, bis die Nachfolgeregelung geklärt ist."

Es sei eine "schwierige Entscheidung" für ihn gewesen, teilte Cordes mit. Er dankte den Aktionärsfamilien Haniel und Schmidt-Ruthenbeck, die eine Vertragsverlängerung "ausdrücklich unterstützt und in mehreren Gesprächen mit mir auch gewünscht" hätten. "Allerdings bin ich (...) zu dem Schluss gekommen, dass eine vertrauensvolle Basis für einen Verbleib an der Spitze der Metro AG nicht mehr gegeben ist. So sind - durch welche Seite auch immer getrieben - immer wieder Spekulationen zu meiner Vertragsverlängerung in die Öffentlichkeit gelangt."

Über Cordes' Schritt war seit Wochen spekuliert worden: Es war lange unklar, ob der 60 Jahre alte Manager noch die Rückendeckung der Metro-Eigentümer hat. Die Führungsdebatte um Cordes war über Wochen mit immer neuen Indiskretionen befeuert worden. Zuletzt hatte es geheißen, Cordes solle nur eine Vertragsverlängerung von maximal zwei Jahren angeboten werden. Üblich sind drei.

Die öffentlich geführte Debatte um Cordes war lange aus dem Haniel-Umfeld angeheizt worden. Teile der Familie Haniel seien unzufrieden mit Cordes, hatte es in deren Umfeld geheißen, sie wünschten "einen Neuanfang" an der Spitze der Metro - einem Milliarden-Investment der Haniels. Die Familie ist mit einer Beteiligung von 34,24 Prozent der größte Einzelaktionär des Handelskonzerns.

Im Machtkampf um die künftige Führung des Handelsriesen Metro hatten sich die Haniel Ende September offiziell noch hinter Cordes gestellt. "Wir möchten die öffentliche Diskussion um die Zukunft des Vorstandsvorsitzenden beenden", hatte Haniel-Aufsichtsratschef Franz Markus Hanieldamals nach langen öffentlichen Spekulationen um die Zukunft des Metro-Chefs. Geplant war demnach, die Personalie des Vorstandschefs "frühestens am 2. November im Aufsichtsrat" zu besprechen.

Aktionäre, Arbeitnehmer, Altgesellschafter: Die Kritik kam aus vielen Lagern

Schützenhilfe hatte Cordes im September offiziell auch vom zweiten Großaktionär, der ebenfalls milliardenschweren Familie Schmidt-Ruthenbeck, erhalten. Deren Vertreter im Aufsichtsrat, Peter Küpfer, hatte sich demonstrativ hinter Cordes gestellt und für eine Vertragsverlängerung des Metro-Chefs plädiert. Die Familie Schmidt-Ruthenbeck hält knapp 16 Prozent an der Metro-Gruppe.

"Die von Herrn Cordes durchgesetzte Neuausrichtung der Metro haben wir gemeinsam mit den anderen Anteilseignern im Aufsichtsrat aktiv und zustimmend begleitet und werden ihn auch weiterhin bei dieser wichtigen Aufgabe unterstützen", zitierte das Nachrichtenmagazin "Focus" im September den Vertreter der Familie Schmidt-Ruthenbeck im Metro-Aufsichtsrat. Für diese Aufgabe bedürfe es Kontinuität, "weshalb wir ein großes Interesse an der Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Herrn Cordes haben".

Aktienkurs seit Jahresbeginn halbiert

Cordes stand zuletzt indes von mehreren Seiten unter Beschuss. Die Arbeitnehmervertreter im Metro-Aufsichtsrat hielten ihm seinen rigiden Sparkurs vor. Aus Sicht der Anteilseigner hatte Cordes wichtige Ziele bei Metro nicht umsetzen können.

Dazu gehörten unter anderem der geplante Verkauf der Warenhauskette Galeria Kaufhof sowie der SB-Warenhäuser Real. Beide zählen nicht mehr zum Kerngeschäft des Unternehmens. Zudem halbierte sich der Kurs der Börsenwert der Metro  seit Jahresanfang bis heute auf unter 30 Euro je Aktie.

Bei der Elektronikfachmarktkette Media-Saturn, einst eine Perle im Metro-Konzern, führte Cordes mit dem Minderheitsaktionär Erich Kellerhals einen Dauerstreit um dessen Vetorecht. Die Fehde beschäftigt inzwischen auch die Gerichte. Media-Saturn geriet 2011 - unter anderem bedingt durch den verspäteten Einstieg ins Online-Geschäft - in wirtschaftliche Schwierigkeiten und schrieb im zweiten Quartal erstmals rote Zahlen.

Der Metro-Konzern beschäftigte Ende Juni weltweit mehr als 280.000 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr erwirtschafte das Unternehmen in den Sparten Großhandel (Cash&Carry), Elektronikhandel (Media-Saturn), Galeria Kaufhof und Lebensmittel (SB-Warenhaus Real) einen Umsatz von 67,3 Milliarden Euro und einen Gewinn von 936 Millionen Euro.

krk/dpa
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