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Shoppingclubs: Schnäppchenjagd unter Zeitdruck

Online-Shoppingclubs Rentable Resterampen

Otto hat einen, Ebay ebenfalls und Amazon auch. Shoppingclubs wie Limango, Buy VIP oder Brands4friends haben sich in Deutschland etabliert. Die Zahl der Mitglieder, die auf Markenware zu Schnäppchenpreisen aus sind, steigt rasant. Und doch ist nicht sicher, ob das Modell auf Dauer überleben kann.
Von Janina Liersch

Hamburg - Ausschlafen? Am Samstag? Für die Mitglieder von Online-Shoppingclubs undenkbar. Zumindest dann, wenn sie vorab per E-Mail über eine interessante Verkaufsaktion informiert wurden. Dann nämlich klingelt der Wecker um 6:45 Uhr. Und pünktlich ab 7:00 Uhr sind die Shoppingclub-Mitglieder online auf Schnäppchenjagd. Denn die im Netz angebotenen, beliebten Markenartikel sind schnell vergriffen, was bei den (überwiegend weiblichen) Interessenten zusätzliche Jagdinstinkte weckt.

Kurzum, das Prinzip "Impulskauf" funktioniert. "Entscheide dich jetzt, sonst bekommst du gar nichts", sagt Hannah Schramm-Kleine, Marketingprofessorin an der Universität Siegen. Es werde den Kunden suggeriert, dass die Markenartikel nur für kurze Zeit zu haben seien. Ein weiterer Vorteil der Clubs: Die während der Verkaufsaktionen angebotene Ware ist bis zu 70 Prozent günstiger. Schnäppchenjäger kommen also auf ihre Kosten. Im Zweifel wird erstmal bestellt. Zurückgeben kann man die Ware immer noch.

Das Geschäftsmodell beruht auf dem Verkauf von Restposten beliebter Markenhersteller. Diese Restposten sind meistens aus der Vorsaison und waren zum eigentlichen Preis nicht für jedermann erschwinglich. Dies nutzen die Betreiber der Clubs. Kleidung, Lippenstifte, Schuhe, Spielwaren, Haushaltsgeräte oder Musicalkarten gehören zum Angebot. Ein Verkauf dauert vier bis fünf Tage.

Teilnehmen kann, wer von einem Mitglied als neues Mitglied geworben wird oder auf Antrag beim jeweiligen Portal. Zu den bekanntesten Shoppingclubs in Deutschland gehören Brands4friends, Limango, Buy VIP und die Zalando Lounge.

Die Pioniere kommen aus Frankreich

Erfinder des Geschäftsmodells ist aber das französische Unternehmen Vente Privée. Der Branchenpionier schaffte es in zehn Jahren auf 13 Millionen Mitglieder, in Deutschland sind es derzeit fast 900.000. "Angebote von Vente Privée sind sehr aufwendig und stellen emotionale Events dar", sagt Jörg Hensen, der das Nordeuropa-Geschäft des Shoppingclubs leitet. Im Vordergrund stehe die Qualität und Präsentation der Marken. In diesem Jahr strebt das Unternehmen mehr als eine Milliarde Euro Umsatz an.

Im Gegensatz zu den Wettbewerbern steckt hinter Vente Privée kein Großkonzern. Ein Angebot des Online-Giganten Amazon schlugen die Franzosen unlängst aus.

Dabei scheint die Kombination aus klassischem Handel und Shoppingclubs geradezu ideal zu sein. "Durch die Kooperation mit Ebay konnten wir vor allem bei der Neumitgliedergewinnung profitieren", sagt Brands4friends-Sprecherin Claudia Gellrich. Darüber hinaus ziehe Brands4friends Nutzen aus dem Marketing und den Internettechnologien des Mutterkonzerns. Es scheint, als würden beide Parteien profitieren und sich damit auch das Überleben sichern.

Günstige Preise, aber lange Lieferzeiten

Denn das, was einst als neues, einzigartiges Geschäftsmodell vorgestellt wurde, verwässert zunehmend. "Ob sich das Geschäftsmodell der Shoppingclubs in Zukunft halten kann, ist ungewiss", sagt Marketing-Professorin Schramm-Kleine. Mangelnde Exklusivität, das Vorkasse-System und ein zu langes Auseinanderliegen von Bestell- und Lieferzeitpunkt kämen bei den Mitgliedern immer schlechter an.

Hinzu kommt, dass die trendbewussten Online-Shopper bei der Fülle von Alternativen nicht mehr nur in einem Club Mitglied sind. So werden verschiedene Aktionen verglichen, mögliche Einsparmöglichkeiten gesichtet und Rangordnungen der Markenattraktivitäten erstellt. Die Folge: Der Exklusivitätsgedanke verliert an Wert.

Mitglied zu werden ist nur noch reine Formsache und suggeriert nicht mehr den Gedanken, zum elitären Kreis dazu gehören zu dürfen. "Mitglied zu werden stellt keine unüberwindbare Hürde dar", sagt Brands4friends-Sprecherin Gellrich. Und ein "geräuschloser Verkauf" sei vor allem auch ein Wunsch der Herstellerpartner, denn so erschienen die Angebote nicht in Suchmaschinen.

Ein weiterer Nachteil: Lieferzeiten von drei bis fünf Wochen. Klassische Online-Händler liefern innerhalb von ein bis zwei Tagen. "Die längere Lieferzeit ist eine Eigenart des Private-Shopping", sagt der Chef der Otto-Tochter Limango, Sven van den Bergh. Die zeitliche Begrenzung des Angebots und die längere Lieferzeit seien Nachteile, die Kunden für den Preisvorteil in Kauf nehmen müssten.

Fashiontrends statt Rabattschlacht: Linmango erweitert Geschäftsmodell

Dass es auch anders geht, zeigt seit kurzem ausgerechnet Limango. So hat die Otto-Tochter erst im Juli Ware von der Berliner Fashionweek verkauft. Die Idee: Keine reduzierten Preise, dafür aber Trends aus der aktuellen Saison.

"Auf Dauer ist eine Erweiterung und Ergänzung des Private-Shopping-Angebotes notwendig", sagt Sprecher van den Bergh. Man müsse die Geschäftsbereiche erweitern, um mit zusätzlichen Angeboten neben den Private Shopping-Aktionen das Interesse der Kunden aufrecht zu erhalten.

Limango hat sich zusätzlich auf Angebote für Frauen und Familien spezialisiert. Die Otto-Tochter sucht damit eine Nische, um dem Konkurrenzkampf zu vermeiden.

Allerdings gehen damit weitere Nachteile einher. Denn beim Anbieten ganz normaler Ware zu ganz normalen Preisen verlassen die Shopping-Clubs ihr ursprüngliches Geschäftsmodell. Wozu sollten Kunden um 6:45 Uhr aufstehen, wenn sie sowieso das bekommen, was sie sich aussuchen - und dann nicht einmal zu stark reduzierten Preisen?

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