Interimslösung Ex-Karstadt-Sanierer Fox wird Praktiker-Chef

Gewinnwarnung, Kurssturz und jetzt auch noch eine unerwartete Entscheidung: Der Praktiker-Aufsichtsrat verpflichtet den ehemaligen Karstadt-Sanierer Thomas Fox an der Spitze der strauchelnden Baumarktkette. Dabei ist der Mann alles andere als unumstritten.
Thomas Fox: Der Unternehmensberater bemühte sich um die Sanierung von Karstadt

Thomas Fox: Der Unternehmensberater bemühte sich um die Sanierung von Karstadt

Foto: ? Ina Fassbender / Reuters/ REUTERS

Hamburg - Eigentlich hatten Branchenkenner geglaubt, bei der Baumarktkette Praktiker könne es nicht mehr schlimmer kommen: Gewinnwarnung, Kurssturz der Aktie, stupende Hilflosigkeit nach dem Rücktritt des gescheiterten Vorstandschefs Wolfgang Werner.

Es wird immer offensichtlicher, dass der auf der Kapitalseite mit Baumarktlaien besetzte Aufsichtsrat keinen Plan hat. Dem Vorsitzenden, Rechtsanwalt Kersten von Schenck, ist es bislang nicht gelungen, einen Mann vom Fach für den Topjob zu gewinnen.

Dass der 59-jährige Schenck von der Kanzlei Clifford Chance den demissionierten Werner bat, bis zum Antritt eines Nachfolgers im Amt zu bleiben, war Offenbarungseid und verheerendes Signal an den Kapitalmarkt zugleich. Doch der 57-Jährige will endlich sein Amt niederlegen.

Chef der Praktiker-Tochter Max Bahr hat frustriert gekündigt

Schenck verfällt in der Not offenbar auf eine Übergangslösung: Interimistisch soll der Unternehmensberater Thomas Fox den Chefposten bei Praktiker übernehmen. Der 54-jährige Fox wurde einem größeren Publikum durch seine Rolle als Chief Restructuring Officer bei Karstadt bekannt. Während des Insolvenzverfahrens und einige Monate danach mühte sich der Mann mit dem Charme einer Kreissäge um die Sanierung der Warenhausfirma.

Ein Costcutter vom Schlage Fox ist jedoch genau das, was Praktiker nicht braucht. Die Kosten sind bereits am Anschlag. Nach dem Ende der ruinösen Rabattpolitik ("20 Prozent auf alles") werden vielmehr dringend eine neue Strategie und ein stimmiges Sortiment gebraucht.

Umso schlimmer, dass der Chef der Praktiker-Tochter Max Bahr, Andreas Mauz (44), frustriert gekündigt hat. Die Konkurrenz fragt sich, wie lange der Konzern weiterwursteln kann. Im September ist die Rückzahlung einer Anleihe fällig - 150 Millionen Euro muss Praktiker aufbringen.

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