Gewinneinbruch Media-Saturn bremst Metro aus

Die Probleme bei den Töchtern Media Markt und Saturn machen Metro zu schaffen, die Schuldenkrise lähmt das Geschäft in vielen Ländern. Konzernchef Eckard Cordes stellt das Gewinnziel deshalb infrage. Eine Onlineoffensive soll die Elektronikketten wieder auf Kurs bringen - doch es gibt auch interne Querelen.
Hausaufgaben machen: Metro-Chef Eckhard Cordes muss die Töchter Media Markt und Saturn auf Kurs bringen

Hausaufgaben machen: Metro-Chef Eckhard Cordes muss die Töchter Media Markt und Saturn auf Kurs bringen

Foto: Rolf Vennenbernd/ picture alliance / dpa

Düsseldorf - Der Preiskampf bei Elektronik hat dem Handelsriesen Metro  die Quartalsbilanz verhagelt. Wegen roter Zahlen bei den schwächelnden Fachmarktketten Media Markt und Saturn ging der Konzerngewinn im zweiten Quartal 2011 um mehr als ein Viertel auf 40 Millionen Euro zurück.

Damit verdiente die Metro weniger als vor einem Jahr, obwohl das wichtige Ostergeschäft 2011 durch den späteren Termin im April ein zusätzlicher Treiber war. Der Konzernumsatz stagnierte im zweiten Quartal bei 15,7 Milliarden Euro.

Die Metro-Stammaktie war am Donnerstag zeitweise das Schlusslicht im Dax  . Sie büßte in der Spitze fast 6 Prozent auf 35,65 Euro ein.

Hauptsächlich durch Preissenkungen und Rabattaktionen verbuchte Media-Saturn erstmals seit Jahrzehnten im zweiten Quartal einen operativen Verlust, der sich auf 36 Millionen Euro belief. Das ist gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres eine Verschlechterung um 76 Millionen Euro. Dagegen gelangen den Metro-Großhandelsmärkten für Gewerbetreibende und dem Lebensmittelhändler Real vor Zinsen und Steuern Gewinnsprünge.

Real schrieb mit 10 Millionen Euro operativ diesmal schwarze statt rote Quartalszahlen. Kaufhof verringerte den Quartalsverlust von 15 auf 4 Millionen Euro, wenn man Kosten für das Schließen einzelner Häusern abzieht. Für Kaufhof schaue man sich ohne Zeitdruck nach einem Käufer um. Ob Real verkauft wird, sei offen.

Cordes: Neuausrichtung und Sparprogramm bei Media-Saturn

Metro-Chef Eckhard Cordes betonte bei der Zahlenpräsentation in Düsseldorf, die Ertragskraft des Handelskonzerns sei ungebrochen. Der Vorstand habe zwar die Prognose für das Umsatzwachstum im Jahr 2011 von bisher gut 4 Prozent auf "über Vorjahresniveau" gesenkt. Die Wachstumsprognose für das um Sonderfaktoren bereinigte Ergebnis (Gewinn vor Zinsen und Steuern) bleibe jedoch mit rund 10 Prozent unverändert.

Bei Media-Saturn, dem zweitgrößten Ertragsbringer nach den Metro-Großhandelsmärkten des Konzerns, sollen eine Neuausrichtung und Kostensenkungen bereits im zweiten Halbjahr Wirkung zeigen. Media-Saturn baut in diesem Jahr europaweit 3000 Arbeitsplätze ab.

Die Elektronikketten hätten in einige Ländern wie Deutschland die Kosten- und in der Folge auch die Preisführerschaft verloren. Deshalb habe Media-Saturn umgehend mit Preissenkungen reagiert. "Wir haben in Preise investiert, bevor wir die Kostenseite nachziehen können", schilderte Cordes.

Streit mit Minderheitsgesellschafter Erich Kellerhals

Zu den roten Quartalszahlen von Media-Saturn hätten mehrere Faktoren geführt, zu denen Verluste in Frankreich und China sowie Aufbaukosten im Internetgeschäft gehörten. Im zweiten Halbjahr sollen die Elektronikketten den Ergebnisrückgang aus den ersten sechs Monaten teilweise wieder aufholen. Auch ihr Umsatz werde anziehen. Dazu werde der erworbene Internethändler Redcoon beitragen.

Die Online-Offensive von Media-Saturn wird unterdessen von einem neuen Streit überschattet. Cordes warf dem Minderheitsgesellschafter Erich Kellerhals vor, die Geschäftsführung der Elektronikketten zu schwächen. Kellerhals habe dem Kauf von zwei kleinen Internetfirmen nicht zugestimmt. Er sehe zwar keine generelle Blockade bei Media-Saturn durch Kellerhals. Aber dessen jüngstes Votum sei nicht im Interesse das Managements.

Ein Sprecher von Kellerhals sagte, der Media-Markt-Gründer wolle verhindern, dass mehrere Zukäufe auf einmal zu viele Kapazitäten der Media-Saturn-Geschäftsführung binden könnten. Metro besitzt gut 75 Prozent der Media-Saturn-Holding (Ingolstadt). Kellerhals und die Metro AG streiten sich bereits vor Gericht.

Ehec-Angst vermiest Real-Ergebnis

Die anderen Metro-Töchter - die Cash&Carry-Großmärkte sowie die Ketten Real und Kaufhof - konnten ihre Zahlen von April bis Juni leicht verbessern. Den größten Anteil am Konzernumsatz im zweiten Quartal hatten die Großhandelsmärkte mit 7,8 Milliarden Euro, die im Vergleich zum Vorjahr um 1,4 Prozent zulegen konnten. Das Ergebnis der Sparte verbesserte sich um knapp 7 Prozent auf 262 Millionen Euro.

Die Lebensmittelkette Real bekam in Deutschland die Angst der Verbraucher vor dem Darmkeim Ehec zu spüren, was sich auf den Verkauf von Obst und Gemüse auswirkte. Dennoch konnte die Tochter insgesamt im Quartal ihren Umsatz stabil auf 2,8 Milliarden Euro halten. Ohne Standortabgaben wäre der Umsatz deutlicher gestiegen. Zudem schrieb die Kette im Quartal wieder schwarze Zahlen nach einem Verlust im Vorjahr.

Bei Galeria Kaufhof legte der Umsatz im Quartal um 1,3 Prozent auf 800 Millionen Euro zu und der Verlust verringerte sich von 15 auf 4 Millionen Euro. Die Metro will Kaufhof gerne verkaufen, auch für Real wird eine Trennung erwogen. Dem Vernehmen nach gibt es für beide Töchter abtastende Gespräche mit mehreren Interessenten.

nis/rtr/dpa-afx
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