Karstadt Klatsche für Arcandor-Insolvenzverwalter

Der Insolvenzverwalter des Handelskonzerns Arcandor, Klaus Hubert Görg, hat einen weiteren Rückschlag erlitten. Die Erfolgsaussichten seiner Schadensersatzklage über 175 Millionen Euro gegen frühere Firmenverantwortliche sinken.
Niederlage vor Gericht: Der Insolvenzverwalter von Arcandor, Klaus Hubert Görg

Niederlage vor Gericht: Der Insolvenzverwalter von Arcandor, Klaus Hubert Görg

Foto: Julia Kellner/ AP

Hamburg - Das Landgericht Essen hat im Schadensersatzprozess gegen elf ehemalige Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder der Arcandor AG (früher Karstadt, Quelle, Thomas Cook) einen Beschluss gefasst, der die Chancen des Insolvenzverwalters deutlich mindert, für die Insolvenzmasse nennenswerte Beträge einklagen zu können.

Klaus Hubert Görg hatte den ehemaligen Konzernchef Thomas Middelhoff und zehn weitere ehemalige Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder auf 175 Millionen Euro Schadensersatz verklagt. Bei der Klage geht es um Sale-and-Lease-Back-Geschäfte des Konzerns mit der Oppenheim-Esch-Gruppe.

Karstadt hatte kurz nach der Jahrtausendwende fünf Warenhausobjekte an Oppenheim-Esch-Fonds verkauft und diese nach Modernisierung zurückgemietet. Durch zu niedrige Veräußerungserlöse und zu hohe Mieten soll der von Görg behauptete Schaden entstanden sein. Angesichts einer von Görg bei Gericht eingereichten dritten Version seiner Klageschrift ist die Kammer auf erhebliche Widersprüche gestoßen.

Eine Verurteilung der Beklagten galt bisher ohnehin nur bei einem der Objekte, nämlich einem früheren Karstadt-Haus in der Wiesbadener Innenstadt, als wahrscheinlich. Doch ausgerechnet bezüglich dieses Gebäudes hat Görg selbst ein Gutachten der Firma DTML Real Estate GmbH vorgelegt, wonach das Projekt Wiesbaden insgesamt mit einem positiven Saldo von 24,07 Millionen Euro abgeschlossen wurde.

Gericht empfiehlt Vergleich

Das Gericht äußert sich verwundert: "Dazu passt der bisherige Vortrag, dass der Schaden mit den Drohverlustrückstellungen identisch sei, nicht." Lediglich durch Zusatzerwägungen, die die Gutachter selbst als "hypothetische Welt" bezeichnen, könnte sich unter Umständen ein Gesamtschaden von 46 Millionen Euro ergeben. Dem steht allerdings nach Angaben von Middelhoffs Anwalt Winfried Holtermüller von der Kanzlei Schelling & Partner eine Rückvergütung des Fondsinitiators in Höhe von 15,4 Millionen Euro gegenüber.

Das Gericht hat dem Kläger Görg aufgegeben, die Widersprüche binnen sechs Wochen auszuräumen. Die Beklagten haben vier Monate Zeit zu einer Stellungnahme.

Ursprünglich hatte das Gericht für den 31. August 2011 die Verkündung eines Urteils bezüglich eines Teils der Beklagten, nämlich der ehemaligen Mitglieder des Arcandor-Aufsichtsrats, avisiert. Diese Absicht hat die Kammer jedoch wieder aufgegeben, da sich dadurch Widersprüche bei den Verurteilungen von früheren Vorständen und Aufsichtsräten ergeben könnten.

Nächster Termin für die mündliche Verhandlung soll nun am 15. Februar 2012 sein. Das Gericht regt zudem einen Vergleich zwischen den Parteien an, da es fraglich sei, "ob die zum Teil lange zurückliegenden Vorgänge heute noch aufgeklärt werden können".

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