Baumarktkette Praktiker setzt auf Strategieschwenk

"20 Prozent auf alles - außer Tiernahrung." Derlei Versprechen leistet sich der Baumarktkonzern Praktiker schon länger nicht mehr. Nach einem schwachen zweiten Quartal will das Unternehmen jetzt noch stärker seine Strategie und Werbung überarbeiten. Das wird Stellen kosten - vorerst nur im Ausland.
Kostspielig: Die aggressiven Rabatt-Aktionen haben der Baumarktkette Praktiker im Ergebnis eher geschadet

Kostspielig: Die aggressiven Rabatt-Aktionen haben der Baumarktkette Praktiker im Ergebnis eher geschadet

Foto: dapd

Frankfurt am Main - Der Baumarktkonzern Praktiker überarbeitet nach einem enttäuschenden Start seine neue Vermarktungsstrategie. Zwar sei das Management "entschlossen, von dem Pfad, der mit 'Praktiker 2013' eingeschlagen worden ist, grundsätzlich nicht abzuweichen", erklärte das Unternehmen am Mittwoch in seinem Quartalsbericht. Allerdings würden einige Maßnahmen verstärkt oder beschleunigt.

Praktiker hatte seine unprofitablen 20-Prozent-Rabattaktionen aufgegeben und setzt statt dessen auf ein übersichtlicheres Sortiment mit mehr Eigenmarken. Die Kampagne mit dem früheren Tennisstar Boris Becker lockte jedoch weniger Kunden in die Baumärkte als vom Management erwartet.

Der Strategiewechsel trieb den Konzern im saisonal wichtigen zweiten Quartal tief in die roten Zahlen. Er schnitt damit deutlich schlechter ab, als Analysten erwartet hatten. Im Auslandsgeschäft macht dem Konzern zudem die Wirtschaftskrise in wichtigen Ländern wie Griechenland und Rumänien zu schaffen. Das Unternehmen schrieb so einen Verlust von 307 Millionen Euro nach einem Gewinn von 26 Millionen vor Jahresfrist.

Das operative Ergebnis ging sogar ohne Berücksichtigung von Sonderbelastungen auf Talfahrt: Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) brach um 36 Prozent auf 42 Millionen Euro ein. Der Umsatz schrumpfte um 8 Prozent auf 957 Millionen Euro. Analysten hatten einen Verlust von 139 Millionen Euro, ein bereinigtes Ebita von 49 Millionen Euro und einen Umsatz von 971 Millionen Euro erwartet.

An der Frankfurter Börse verlor die im MDax  notierte Aktie von Praktiker  bis Mittag 7,6 Prozent auf 2,66 Euro und war damit schwächster Wert in dem Nebenwerte-Index.

Praktiker baut jetzt Personal ab und bessert Werbung nach

Nun bessert Praktiker nach: Im Inland solle der neue Werbeauftritt im zweiten Halbjahr überarbeitet werden, kündigte das Unternehmen an. Im Ausland sind Strukturanpassungen, Kostensenkungen und Personalabbau geplant. Diese Schritte sollen zusammen mit einer Vereinheitlichung der Sortimente und mehr Eigenmarken "so lange für Ergebnisstabilität sorgen, bis sich die Umsätze im Zuge einer generellen Belebung der Volkswirtschaften wieder erholen", teilte das Unternehmen am Mittwoch weiter mit.

Praktiker: Missmanagement, Strategiefehler, Dauerrabatte

rei/ rtr
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